Nicht alle auf einmal Hotelboom in Osnabrück: Es gibt auch mahnende Stimmen

Von Dietmar Kröger

In den kommenden drei Jahren wird die Zahl der Hotelbetten in Osnabrück um über 600 steigen. Symbolfoto: dpaIn den kommenden drei Jahren wird die Zahl der Hotelbetten in Osnabrück um über 600 steigen. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Ein Hotel am Alando Palais ist bereits im Bau, zwei weitere am Neumarkt sind in der Planung und dann vielleicht noch ein weiteres am Berliner Platz – Osnabrück scheint sich im Hotelleriegewerbe großer Beliebtheit zu erfreuen. Aber es gibt auch mahnende Stimmen, die ein moderates Wachstum fordern.

„Im Grunde können wir uns ja freuen, dass es dieses große Interesse an Osnabrück gibt“, sagt Petra Rosenbach. Gleichzeitig klingt bei der Geschäftsführerin der Osnabrück Marketing und Tourismus ein vorsichtiger Unterton mit. „Ich bin eine Verfechterin eines gesunden und moderaten Wachstums.“ Das sich derzeit abzeichnende „plötzliche Wachstum“ könne gefährlich werden. Schließlich müssten die Hotels auch gefüllt werden. Auch müssten die etablierten Häuser weiter gut arbeiten können. Osnabrück habe das Potenzial für einen weiteren Ausbau der Bettenzahl. Bei einem Überangebot könne ein Preiskampf aber auch schnell zulasten der Qualität gehen, indem durch zu geringe Einnahmen mittel- und langfristig notwendige Investitionen in die Häuser aus Kostengründen auf der Strecke blieben, sagt Rosenbach.

Steigerung um 25 Prozent

Mit einem Zimmerplus von 369 in den kommenden drei Jahren steigt die Kapazität bei bereits existierenden 1496 Zimmern um 25 Prozent. Hinzu könnte ein weiteres Haus am Berliner Platz auf der Fläche des ehemaligen Autohandels Schirmeier kommen. Die Eigentümer verweisen auf die Frage, was denn mit dem Grundstück passieren solle, auf einen von der Stadt initiierten Ideenwettbewerb, der an dieser Stelle ein Hotel zeigt. Trotz etlicher Anfragen aus „allen Richtungen“ gebe es aber noch keine konkreten Pläne für die etwa 1000 Quadratmeter große Fläche.

Dieter Westerkamp, Geschäftsführer des Dehoga-Kreisverband Osnabrück Stadt und Land, sieht die stetig steigende Zahl der Hotelbetten in Osnabrück kritisch. Westerkamp spricht von einem „ungezügelten Angebot von Hotelbetten“. Die großen Hotelketten konzentrierten sich vor allem mit ihren mittelpreisigen Ablegern zunehmend auf die Mittelzentren. Das beträfe nicht nur Osnabrück. „Die Situation an sich ist bezeichnend“, so Westerkamp. Der Kapitalmarkt habe sich von dem „Urgewerbe Hotellerie“ gelöst, sieht er einen Grund für die wachsende Zahl von Hotelneubauten auch in der Flucht in Immobilienwerte. Vor allem die inhabergeführten Hotels werden es demnach in Zukunft schwerer haben, am Markt zu bestehen. Dabei hat Westerkamp nicht nur die städtischen Hoteliers auf der Agenda. Steigende Bettenzahlen in der Stadt hätten Auswirkungen auf die Auslastung der Übernachtungsmöglichkeiten im Umland. Westerkamp spricht von einem „Verdrängungsprozess“.

Gefahr für die Stadtentwicklung

Hoteldirektorin Ira Klusmann (Hotel Remarque und Arcona Living) fordert mit Blick auf die Hotelbettenschwemme von der Stadt mehr Augenmaß. Sie sieht auch eine Gefahr für die Stadtentwicklung, wenn die individuellen inhabergeführten Häuser durch die Verdrängung vom Markt verschwinden, die in ihren Augen „den Charme einer Stadt“ ausmachen. „Geht die Entwicklung in dieser Geschwindigkeit weiter, werden wir spätestens in 20 Jahren große Probleme bekommen“, ist sich Klusmann sicher. Wie Rosenbach sieht auch Klusmann die Gefahr eines ruinösen Preiskampfes, der negative Auswirkungen auf die Qualität des Angebotes haben könnte. Bei den jetzt geplanten oder bereits in Bau befindlichen Hotels sehe sie keines, das aus sich heraus zusätzliche Gäste anlocken könne. „Das sind keine Häuser, von denen die Gäste sagen, ‚deswegen komme ich nach Osnabrück‘.“

Kein Grund zur Hoffnungslosigkeit

Wenig Anlass zur Freude ob der Centro-Häuser in unmittelbarer Nachbarschaft hat eigentlich auch Stephan Meyer. Der Inhaber des Hotels Meyer in der Johannisstraße, das sich seit 1935 in dritter Generation in Familienbesitz befindet, will die Herausforderung aber annehmen. „Wir haben viele Stammgäste, die den persönlichen Kontakt schätzen“, so Meyer. Gerade in der individuellen Gästebetreuung sieht er die Chance der inhabergeführten Häuser. Auch seien die kleinen Häuser wirtschaftlich flexibler. Es bestünde kein Grund zur Hoffnungslosigkeit, so Meyer.