Autorin Nora Imlau zu Gast in Osnabrück Das kompetente Baby – Warum Eltern sich weniger sorgen sollten

Von Cornelia Achenbach


Osnabrück. Was können Babys, wenn sie auf die Wetl kommen? Wie viel können Eltern auf die Fähigkeiten ihres Kinder vertrauen? Mit ihrem Buch „Mein kompetentes Baby“ kommt die Autorin und Journalistin Nora Imlau am 17. April 2018 nach Osnabrück. Wir haben im Vorfeld mit ihr gesprochen.

Frau Imlau, Ihr Buch heißt „Mein kompetentes Baby“ – der Titel erinnert stark an den Ratgeber des dänischen Familientherapeuten Jesper Juul: „Das kompetente Kind“...

Richtig, der Titel ist an Jesper Juul angelehnt. Sein Ansatz ist ja: Eltern müssen lernen, ihre Kinder ernst zu nehmen. Sie sollen Kindern zugestehen, was sie können. Aber während sich Juul mit Kindern ab dem Kindergartenalter beschäftigt, beschäftige ich mich intensiv mit den ersten drei Lebensjahren.

Was darf ich mir denn unter einem „kompetenten Baby“ vorstellen?

Babys haben ein ganz gutes Gespür dafür, was sie brauchen und was sie können – diese Erkenntnis kann das Familienleben unheimlich erleichtern. Zum Beispiel beim Thema Essen: Babys wissen, wie viel Nahrung sie benötigen. Essen ist für viele Eltern ein Stressthema, dabei müssen Babys nicht immer gleich viel essen. Sie spüren selbst, dass sie in einer Wachstumsphase mehr Kalorien bauchen und in anderen Phasen eben mal weniger. Viele Eltern überschätzen, wie viel Nahrung ein Kind braucht und machen sich mit Nährwerttabellen oder Beikostplänen das Leben unnötig schwer.

Essen ist wohl das eine Thema, das Eltern beschäftigt – schlafen das andere...

Genau. Wir haben die Vorstellung, dass Babys erst schlafen lernen müssen. Dabei spüren Babys sehr genau, was ihr eigenes Schlafbedürfnis ist und welche Bedingungen sie haben wollen, wenn sie müde sind. Manche Kinder werden dann ganz anhänglich und suchen viel Nähe, weil sie beschützt und geborgen schlafen wollen. Das ist letztlich ein Problem unserer Gesellschaft: Anstatt dies als Kompetenz zu betrachten, sehen wir darin eine schlechte Angewohnheit. „Das Kind muss wach ins Bett gelegt werden, sonst haben wir bald ein Schlafproblem!“ lautet die Befürchtung. Aber irgendwann wachsen die Kinder aus ihren Bedürfnissen heraus, kommen in die Autonomiephase und wollen aus eigenem Antrieb selbstständiger werden.

Das klingt nicht so, als seien Sie ein Freund von Schlaflernprogrammen und Bestsellern wie „Jedes Kind kann schlafen lernen“...

Die Idee von einem Schlaftraining basiert auf einem anderen Menschenbild. Wenn die Schlafsituation belastend ist, dann würde auch ich dazu raten, eine Änderung anzustreben – aber dabei die Beziehung zu dem Kind nicht abzubrechen. Ich will mit dem Kind kooperieren. Das bedeutet auch, dass ich dem Kind einen gewissen Frust zumuten muss. Doch Eltern sollten ihre Kinder mit ihrem Schmerz nicht alleine lassen, sondern sie begleiten und auch trösten. Kinder können das aushalten – denn auch dazu sind sie in der Lage.

Nora Imlau spricht am Dienstag, 17. April 2018, um 19.30 Uhr in der katholischen Familienbildungsstätte Osnabrück darüber, wie Babys ticken und mit welchen Strategien Eltern ihnen beim Großwerden helfen können. Karten kosten 10 Euro. Weitere Informationen auf der Seite der Fabi.


Zur Person

Nora Imlau ist dreifache Mutter, Autorin und Journalistin. Sie hat bereits mehrere Bücher rund um Familienthemen verfasst und schreibt seit zehn Jahren für die Zeitschrift „Eltern“.