Onlineshopping „lieblingswelt.de“ will regionalen Handel stärken

Von Wilfried Hinrichs und Sebastian Philipp

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lieblingswelt.de: Die Shopping-Plattform will nach der Startphase den regionalen Handel einbinden und ihm die Chance bieten, eigene Waren ohne logistischen Aufwand im Internet zu verkaufen.  Foto: Jörn Martenslieblingswelt.de: Die Shopping-Plattform will nach der Startphase den regionalen Handel einbinden und ihm die Chance bieten, eigene Waren ohne logistischen Aufwand im Internet zu verkaufen. Foto: Jörn Martens

hin/sph Osnabrück. Der neue Onlineshop „lieblingswelt.de“ will keine Konkurrenz zum regionalen Handel aufbauen, sondern ihn stärken. „Wir bieten Ihnen die Plattform, Ihre Waren deutschlandweit anzubieten“, sagte Geschäftsführer David Rönker während einer Informationsveranstaltung an die Einzelhändler gerichtet. Aus deren Kreis war „ein deutliches Rumoren zu hören gewesen“, wie IHK-Handelsexperte Falk Hassenpflug sagt. Ist das Rumoren verstummt?

Die Lieblingswelt GmbH ist eine Tochtergesellschaft von NOZ-Medien. Am 1. November 2017 ging das Kaufhaus für die schönen und genussreichen Dinge des Lebens online. „Wir sind mit 800 Artikeln gestartet, inzwischen haben wir 1500 im Angebot“, sagte David Rönker während einer Informationsveranstaltung für den lokalen Einzelhandel im NOZ-Medienzentrum. Rönker und Online-Handelsexperte Florian Sieg suchten das Gespräch mit den Einzelhändlern, um deren Bedenken zu zerstreuen und sie für eine Partnerschaft zu gewinnen. Rönker erklärte die Strategie: „Wir machen jetzt etwas groß, was Ihnen eine Plattform geben soll, Ihre Waren deutschlandweit zu präsentieren.“

Der zweite Schritt

Im ersten Schritt war die Lieblingswelt mit einem eigenen Warensortiment an den Start gegangen, wie Rönker erklärte. Die Möglichkeit, sich in durch Zeitungsanzeigen der NOZ-Mediengruppe in der Region Osnabrück/Emsland, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern täglich über 1,2 Millionen Lesern zu präsentieren, habe den Start erleichtert. „Die Kundenresonanz ist hoch, wir haben uns bereits gut etabliert“, so Rönker. Der Lieblingswelt sei es gelungen, „hoch emotionale Welten zu kreieren“ und die Sortimente in einem besonderen Ambiente zu präsentieren. „Wir wollen, dass Shoppen und Stöbern auf lieblingswelt.de den Konsumenten vor allem Freude und Unterhaltung bieten.“

Der Markteinführung folge jetzt der zweite Schritt: die Einbindung des regionalen Einzelhandels. „lieblingswelt.de“ könne stationären Händlern zusätzliche Reichweite und neue Kunden zuführen, die schon wegen der Entfernungen nie den Weg in den Laden gefunden hätten, sagte Florian Sieg. „Wir vergrößern den Laden, verlängern das Regal.“ Nur eben online. Händler haben die Möglichkeit, eigene Produkte in die Lieblingswelt einstellen zu lassen. Die Präsentation der Waren gestaltet die Lieblingswelt GmbH. Lagerhaltung, Logistik, Abrechnung – all die Dinge, die im Hintergrund möglichst reibungslos und kostengünstig ablaufen müssen – kann die Lieblingswelt GmbH für die Händler übernehmen. Muss sie aber nicht: Das Maß der Kooperation sei individuell zwischen den Partnern abzustimmen, betonte Rönker. Deshalb konnte der Geschäftsführer trotz drängender Nachfragen aus der Händlerschaft auch keine Preise und Vertragsmodalitäten nennen. Die müsse im Einzelfall ausgehandelt werden.

Unternehmensberater Florian Sieg, der für den Otto-Versand, Cewe-Color, Bünting und Tchibo erfolgreich Online-Strategien umgesetzt hat, peilt für „lieblingswelt.de“ ein sehr hohes Ziel an: „Wir wollen nach Amazon und Ebay die Nummer 3 werden.“ Sieg hat keine Zweifel, dass Einzelhändler den rasanten Wandel im Kundenverhalten wirtschaftlich nur überstehen, wenn sie die Kunden auch im Internet abholen.

Besser informiert als das Personal?

