Arbeiten am schönen Schein Ungewöhnlicher Beruf: 21-jährige Osnabrückerin ist Kirchenmalerin

Von Dietmar Kröger


Osnabrück. Nein, als Kirchenmalerin braucht man keine besondere Hinwendung zum christlichen Glauben oder gar eine theologische Vorbildung. Als Kirchenmalerin reicht die Liebe zur Kunst und zur Arbeit am Detail. Elisabeth Reker bringt genau diese Liebe mit.

Reker ist zwar katholisch und hat 2014 am Angelagymnasium ihr Abitur gemacht, ihre Berufswahl hat aber keinen religiösen Hintergrund. Ihre Triebfeder ist die Liebe zur historischen Kunst, und die finde man nun einmal zu großen Teilen im sakralen Bereich, sagt die 21-Jährige. „Diese Kunst möchte ich gerne erhalten.“ Die Arbeit als Kirchenmalerin sei die Arbeit am schönen Schein, sagt Reker. Kirchenmalerin ist eine Zwischenstation. Ihr eigentliches Berufsziel heißt Restauratorin. „Ich möchte gerne Restaurierung in Dresden studieren“, sagt sie. Das Auswahlverfahren läuft derzeit.

Eine spannende Zeit also für die junge Frau, die momentan ihren Meister in München macht. Überhaupt: Wer Kirchenmaler werden will, muss sich schon mit dem süddeutschen Raum anfreunden können. Im eher protestantisch geprägten Norddeutschland sind die Kirchen schmucklose Bauten, die dem Kirchenmaler nur wenig Raum zur Entfaltung bieten.

„Maler und Lackierer in der Fachrichtung Kirchenmalerei und Denkmalpflege“

Aber wie kommt man denn dann in Osnabrück überhaupt zum Beruf des Kirchenmalers? Eigentlich habe sie nur das für das Studium verlangte Praktikum machen wollen, so Reker. Dann habe ihr aber die Idee, eine komplette Ausbildung zu machen auch zugesagt, woraufhin sie bei Eichholz in Bad Laer einen Lehrvertrag unterschrieb, und zwar als Auszubildende zum „Maler und Lackierer in der Fachrichtung Kirchenmalerei und Denkmalpflege“, wie es offiziell heißt. Zu den Aufgaben des Kirchenmalers gehört der Umgang mit, die Rekonstruktion und Restaurierung von historischen Objekten. „Wir lernen, wie man mit historischen Materialien wie Kalk umgeht und führen Techniken wie Vergolden, Fassen, Marmor- und Holzimitation, Graumalerei, der Umgang mit historischen Putzen und Bindemitteln und vieles mehr aus“, erzählt Reker. Sie hat in ihrer Ausbildung aber auch ganz profan Wände gestrichen oder Wärmedämmverbundsysteme geklebt.

Der Kreis der Kirchenmaler ist überschaubar. Es gibt nur noch wenig Betriebe, die diese Arbeit ausführen, und erlernen kann man diesen Beruf auch nur in Deutschland. Zur Berufsschule hatte Reker denn auch eine etwas längere Anreise: Die einzige Lehranstalt mit diesem Angebot findet sich im fernen München und trägt den Namen „Städtische Berufsschule für Farbe und Gestaltung“. „Wir hatten drei Blockzeiten von ungefähr drei Wochen pro Lehrjahr. Aufgrund meines Abiturabschlusses konnte ich die Lehrzeit auf zwei Jahre verkürzen.“ Die Abschlussprüfung habe dann aus einem Tag theoretischer Prüfungen in Fachtheorie (Gestaltung, Instandhaltung und Reproduktion) und in Sozialkunde bestanden. Dem schlossen sich drei Tage mit praktischer Prüfung und einem Fachgespräch an. Praxisnah habe sich die gesamte Prüfung an einem Kundenauftrag orientiert, der während der Prüfungswoche bearbeitet werden musste, berichtet Reker. Eingebunden in diesen Auftrag war auch das Gesellenstück. Sie hat eine Altarplatte mit einem Kreuzmotiv für eine Friedhofskapelle aus dem 19. Jahrhundert gestaltet.

Teurer Spaß

„Von den 16 Kirchenmalerauszubildenden meines Jahrgangs sind 15 zur Prüfung angetreten, und 14 bestanden“, sagt Reker. Von den 14 habe sie mit einer Eins im praktischen Teil und einer Zwei in Theorie am besten abgeschnitten, fügt sie bescheiden hinzu.

Nun ist zwar im Leben nicht immer alles Gold, was glänzt, Reker aber kann dem Edelmetall als Werkstoff doch eine Menge abgewinnen. Und so findet ihr beruflicher Werdegang auf der Meisterschule für das Vergolderhandwerk – natürlich in München, wo sonst – seine Fortsetzung.

Das allerdings – der Name lässt es schon vermuten – ist nicht eben gerade ein billiges Vergnügen. Für ihr Meisterstück wird Reker eine Figur nachschnitzen lassen, die sie dann weiter bearbeitet. Allein für den Rohling veranschlagt sie Kosten in Höhe von 3000 Euro. Hinzu kommen dann noch einmal mindestens 1500 Euro für die eigenen Materialien. Aber das ist es ihr wert.

Im Juli wird sie den Meisterbrief in der Tasche haben. Dann ruft die Uni Dresden. Hoffentlich. Fünf Jahre im Diplomstudiengang „Kunsttechnologie, Konservierung und Restaurierung von Kunst- und Kulturgut“ liegen dann ab Herbst vor Reker. Sie weiß um die Diskrepanz zwischen Handwerk und wissenschaftlicher Arbeit. Nicht immer harmonieren die Vertreter der beiden Richtungen miteinander. Für die 21-Jährige liegt aber gerade in der Kombination aus der praktischen Arbeit im Handwerk mit der wissenschaftlichen Herangehensweise der Reiz. „Das kann sich eigentlich nur ergänzen“, ist sie sich sicher.