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Jeder Fünfte unter 35 Jahre alt Langzeitarbeitslosigkeit stagniert trotz Job-Booms in Region Osnabrück

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Osnabrück. Langzeitarbeitslose profitieren kaum vom Job-Boom in der Region Osnabrück. „Zurzeit gelingt es uns noch nicht gut genug, den rund 5000 Langzeitarbeitslosen in Stadt und Landkreis Osnabrück eine Arbeit zu vermitteln. Diese Zahl stagniert in der Region“, konstatiert die Chefin der Arbeitsagentur Osnabrück, Christiane Fern, obwohl die Zahl der Beschäftigten auf einem Rekordhoch liegt.

Im Vergleich zum März 2017 ging die Arbeitslosenzahl in Stadt und Landkreis um 858 Menschen zurück. Während die Gesamtzahl der Arbeitslosen somit um 6,1 Prozent auf 13.204 Personen sank, ging die Zahl der Langzeitarbeitslosen um nur 0,5 Prozent (23 Personen) zurück. Fern beklagt: „Die vielen offenen Stellen passen leider meist nicht zum Qualifikationsniveau der Langzeitarbeitslosen.“ In diesem März waren 4896 von insgesamt 13204 Arbeitslosen mehr als ein Jahr ohne Arbeit. Somit waren 37 Prozent langzeitarbeitslos. Während die Zahl aller Arbeitslosen in Stadt und Landkreis Osnabrück von durchschnittlich 17.000 Menschen im Jahr 2010 somit um fast ein Viertel bis zum März 2018 sank, blieb die Zahl der Langzeitarbeitslosen in der Region weitgehend konstant. Obwohl im Jahr 2010 im Schnitt schon etwa 5150 Menschen langzeitarbeitslos waren, sind es aktuell nur rund fünf Prozent weniger.

Jugendberufsagentur, damit Arbeitslosigkeit gar nicht entsteht

Die Osnabrücker Agenturchefin Fern erläuterte im Gespräch mit unserer Redaktion, dass die die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in den vergangenen sieben Jahren sogar um 34.000 Beschäftigte anstieg: „Beschäftigungsverhältnisse sind auch durch Zuwanderung aus dem EU-Ausland entstanden. Diese Migranten haben dazu beigetragen, dass einige Arbeitgeber ihre schwer zu besetzenden Arbeitsstellen besetzen konnten“, hebt Fern hervor. Das Problem sei, dass der Beschäftigungsboom bei den Langzeitarbeitslosen bislang nur in geringem Maße ankomme. Sie weiß, dass knapp 20 Prozent der Langzeitarbeitslosen unter 35 Jahre alt sind und betont daher: „Wir müssen alles tun, um diese wieder für den Arbeitsmarkt zu aktivieren.“ Als wichtigen Schritt sieht sie die neue „Jugendberufsagentur in der Schule“, die im Landkreis Osnabrück jetzt gestartet ist. „Sie soll zur Qualifizierung und zum Berufseinstieg der jungen Leute beitragen“, erklärt Fern. Deshalb habe jede weiterführende Schule einen Raum für die Jugendberufsagentur als Anlaufstelle vor Ort. Auch die bereits bestehende Jugendberufsagentur Osnabrück im Haus der Arbeitsagentur am Johannistorwall biete bereits das Rüstzeug dafür, dass Arbeitslosigkeit gar nicht erst entstehe. Sie verspricht: „Daran wird sich die Jugendberufsagentur auch messen lassen.“ Der Hauptgrund für Langzeitarbeitslosigkeit sei, dass eine abgeschlossene Berufsausbildung fehlt: „In der Stadt Osnabrück ist das bei 67 Prozent, im Landkreis bei 58 Prozent der Langzeitarbeitslosen der Fall.“ Fern erläutert daher: „Wir wollen auch 35-Jährige noch von einer Ausbildung überzeugen. Viele der 1000 Langzeitarbeitslosen unter 35 Jahren haben keine Ausbildung. Das zeigt, wie wichtig ein qualifizierter Berufsabschluss ist.“ Generell gelte die Faustformel: Je qualifizierter die Menschen, desto weniger sind sie von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen.

