Wenner verkauft seit Donnerstag Erster Spargel im Osnabrücker Land ist ein Euro teurer

Von Jean-Charles Fays


Hilter/Glandorf. Spargel aus der Region ist in diesem Jahr ein Euro teurer. Die Gründe dafür sind der höhere Mindestlohn für Erntehelfer und der spätere Saisonbeginn als im Vorjahr. Seit diesem Donnerstag verkauft der Spargelhof Wenner den ersten Spargel aus der Region an seinen Verkaufsständen in Stadt und Landkreis Osnabrück.

Der Verkaufspreis für ein Kilo der Klasse 1 liegt somit dieses Jahr bei 11,90 Euro. Betriebsleiter Jörg Wenner erklärt: „Seit diesem Jahr gilt der allgemeine gesetzliche Mindestlohn auch bei uns und wir bezahlen unseren Erntehelfern 8,84 Euro pro Stunde.“ Bereits im vergangenen Jahr wurde der Lohn für Saisonarbeiter in der Landwirtschaft von 8 Euro auf 8,60 Euro angehoben. Im vergangenen Jahr kam Wenner der frühe Saisonstart bereits im März entgegen, weil er die Mehrkosten für den höheren Mindestlohn so kompensieren konnte und den Spargel der Klasse 1 wie schon 2016 zu einem Preis von 10,90 Euro pro Kilo anbot.

Zu wenig Sonnenschein im März

„Dieses Mal konnten wir das Ostergeschäft leider nicht mitnehmen, weil wir im März einfach zu wenig Sonnenschein hatten“, so Wenner. Die Wurzel, die 35 Zentimeter tief in der Erde liege, benötige 12 Grad, um zu wachsen. Die Messstation, die die Temperatur an der Wurzel misst, zeigte bei Wenner aber das erste Mal kurz vor Ostern diesen Wert an. „Wir haben alles dafür getan, dass wir den Spargel schon früher anbieten können, aber früher ging es leider nicht“, konstatiert der Landwirt. „Damit haben wir zwar keinen guten, aber immerhin einen durchschnittlichen Erntebeginn.“

Dreifach-Folien sorgen für Gewächshaus-Effekt

Die Dreifach-Folien auf dem Hof der Spargelbauern Jörg Wenner und Michaela Kaiser-Wenner sorgen dafür, dass er immerhin am 5. April mit dem Verkauf beginnen kann. Die mit Dreifach-Folie bedeckten Dämme haben dabei einen ähnlichen Effekt wie ein Gewächshaus. Während viele andere Spargelbauern in der Region nur auf zwei Folien setzen, nutzt Wenner die dritte Folie, um auch die Räume zwischen den Folien zu erwärmen. Hinzu kommt, dass der Hilteraner auf extra leichte und sandige Böden setzt, die die Wärme gut weitergeben.

( Weiterlesen: Region Osnabrück: Selten begann Spargelsaison so früh)

„Dann werden die Preise in zwei Wochen auch wieder fallen“

Die angekündigten Temperaturen von bis zu 20 Grad und die vielen Sonnenstunden am kommenden Wochenende lassen Wenner frohlocken: „Dadurch werden wir bald noch mehr Spargel stechen können. Wenn es bei dem schönen Wetter bleibt, dann werden die Preise durch die größeren Mengen in etwa zwei Wochen auch wieder fallen.“ Hinzu komme, dass der Preis für den ersten Spargel nur für die beliebteren dickeren Stangen angehoben wurde. „Der dünnere Spargel der Klasse 1 zwischen 12 und 16 Millimeter ist wie schon im Vorjahr weiterhin für 9,90 Euro erhältlich“, erläutert Wenner. Einen Unterschied im Geschmack zu den 16 bis 26 Millimeter dicken Stangen gebe es dabei ohnehin nicht. „Der dickere sieht lediglich schöner aus“, ist Wenner überzeugt.

Einen anderen Eigengeschmack hingegen habe der grüne Spargel, der in englischsprachigen Ländern beliebter sei. Da der Spargelbauer jedoch bemerkt, dass auch hierzulande jüngere Leute zunehmend den würzigeren grünen Spargel – „etwa zu Spaghetti, auf dem Grill oder zu moderneren Rezepten“ – essen würden, will auch der Hilteraner Landwirt zunehmend in diesen Nischenmarkt vorstoßen: „Bislang macht der Anteil Grünspargel bei uns zwei Prozent aus. Wir wollen diesen aber auf zehn Prozent steigern.“

Neue Grünspargelschälmaschine

Eigens dafür hat er sich jetzt auch eine Grünspargelschälmaschine angeschafft, was ein Novum in der Branche sei. „Grünspargel muss anders geschält werden, weil er am Kopf so leicht bricht“, weiß Wenner. Dass Grünspargel eigentlich nicht geschält werden muss, hält er für einen Mythos, denn „er schmeckt geschält einfach besser“, sagt er. Allerdings werden die ersten grünen Stangen bei ihm erst etwa in einer Woche verkauft. Keine Frage ist für Wenner, dass trotz des Trends zu grünem Spargel hierzulande auch weiterhin das weiße Edelgemüse beliebter bleiben wird. Von jährlich rund 100000 Tonnen deutschem Spargel, die in Deutschland durchschnittlich bis zum Ende der Saison am 24. Juni geerntet werden, sind mehr als 90 Prozent sogenannter „Bleichspargel“.

( Weiterlesen: Auch 2016 war der erste Spargel der Saison ein Euro teurer)

Spargelbauer Toppheide sieht keine Nachfrage für geschälten Grünspargel

Die Notwendigkeit zum Schälen von Grünspargel hat Spargelbauer Klaus Toppheide aus Glandorf hingegen noch nicht erkannt. „Für geschälten Grünspargel gibt es bislang noch keine Nachfrage. Daher wird er an unseren Verkaufsständen auch ungeschält angeboten.“ Experten raten bei Grünspargel oft dazu, nur das untere Drittel der Schale mit einem Sparschäler zu entfernen, während weißer Spargel immer geschält werden sollte, weil seine härtere Schale sonst den Geschmack verdirbt. Weder die grünen noch die weißen Stangen des Edelgemüses sind jedoch bei Toppheide soweit, dass sie bereits geerntet werden könnten. „Die Natur ist zum Vorjahr zwei Wochen zurück. Deshalb werden wir wohl erst Ende kommender Woche die ersten Stangen ernten können“, erklärt er.

Auch Toppheide startet mit 11,90 Euro pro Kilo Spargel

Toppheide will ebenfalls mit 11,90 Euro für ein Kilo der Klasse 1 beginnen und den Verkaufspreis zum Saisonstart somit ebenfalls um ein Euro zum Vorjahr anheben. „Der Grund dafür ist eindeutig der höhere Mindestlohn“, führt Toppheide aus. Er verweist darauf, dass der Mindestlohn für Saisonarbeiter von 7,40 Euro im Jahr 2015 bis heute sukzessive auf 8,84 Euro angehoben wurde. Da der Lohn für die Erntehelfer der größte Kostenfaktor sei, müsse diese Lohnerhöhung auch weitergegeben werden. Dass er zwei Wochen später als im Vorjahr mit dem Verkauf beginnen könne, sei zwar schade, insgesamt aber nicht tragisch. Toppheider erklärt: „Wenn der Verkauf zu früh beginnt, kann das auch schlecht sein, weil die Leute den Spargel zu früh satt sind und der Verkauf zum Saisonende dann zäh verläuft.“