SPD trägt CDU-Vorschlag mit Berliner Platz in Osnabrück soll Helmut-Kohl-Platz werden

Von Rainer Lahmann-Lammert

Der Berliner Platz soll in Zukunft Dr.-Helmut-Kohl-Platz heißen. Damit soll dem früheren Bundeskanzler ein Denkmal gesetzt werden. Foto: David EbenerDer Berliner Platz soll in Zukunft Dr.-Helmut-Kohl-Platz heißen. Damit soll dem früheren Bundeskanzler ein Denkmal gesetzt werden. Foto: David Ebener

Osnabrück. Aus dem Berliner Platz soll der Dr.-Helmut-Kohl-Platz werden. Mit diesem Vorschlag des CDU-Fraktionsvorsitzenden Fritz Brickwedde wird sich demnächst der Kulturausschuss beschäftigen. Eine Mehrheit im Rat gilt als wahrscheinlich, weil die SPD Zustimmung signalisiert hat.

Schon wenige Tage nach dem Tod des Altkanzlers im Juni 2017 hatte sich die CDU-Fraktion dafür ausgesprochen, eine Straße oder einen Platz nach Helmut Kohl zu benennen. Als die Sache am 5. September in den Rat kam, stimmten nur zwei Mitglieder, der Pirat Nils Ellmers und die Linke Heidi Reichinnek, gegen den Antrag. Eine große Mehrheit votierte dafür, dem langjährigen Bundeskanzler auf diese Weise ein Denkmal zu setzen.

Adressänderungen sind unbeliebt

Offen blieb bislang nur, welcher Ort diesem Vorhaben gewidmet werden sollte. In der Vergangenheit brachte fast jeder Versuch, Straßen oder Plätze umzubenennen, geharnischte Proteste hervor, weil die Anwohner Briefköpfe, Visitenkarten und Personalausweise ändern mussten. In Neubaugebieten gäbe es dieses Problem zwar nicht, aber in der Politik gilt es als unwürdig, verdienten Staatsmännern ein Straßenschild an der Peripherie, etwa in Atterfeld oder Schinkel-Ost, zu widmen.

Die Monate nach der Ratsentscheidung verstrichen, und die Verwaltung konnte noch kein geeignetes Plätzchen für den verstorbenen Altkanzler vorweisen. Da überraschte CDU-Fraktionschef Fritz Brickwedde seine Ratskollegen in einer interfraktionellen Runde mit dem Vorschlag, den Berliner Platz nach Helmut Kohl zu benennen. Und Frank Henning, als SPD-Mann sonst schärfster Kontrahent des Christdemokraten, zog gleich mit.

Erinnerung an den Mauerbau

Brickwedde verweist auf einen inhaltlichen Bezug zum Berliner Platz. Dabei beruft er sich auf das Jahr 1961, als der Osnabrücker Rat kurz nach dem Bau der Berliner Mauer den damaligen Schillerplatz umbenannte, um auf das Schicksal der geteilten Stadt hinzuweisen. Mit der deutschen Einheit von 1990, die Kanzler Kohl konsequent vorangetrieben habe, sei auch Berlin wiedervereinigt worden, sagt Brickwedde. Und damit habe sich das ursprüngliche Anliegen der Stadtväter erledigt.

Nach Ansicht des CDU-Politikers sprechen aber auch praktische Gründe für den Berliner Platz, „weil nur wenige Menschen dort wohnen“. Tatsächlich müsste lediglich für das grüne Hochhaus an der Einmündung zum Breiten Gang die Adresse geändert werden, alle anderen Gebäude und Grundstücke sind der Wittekindstraße, dem Goethering oder dem Erich-Maria-Remarque-Ring zugeordnet.

Eine Straße für Helmut Schmidt?

Helmut Kohl ist der dritte Bundeskanzler, dem in Osnabrück ein Straßenschild gewidmet werden soll. Mit dem Namen von Konrad Adenauer (CDU) ist der südöstliche Abschnitt des Wallrings verknüpft, während Willy Brandt (SPD) die Grünanlage vor dem Arbeitsamt zugedacht wurde. Steckt darin möglicherweise eine Ungleichbehandlung von CDU- und SPD-Politikern? „Ich weiß nicht, warum man damals gerade diesen Platz nach Willy Brandt benannt hat“, antwortet Brickwedde auf die Frage. In einem anderen Zusammenhang lässt er durchblicken: „Ich hätte persönlich nichts gegen eine Ehrung von Helmut Schmidt“.

Diesem Gedanken kann auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank Henning etwas abgewinnen. Irgendwann werde sicher eine Straße nach Helmut Schmidt benannt, kündigt er an, die SPD werde das vorschlagen. Aber die CDU sei mit Helmut Kohl nun mal schneller gewesen. Er wisse, dass Kohl nicht unumstritten sei, vermerkt Henning, und für die Spendenaffäre müsse er kritisiert werden. Aber als Kanzler der Einheit habe er sich bleibende Verdienste erworben. Da könnten auch Sozialdemokraten „ganz staatstragend“ sein.

Anlieger werden gefragt

Wie geht es jetzt weiter? Nach Auskunft von Stadtsprecher Sven Jürgensen wird sich der Kulturausschuss am 19. April mit dem Vorschlag der CDU-Fraktion befassen. Kommt es zur Empfehlung, den Berliner Platz umzubenennen, bekommen die Anlieger Gelegenheit zur Stellungnahme. Ihre Reaktionen werden dem Kulturausschuss vorgelegt, es wird wird diskutiert und abgestimmt. Das letzte Wort hat dann der Rat.