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Führung findet erneut statt Die Spuren des jüdischen Osnabrücks im Katharinenviertel erkunden

Von Corinna Berghahn


Osnabrück. Eine Führung am Sonntag, 13. Mai, begibt sich erneut auf die Spuren der NS-Zeit im Katharinenviertel. Der erste Termin wurde von mehr als 100 Menschen besucht.

Nein, mit so einem Andrang hatten die Veranstalter des Rundgangs bei dem ersten Termin Anfang April nicht gerechnet: Über 100 Menschen schoben sich fast zwei Stunden lang an dem Tag durch die Straßen und begaben sich mit Martina Sellmeyer auf die „Spuren der NS-Zeit im Katharinenviertel“. Nun wird die Führung am 13. Mai 2018 wiederholt.

Denn im Katharinenviertel lag nicht nur die das „Braune Haus“ genannte Zentrale der NSDAP in unmittelbarer Nachbarschaft zur Synagoge. Hier wohnten bis zu ihrer Flucht oder Deportation zahlreiche jüdische Familien neben SA-Einheiten oder der NSDAP-Ortsgruppe Martinitor.

„Im Zentrum des Viertels lag der Tennisplatz, den die jüdischen Familien nach dem frühen Ausschluss aus dem Osnabrücker Turnverein in den 1920-er Jahren betrieben haben“ erklärte Sellmeyer, die erneut durch das Viertel führen wird. Geht es um das jüdische Leben in Osnabrück und seine Auslöschung, ist Sellmeyer Expertin: Zusammen mit Peter Junk veröffentlichte sie das Buch „Stationen auf dem Weg nach Auschwitz: Entrechtung, Vertreibung, Vernichtung. Juden in Osnabrück 1900–1945“ – eines der Standardwerke zum Thema Judenverfolgung in der Hasestadt.

Die Führung, so Sellmeyer, soll nicht nur die jüngere Geschichte des Viertels näherbringen, sondern auch das Engagement für den Erhalt des Hauses Herderstraße unterstützen. Tatsächlich waren viele der Teilnehmer der ersten Führung stark an der Geschichte des Hauses – und seiner möglichen Zukunft – interessiert, sodass sich vor dem Haus eine lange Diskussion ergab.

Das leere Haus in der Herderstraße 22

Zur Erklärung: Zu den jüdischen Familien Viertels gehörten auch die damals wohlhabenden Flatauers, die einst an der Herderstraße 22 wohnten. Die Geschichte des heute leer stehenden und herunter gekommenen Hauses zeigt, wie es vielen jüdischen Bürgern erging: Das Haus und all ihr Besitz wurde ihnen genommen, die Söhne konnten fliehen, die Eltern wurden in Auschwitz ermordet. (Nachzulesen hier: Warum steht mitten im Katharinenviertel ein Haus seit Jahren leer?)

Mitten im Katharinenviertel lag einst der jüdische Tennisplatz. Foto: Palter

Der Bürgerverein Katharinenviertel will, dass das Haus – ein „Schandfleck des Viertels“, so Mitglied Hartmut Böhm – eine Gedenkstätte wird. Eine Idee, die auch der Rat der Stadt grundsätzlich unterstützt. Allerdings will die Besitzerin des Hauses die Immobilie nicht verkaufen, obwohl Oberbürgermeister Wolfgang Griesert in einem persönlichen Gespräch ein Angebot der Stadt unterbreitet hat. (Nachzulesen hier: Das Haus in der Herderstraße und der berührende Besuch der Nachfahren)

Die Führung startet am 13. Mai um 13.30 Uhr und ist kostenlos; Treffpunkt ist am Haupteingang des Felix-Nussbaum-Hauses.