Besucher fragen oft nach ihr Ein Jahr nach dem Tod von Bärin Tips ist die Trauer noch da

Von dpa


Osnabrück. Es war ein Schock für den Zoo Osnabrück, als im März vergangenen Jahres die Bärin Tips aus ihrem Gehege flüchtete. Um Mitarbeiter und Besucher nicht zu gefährden, wurde das Tier erschossen.

Mit einem Mehr an Sicherungsmaßnahmen hat der Zoo Osnabrück auf den Ausbruch eines Bärenweibchens vor einem guten Jahr reagiert. Im März 2017 entkam die Hybridbärin Tips aufgrund einer Verkettung von unglücklichen Umständen aus ihrem Gehege. Um einen Angriff des gereizten Tiers auf Mitarbeiter und Zoobesucher zu verhindern, entschloss sich Zoodirektor Michael Böer damals dazu, das Tier zu erschießen. Der Verlust des beliebten Bären schmerzt Zoomitarbeiter und viele Stammgäste nach wie vor.

Drei Hindernisse überwunden

Wider Erwarten überwand Tips damals gleich drei Hindernisse: Zunächst durchstieß sie einen 1,20 Meter hohen Elektrozaun. Die Zooexperten vermuten, dass entweder ein Wildkaninchen oder einer der Silberfüchse, die auch in das Bärengehegen können, den Jagdinstinkt des Bärenweibchens geweckt hatten, so dass dieser die Schmerzen des Elektroschocks überlagert. Aber als das Tier hinter dem Elektrozaun war, stellte eben dieser Zaun doch eine zu große Barriere dar, als dass das Bärenweibchen zurückkehren konnte. Das nach der Winterruhe schlanke Weibchen zwängte sich durch eine kleine Klappe im Format 35 mal 40 Zentimeter, durch die eigentlich nur die Silberfüchse gelangen sollen. Tips passte genau durch die Lücke: Der Durchmesser des Kopfes betrug 30 Zentimeter, der Schultern 40 Zentimeter und das Becken 35 Zentimeter.

Das neugierige Tier überwand auch die letzte Barriere, einen vier Meter hohen Stabgitterzaun. Ein Element dieses Zauns war nicht richtig verschraubt - ausgerechnet dieses lockere Bauteil entdeckte das Tier.

Sicherungsmaßnahmen verschärft

„Bei dem Vorfall mit Tips kamen drei sehr unglückliche Zufälle zusammen, aber wir haben nach dem Vorfall natürlich sofort alle Gehege mit gefährlichen Tierarten entsprechend untersucht, um sicherzugehen, dass hier so etwas nicht passieren kann“, sagte Zoosprecherin Lisa Josef. Im Bärengehege selbst seien zusätzliche Sicherungsmaßnahmen vorgenommen worden. Die Gehege mit gefährlichen Tierarten werden regelmäßig detailliert kontrolliert. „Auch bei unseren Gehegen in der neuen Tierwelt „Manitoba“ haben wir mit großer Sorgfalt und mehrfacher Absicherung durch verschiedene Kontrollen die Sicherheit überprüft“, versicherte Josef.

Tips war mit ihrem Bruder Taps eines der bekanntesten und beliebtesten Tiere des Zoos Osnabrück. Vater war Eisbärmännchen Elvis, die Mutter Braunbärin Susi. Beide wurden vor Jahren im selben Gehege gehalten, weil Experten annahmen, dass eine Paarung zwischen beiden Bärenarten nicht möglich sei - sie wurden durch die Geburt der beiden Mischlings-Geschwister widerlegt. Wegen des Klimawandels kommen solche Kreuzungen inzwischen auch in freier Wildbahn vor. Seit einigen Jahren waren Tips und Taps daher die Botschafter des Zoos für den Klimaschutz.

Wie geht es Tips Bruder Taps?

Viele Zoobesucher sprechen die Mitarbeiter auch heute noch auf Tips an, berichtete Josef. Dabei werde auch immer wieder die Frage gestellt, ob Bruder Taps nun nicht einsam sei. „Alle Zeichen sprechen dafür, dass es ihm gut geht“, versicherte Josef. Eisbären seien keine Rudeltiere, sondern Einzelgänger. Auch eine Zusammenlegung mit seiner hochbetagten noch lebenden Mutter Susi wäre nicht gut. „Einige Besucher sagen uns, dass er traurig dreinschaue. Aber Bären haben keine Mimik“, erklärte Josef.

Tips‘ Körper wird der Wissenschaft zur Verfügung gestellt. Er soll im staatlichen Museum für Naturkunde untersucht und präpariert werden. Eines steht für den Zoo Osnabrück aber fest: Ausgestellt werden soll Tips im Osnabrücker Zoo nicht.

Der Tierrechtler Colin Goldner kritisierte den Osnabrück Zoo für den Abschuss des Bärenweibchens. Der Zoo sei nicht in der Lage gewesen, den Ausbruch zu verhindern und sei auch nicht darauf eingestellt gewesen, das entwichene Tier wieder unbeschadet einzufangen. Das gelte seiner Ansicht nach für alle Zoos. „Die Sicherheit der Tiere ist auf keinen Fall gewährleistet“, sagte Goldner.

Hybride als Attraktion

Der Deutsche Tierschutzbund, der die Haltung von Tieren in Zoos nicht generell ablehnt, kritisiert die frühere gemeinsame Haltung von Eis- und Braunbären in einem Gehege. Früher seien Hybridtiere in Zoos noch gang und gäbe gewesen und wurden als Besuchermagnete gezüchtet, sagte Sprecherin Lea Schmitz. So gab es beispielsweise auch schon Liger, Kreuzungen aus Löwe und Tiger, in deutschen Zoos.

Glücklicherweise ist dies selten geworden und mittlerweile werden in der Regel auch keine Tierarten zusammengehalten, die sich ungewollt paaren können. In anderen Ländern gebe es dies aber auch heute noch, sagte Schmitz, so zum Beispiel Hybride aus kleinem Schwertwal und einem Großen Tümmler in Japan, oder diverse Großkatzenhybride in den USA.

In deutschen Zirkussen finden sich aber noch Hybrid-Tiere, zum Beispiel ein Zebroid, eine Kreuzung aus Zebras und Pferden oder Esel, beziehungsweise ebenfalls ein Liger, klagt der Tierschutzbund.