Kombination von Spracherwerb und Qualifizierung für Migranten

Um das große Potenzial der Migranten für den Arbeitsmarkt zu nutzen und um sie vor Langzeitarbeitslosigkeit zu schützen, müssten Spracherwerb und Qualifizierung parallel voranschreiten. „Es muss eine Kombination geben. Da müssen wir noch schneller agieren“, fordert Fern. Insgesamt will sich die Arbeitsagentur zur Qualifizierungsagentur weiterentwickeln. „Sie soll lebensbegleitend in allen Lagen zur Verfügung stehen“, lautet Ferns Vision. Arbeitnehmer sollen etwa durch Weiterbildungen unterstützt werden, damit sie auch weiterhin mit den Entwicklungen in der Arbeitswelt Schritt halten können. Ein Beispiel sei das Programm „Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen“ (WeGebAU). Laut Fern konnten im vergangenen Jahr darüber 100 Arbeitnehmer weiterqualifiziert werden, in diesem Jahr sollen über WeGebAU bereits 120 weiterqualifiziert werden.

„Brauchen mehr Geld für die Qualifizierung der Langzeitarbeitslosen“

Neben der Prävention vor Langzeitarbeitslosigkeit benennt sie als weitere wichtige Punkte die individuelle Beratung und die Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen. Dabei seien auch Eingliederungszuschüsse wichtig, um Hemmnisse abzubauen. „Wir benötigen mehr Geld für die Qualifizierung der Langzeitarbeitslosen in den Jobcentern. Gerade die langzeitarbeitslosen Unter-35-Jährigen müssen stärker gefördert werden. Dafür muss die Politik mehr Mittel bereitstellen“, fordert Fern. Zudem seien Werkakademien für Arbeitslose, aber gerade auch für Langzeitarbeitslose eine gute Chance, wieder in Arbeit zu kommen. Im Sommer soll dieses Angebot auch für Jugendliche eingerichtet werden. In Werkakademien erarbeiten Teilnehmer gemeinsam Bewerbungen und bereiten sich zusammen auf Vorstellungsgespräche vor. „Es geht um Motivation durch Eigenhilfe, gegenseitiges Aktivieren in Kleingruppen, angeleitet durch einen Coach“, beschreibt die Leiterin der Arbeitsagentur Osnabrück. „Die Interaktion in der Gruppe ist der Schlüssel. Sie motiviert auch diejenigen, die nach vielen Absagen oft schon resigniert haben.“ Weil die Werkakademie, die die Arbeitsagentur seit 2017 anbiete, laut Fern so gut anlief, sei für dieses Jahr die doppelte Teilnehmerzahl vorgesehen. Zudem verweist sie darauf, dass das Land Niedersachsen ein Programm zum Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit für besonders arbeitsmarktferne Langzeitarbeitslose aufgesetzt habe, das die Förderung durch das Jobcenter ergänze. Gefördert würden dabei „zusätzliche, wettbewerbsneutrale und im öffentlichen Interesse liegende Arbeiten“.

Mehr Langzeitarbeitslose in der Stadt Osnabrück

Statistisch sind Langzeitarbeitslose in der Stadt jünger. So sind 52 Prozent der Langzeitarbeitslosen über 45 Jahre alt, im Landkreis sind 60 Prozent in dieser Altersgruppe, mehr als ein Drittel der Langzeitarbeitslosen im Landkreis sind sogar über 55 Jahre alt. Durchschnittlich dauert die Langzeitarbeitslosigkeit zwei Jahre und vier Monate. Im vergangenen Jahr gab es im Schnitt 2750 Langzeitarbeitslose in der Stadt und 2266 Langzeitarbeitslose im Landkreis Osnabrück.


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