Abrüstung und Atomwaffenverbot Ostermarschierer radeln nach Bad Iburg

Von Claudia Sarrazin


Osnabrück. Zum Ostermarsch rief die Osnabrücker Friedensinitiative (Ofri), unterstützt vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) Stadt- und Kreisverband Osnabrück, dem Pax-Christi-Regionalverband Osnabrück/Hamburg und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA Osnabrück) am Samstag auf. Zunächst informierten die Friedensaktivisten auf der Großen Straße über ihre Forderungen und Ziele. Anschließend starteten gut 20 Radfahrer nach Bad Iburg, um Bürgermeisterin Annette Niermann aufzufordern, sich dem weltweiten Bündnis „Mayors for Peace“ (Bürgermeister für den Frieden) anzuschließen.

Ostersamstagmorgen in der Großen Straße: Der eine oder andere Passant blieb am Stand der Friedensaktivisten stehen, zum Beispiel um Hennig Heigls große Fahne mit einem Appell zum Frieden genauer zu betrachten. Auch Jan Dierker war zunächst das Banner aufgefallen: „Ich habe gedacht, das ist eine vernünftige Sache, die man vorurteilsfrei unterstützen kann“, erklärte Dierker, während Achim Bigus Stücke mit dem Anlass entsprechenden politischen Texten sang, zum Beispiel: „Wir marschieren für die Welt, die von Waffen nix mehr hält.“

Abrüstung und Atomwaffenverbot

Die Ziele der Friedensaktivisten waren klar: „Abrüstung statt Aufrüstung, Beitritt zum Atomwaffenverbotsvertrag und Rüstungsexportverbot.“ Eweline Wefer-Kamali ging ins Detail und las bei der Kundgebung „Fünf vor Zwölf“ elf Forderungen vor. Dazu gehörte unter anderem die „sofortige Beendigung aller Bombenangriffe in Syrien sowie die Entwaffnung aller nichtstaatlichen Gruppen, die Einrichtung von entmilitarisierten Schutzzonen, die Forcierung der Friedensgespräche und der sofortige Rückzug der Türkei aus Syrien.“ Zudem standen „die Einstellung aller Waffenexporte an den Nato-Partner Türkei, solange Krieg gegen die Kurden im eigenen Land geführt wird“, die „drastische Reduzierung des Rüstungsexports“ sowie die „Reduzierung des Verteidigungshaushalts zugunsten von Konfliktprävention“ auf ihrer Liste.

Deutsche Waffen und der Atomverbotsvertrag

Uwe Afemann ging auf die 60-jährige Geschichte der Ostermärsche ein und schlussfolgerte: „Der Kampf gegen die Atomwaffen ist heute noch genauso aktuell wie in den vergangenen 60 Jahren.“ Er wies zudem darauf hin: „Auch in Deutschland stationierte Atomwaffen sollen modernisiert werden.“ Außerdem forderte er: „Die Bundesrepublik Deutschland muss dem Atomverbotsvertrag der UN beitreten!“ Als nächstes nahm er sich die deutschen Rüstungsexporte vor und resümierte: „Man kann sagen: Egal, welche Schweinerei, deutsche Waffen sind dabei.“

Kriegsangst und Tod fürs Vaterland

Matthias Klaes wiederum prangerte die Folgen und die Anzahl der Toten „als Folge des Krieges gegen den Terror“ an, bevor er „den Medien“ vorwarf, „das Narrativ des bösen Russland“ zu propagieren. So solle „die Akzeptanz für einen Krieg gegen Russland geschaffen werden“, mutmaßte er. Dann warf er der Bundeswehr in Bezug auf ihre Rekrutierungsmethoden vor: „Sterben fürs Vaterland wird ganz in deutscher Tradition wieder salonfähig gemacht.“

