Führung auch zum Haus in der Herderstraße Auf den Spuren des jüdischen Osnabrücks im Katharinenviertel

Von Corinna Berghahn

Das Haus an der Herderstraße 22 steht seit über 20 Jahren leer – doch seine Geschichte ist bekannt. Foto: Gert WestdörpDas Haus an der Herderstraße 22 steht seit über 20 Jahren leer – doch seine Geschichte ist bekannt. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Im Katharinenviertel wohnten bis zu ihrer Flucht oder Deportation zahlreiche jüdische Familien direkt neben der Zentrale der NSDAP in der Villa Schlikker. Eine Führung an diesem Sonntag begibt sich nun auf die Spuren der NS-Zeit – und wird auch zu dem leeren Haus in der Herderstraße führen.

Im Katharinenviertel lag nicht nur die das „Braune Haus“ genannte Zentrale der NSDAP in unmittelbarer Nachbarschaft zur Synagoge. Hier wohnten bis zu ihrer Flucht oder Deportation zahlreiche jüdische Familien neben SA-Einheiten oder der NSDAP-Ortsgruppe Martinitor. Eine Führung am Sonntag, 8. April 2018, will sich daher auf die „Spuren der NS-Zeit im Katharinenviertel“ begeben.

„Im Zentrum des Viertels lag der Tennisplatz, den die jüdischen Familien nach dem frühen Ausschluss aus dem Osnabrücker Turnverein in den 1920-er Jahren betrieben haben“ erklärt Martina Sellmeyer, die durch das Viertel führen wird. Geht es um das jüdische Leben in Osnabrück und seine Auslöschung, ist Sellmeyer Expertin: Zusammen mit Peter Junk veröffentlichte sie das Buch „Stationen auf dem Weg nach Auschwitz: Entrechtung, Vertreibung, Vernichtung. Juden in Osnabrück 1900–1945“ – eines der Standardwerke zum Thema Judenverfolgung in der Hasestadt. Die Führung, so Sellmeyer, soll nicht nur die jüngere Geschichte des Viertels näherbringen, sondern auch das Engagement für den Erhalt des Hauses Herderstraße unterstützen.

Das leere Haus in der Herderstraße 22

Zur Erklärung: Zu den jüdischen Familien Viertels gehörten auch die damals wohlhabenden Flatauers, die einst an der Herderstraße 22 wohnten. Die Geschichte des heute leer stehenden und herunter gekommenen Hauses zeigt, wie es vielen jüdischen Bürgern erging: Das Haus und all ihr Besitz wurde ihnen genommen, die Söhne konnten fliehen, die Eltern wurden in Auschwitz ermordet. (Nachzulesen hier: Warum steht mitten im Katharinenviertel ein Haus seit Jahren leer?)

Mitten im Katharinenviertel lag einst der jüdische Tennisplatz. Foto: Palter

Der Bürgerverein Katharinenviertel will, dass das Haus – ein „Schandfleck des Viertels“, so Mitglied Hartmut Böhm – eine Gedenkstätte wird. Eine Idee, die auch der Rat der Stadt grundsätzlich unterstützt. Allerdings will die Besitzerin des Hauses die Immobilie nicht verkaufen, obwohl Oberbürgermeister Wolfgang Griesert in einem persönlichen Gespräch ein Angebot der Stadt unterbreitet hat. (Nachzulesen hier: Das Haus in der Herderstraße und der berührende Besuch der Nachfahren)

Die Führung startet am 8. April um 11 Uhr und ist kostenlos; Treffpunkt ist am Haupteingang des Felix-Nussbaum-Hauses.