Erinnerungen der „Newcomers“ In Osnabrück lebender Filmemacher lässt Flüchtlinge ihre Geschichten erzählen

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Der in Osnabrück lebende Filmemacher Ma‘an Moussli hat Flüchtlinge ihre Geschichten erzählen lassen. Foto: Anne ReinertDer in Osnabrück lebende Filmemacher Ma‘an Moussli hat Flüchtlinge ihre Geschichten erzählen lassen. Foto: Anne Reinert

Osnabrück. Der syrische Filmemacher Ma‘an Moussli hat für seine Dokumentation „Newcomers“ (Neuankömmlinge) Flüchtlinge in Deutschland interviewt. Moussli ist selbst ein „Newcomer“, der seit 2013 in Osnabrück lebt. iSonntag feiert die Dokumentation im Cinema Arthouse in Osnabrück Premiere.

Sie haben während der Testvorführung ein paar Mal geseufzt. Wie fühlt es sich für Sie an, ihren Film zu sehen?

An manchen Stellen habe ich mich wieder so schlecht gefühlt wie während der Interviews, in denen mir die Leute von ihren schlimmen Erfahrungen erzählt haben. Einer hat mir berichtet, wie er grausam gefoltert wurde. Aber es gibt auch viele Dinge, von denen im Film nichts zu erfahren ist, an die ich wieder denken musste.

Wie viele Menschen aus wie vielen Ländern haben Sie interviewt?

Wir haben ungefähr 100 Leute aus 13 oder 14 Ländern interviewt. Im Film selbst sind 29 Personen aus acht Ländern zu sehen. Aus dem Iran, Syrien, Sudan, Libanon, Afghanistan, Deutschland, Palästina und Guinea. Wir haben auch einen DDR-Flüchtling dabei, und eine Frau, die im Zweiten Weltkrieg aus Schlesien flüchten musste.

Sie wählen immer dieselbe Perspektive: das Gesicht der interviewten Person vor einem schwarzen Hintergrund. Warum?

Wir führen die Zuschauer ganz nah an die „Newcomers“ heran. Die Leute erzählen etwas aus ihrem eigenen Leben, und wir gucken ihnen dabei in die Augen. Ich wollte, dass das Publikum sich genauso fühlt, wie die Leute, die interviewt wurden. Es sind sehr persönliche Geschichten, und es ist ein sehr persönlicher Film. (Lesen Sie hier eine Kurzkritik zu dem Film)

Von den vielen Stunden, die Sie mit den Leuten gesprochen haben, sehen und hören wir im Film nur einige Ausschnitte. Mit vielen haben sie mehrere Stunden gesprochen, mit einem Mann sogar neun Stunden.

Er hat im Krieg seine Arme verloren. Er musste einfach von seinen Erlebnissen, seinem Leben und seiner Flucht sprechen. Etwa davon, wie er nach Italien kam und dort nicht erwünscht war. Aber auch für die anderen war es wichtig, endlich reden zu können. Viele meiner Interviewpartner haben diese Geschichten zum ersten Mal erzählt.

Es gibt eine Internetseite zum Film, auf dem die Interviews demnächst ganz abzurufen sind.

Wir planen, die Interviews in voller Länge auf der Seite hochzuladen. Sie dauern dann eben zwei Stunden, drei Stunden oder mehr. Viele Interviews wurden allerdings in Sprachen wie Arabisch oder Farsi geführt und brauchen noch deutsche Untertitel. Es wird bis nächstes Jahr dauern, dass sie auf der Seite stehen.

Sie wollen noch mehr Gespräche mit anderen „Newcomers“ führen.

Ich fand es nach den Interviews sehr wichtig und interessant, die Leute dazu zu bringen, ihre Geschichten zu erzählen. So kam ich auf die Idee, das Projekt fortzusetzen. Ich werde noch mehr Interviews führen und sie auf der Seite hochladen, ohne einen weiteren Film darüber zu machen. Es soll eine kollektive Erinnerung aller Newcomers werden. Ich will das bis zum letzten Moment meines Lebens weitermachen.

Wow …

Diese Geschichten würden sonst verloren gehen, wenn die Leute sterben. Dabei sind es so wichtige Geschichten, viel wichtiger als das, was wir täglich in den Medien erfahren. Und es ist auch wichtig, diesen Menschen die Chance zu geben, über ihre Geschichten zu sprechen und sie ein Publikum hören zu lassen.

Wie war es für die Leute, die Interviews zu geben?

Sie waren danach sehr erleichtert. Es war für sie ein Moment der Wahrheit. Jeder von uns hat schlechte Erfahrungen, die er in sich trägt. Darüber zu sprechen, macht es leichter, neu zu starten und Lösungen zu finden.


Premiere am Sonntag, 8. April, 11.30 Uhr, Cinema Arthouse; weitere Vorführungen Montag, 9. April, 19 Uhr, Sonntag, 15. April, 11.30 Uhr, Montag, 16. April, 19 Uhr. Kartentel.: 0541/600650.

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