Städte sind keine Zielscheiben

Einig waren sich alle Redner: „Von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen – das heißt, auch keine Beihilfe zum Krieg.“ Zudem erinnerte Bürgermeisterin Birgit Strangmann daran: „Mehr als 15.000 Atomsprengköpfe sind heute immer noch weltweit stationiert – rund 1800 davon befinden sich in ständiger Alarmbereitschaft.“ Jeder Einzelne habe die zehn- bis hundertfache Sprengkraft der Hiroshima-Bombe. „Städte sind keine Zielscheiben“, so Strangmann. Zu den Passanten, die stehen blieben und die Kundgebung verfolgten, gehörte Erwin Vartmann. Er stellte fest: „Das Hauptproblem ist, dass die Bedrohung steigt, aber das Bewusstsein, sich dagegen zu stellen, sinkt.“

Bürgermeister für den Frieden

Osnabrück ist Mitglied im internationalen Städte-Bündnis „Mayors for Peace“, das sich der Friedensarbeit und insbesondere der atomaren Abrüstung verschrieben hat. Daher starteten gut 20 Teilnehmer nach der Kundgebung zur Friedensradtour nach Bad Iburg, um dort Bürgermeisterin Annette Niermann aufzufordern, sich dem Bündnis anzuschließen.


Ostermärsche

Als Widerstand gegen Atomkrieg und Atomwaffen startete 1958 in Großbritannien der erste Ostermarsch von London zum Atomforschungszentrum Aldermaston. Auch in Deutschland gab es Ende der 1950er Jahre Massenaktionen und Mahnwachen gegen die atomare Aufrüstung.

Die Geschichte der Ostermärsche in Deutschland begann 1960, als bei einem dreitägigen Marsch 1200 Friedensaktivisten zum Atomraketenstützpunkt Bergen-Hohne im Landkreis Celle zogen. Nach einer Unterbrechung in den 70er Jahren wurde später an diese Ostermarsch-Tradition angeknüpft: Im Zuge der Debatte über die Nachrüstung der Nato Anfang der 1980er Jahre – Stichwort „Nato-Doppelbeschluss“ – gingen Hunderttauschende bei den Ostermärschen mit. 1983 nahmen etwa 700.000 Menschen an verschiedenen Aktionen zum Frieden teil. Die Nuklearkatastrophe von Fukushima sorgte 2011 für neuen Zulauf bei den Ostermärschen. Außerdem wurde des 25. Jahrestages der Katastrophe von Tschernobyl gedacht.

In 13 Bundesländern sind in diesem Jahr über Ostern mehr als 100 Demonstrationen, Kundgebungen, Mahnwachen oder Vortragsveranstaltungen geplant. Die Ostermarschbewegung begann am Karfreitag mit Aktionen in sechs Bundesländern. Horst Trapp von der Informationsstelle Ostermarsch 2018 sagte gegenüber der dpa , bei den ersten Aktionen zeichne sich eine „leicht gestiegene Tendenz“ ab. Möglicherweise sei dies eine Reaktion auf eine verbreitete Verärgerung über deutsche Rüstungsexporte an die Türkei und das türkische Vorgehen gegen die Kurden in Nordsyrien. „Die Basisbewegung der Ostermärsche ist nicht kaputt zu kriegen“, so Trapp. Eine Terminübersicht aller Friedensmärsche in Deutschland steht auf der Website der Friedenskooperative. Die Friedenskooperative stellte zudem fest: Zentrale Themen der Ostermärsche 2018 sind „Abrüsten statt Aufrüsten“, „Atomwaffen abschaffen“ sowie „Rüstungsexporte stoppen“. Auch das Thema Entspannungspolitik mit Russland wird von vielen Ostermärschen thematisiert.

Mayors for Peace (Bürgermeister für den Frieden) wiederum ist eine internationale Organisation von Städten, die sich der Friedensarbeit, insbesondere der atomaren Abrüstung, verschrieben haben. Die Organisation wurde 1982 auf Initiative des damaligen Bürgermeisters von Hiroshima, Takeshi Araki, gegründet. (dpa)