Vor der Theaterpremiere Regieteam über Pinters „Die Geburtstagsfeier“

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Nicht auf der Bühne, aber Im Mobiliar des Bühnenbilds: Dominique Schnizer und Christin Treunert. Foto: Michael GründelNicht auf der Bühne, aber Im Mobiliar des Bühnenbilds: Dominique Schnizer und Christin Treunert. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Angst steht im Zentrum von Harold Pinters Stück „Die Geburtstagsfeier“. Regisseur Dominique Schnizer und Bühnenbildnerin Christin Treunert über ihr Konzept und Hinweise zum Inhalt.

Harold Pinter s „Die Geburtstagsfeier“ stand auf der Liste der Stücke, die Dominique Schnizer auf die Osnabrücker Bühnenbretter heben wollte. Nun setzt er es schneller als gedacht im Theater am Domhof in Szene, weil durch den erkrankten Schauspieler Ronald Funke Eugen O‘Neills „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ nicht realisierbar war. Pinters frühes Stück, uraufgeführt 1958 in Cambridge, wird heute in Deutschland nicht sehr häufig gespielt, in England um so mehr. Warum das so ist, weiß Schnizer nicht. Regielegende Andrea Breth hat im vergangenen Jahr immerhin eine vierstündige Lesart der „Geburtstagsfeier“ bei den Salzburger Festspielen herausgebracht.

Kurz zum Inhalt

Schnizer und seine Bühnenbildnerin Christin Treunert finden das Stück nicht nur faszinierend, sondern in gewissem Sinne auch aktuell. Das Ehepaar Petey und Meg, beide Mitte 60, führen eine kleine Strandpension am Meer, die schon bessere Tage gesehen haben mag. Einziger Dauergast ist Stanley (30), der vorgibt, ein begabter Pianist gewesen zu sein. Doch nun vegetiert er antriebslos vor sich hin, pflegt sich nicht mehr und wird immer geringschätziger und aggressiver, je mehr Meg ihn umsorgt und umturtelt. Petey, Megs Mann, schaut diesem unguten Treiben teilnahmslos zu. Bis sich zwei befreundete Männer in der Pension einquartieren und die verkrustete Nesthockerei gründlich aufmischen.

Wie Pinter selbst will Schnizer gar nicht ganz enträtseln, was genau die beiden Herren Goldberg und McCann von Stanley wollen. Sind sie bloß Gangster oder Vertreter einer religiösen Gemeinschaft, der Stanley vor Jahren aus unklaren Gründen entsprungen ist? Hat er etwas auf dem Kerbholz oder warum sonst unterzieht das Duo den Jungen Mann einem in jeder Hinsicht schmerzhaften Kreuzverhör?

Angst als Tenor des Dramas

Angst ist für das Regieteam der Grundtenor des Dramas: „Es spielt mit Verlustängsten und die Ängste wollen wir den Zuschauern durch allzu viele Erklärungen gar nicht nicht nehmen“, sagt Schnizer lachend beim Vorgespräch. Der Literaturnobelpreisträger Pinter arbeite mit verschiedenen Genres wie dem Agententhriller, Filmelementen und einer Prise absurden Theaters. „Wut, Angst und Abgründe“ sieht Bühnenbildnerin Christin Treunert in der Figur des Stanley, den Julius Janosch Schulte spielt. Die Meg von Cornelia Kempers ist für sie die große Verdrängerin, die die Gewaltexzesse einer Partynacht nicht wahrhaben will. Johannes Busslers Petey bezeichnet sie als Ignoranten. Goldberg spielt Jan Andreesen, der gerade beim „Medea“-Projekt Jason mitwirkt und der junge Berufsanfänger Mick Riesbeck den McCann. Wie Andreesen und Bussler ist er nächste Saison fest im Ensemble zu erleben.

Die Bühne soll nach dem Konzept von Christin Treunert kein naturalistischer Raum sein, obwohl sie Pensionsmobiliar enthält. „Die Weite des Raums und zugleich Enge spiegel die Verlorenheit der Figuren, für die die Zeit stehen geblieben ist“.


Premiere von Harold Pinters „Die Geburtstagsfeier“ in der Regie von Dominique Schnizer ist am Samstag, 14. April um 19.30 Uhr im Theater am Domhof. Kartentel. 0541-7600076.

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