Damit liegt Sieg auf einer Linie mit Professor Gerrit Heinemann. Der gebürtige Osnabrücker, der zunächst als Manager im Handel und dann als Wissenschaftler Karriere machte, beobachtet seit Jahren sehr genau, wie sich die Handelswelt unter dem Druck des Internets verändert. Er mahnte die Kaufleute während der Infoveranstaltung, nicht dem Irrglauben zu unterliegen, der Onlinehandel habe erste Grenzen erreicht. „Vergleichen wir das mit einem Menü, dann sind wir erst beim Gruß aus der Küche“, sagte Heinemann. Eine besondere Herausforderung werde der „hybride Onlinehandel“ werden. Darunter fasst er die Einkäufe zusammen, die ein Kunde durch Internetrecherche vorbereitet. Dieser „internetbasierte Einkauf“ nehme heute 40 Prozent des gesamten Handelsumsatzes ein und werde bis 2025 auf mindestens 60 Prozent anwachsen. Sieben von zehn Kunden sagten, so Heinemann, dass sie sich über das gewünschte Produkt besser informiert fühlten als das Ladenpersonal.

Damit diese Kunden nicht ganz ins Internet abwandern, müsse ein Einzelhändler mehr bieten als eine Homepage mit Öffnungszeiten und Anfahrtsskizze. Die „Warenverfügbarkeit“ sei inzwischen mindestens so wichtig wie der Preis. „Der Kunde will sehen, ob das Produkt vorrätig ist, bevor er sich auf den Weg macht“, so Heinemann. Der Professor der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach riet den Geschäftsinhabern wegen der hohen Kosten davon ab, einen eigenen Onlinehandel aufzuziehen. Besser seien „kooperative Ansätze“, wie sie in vielen Regionen erprobt würden.

Skepsis im Einzelhandel

Die Lieblingswelt kann so ein Ansatz sein, meint auch Falk Hassenpflug, Handelsexperte bei der Industrie- und Handelskammer Osnabrück-Emsland (IHK). Er verhehlt nicht, dass der Start von „lieblingswelt.de“ Befürchtungen im regionalen Einzelhandel ausgelöst hat, hier wachse eine zusätzliche Konkurrenz heran. In Quakenbrück beispielsweise hat der dortige Handel unter „quakenbrueck24“ einen Onlineshop aufgemacht, in Bramsche bietet „citybramsche.de“ ein digitales Schaufenster. „Lieblingswelt ist ein Wettbewerber, der seine Berechtigung hat“, so Hassenpflug. „Wenn es ihm gelingt, viele Unternehmen der Region mitzunehmen, wäre das für alle Seiten gut.“

In Osnabrück habe viele Händler die Onlineoffensive des Stadtmarketings abgewartet – die dann doch nicht gekommen ist. Auf Beschluss des Stadtrats hatte die Osnabrück Marketing und Tourismus GmbH (OMT) im vergangenen Jahr bereits den Weg geebnet für ein öffentlich angestoßenes Portal. Weil gleichzeitig die Osnabrücker Agentur Thomax mit der nahezu deckungsgleichen Plattform inosna.de an den Start ging, zog die OMT die Handbremse. „Die Aufgabe des Stadtmarketings ist es nicht, privaten Anbietern Konkurrenz zu machen“, sagte OMT Chefin Petra Rosenbach seinerzeit.

Schaufenster für dne Osnabrücker Handel

Thomax-Chef Thomas von Wulfen versteht inosna.de als Schaufenster für die Osnabrücker Innenstadt. Der Agenturinhaber glaubt an das Einkaufserlebnis im stationären Einzelhandel, für das seine Plattform Türöffner sein soll. Eine konkrete Shopping-Funktion beinhaltet das Portal bewusst nicht, vielmehr soll sich der Besucher im Vorfeld des Innenstadtbesuchs ein Bild vom Umfang des Einzelhandels machen können. Zusätzlich gibt es Informationen über Öffnungszeiten, Sortimente und Rabattaktionen.

Von Wulfen ist nach einem Jahr zufrieden mit dem Ergebnis: „Das erste Jahr war die Phase, in der wir viel experimentiert und die Einzelhändler über uns informiert haben. Mit den Besucherzahlen sind wir bislang recht zufrieden. Trotzdem erhoffen wir uns natürlich noch mehr.“ Das Portal ist eine Investition, die sich irgendwann rechnen soll. Dafür hat die Agentur auch personell aufgestockt, um mehr Kunden zu gewinnen, die bereit sind, für mehr Inhalte auf der Webseite zu bezahlen. Auch wenn das Portal kein klassisches Online-Shopping ermöglicht, soll es bald Gutscheine für teilnehmende Geschäfte in der Osnabrücker Innenstadt geben.


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