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02.04.2018, 07:30 Uhr EINWEISUNG IN DIE PSYCHIATRIE

Schmaler Grat

Kommentar von Sandra Dorn

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Osnabrück. Vor einer Einweisung in die Psychiatrie stehen zurecht sehr hohe Hürden. Allein die Vorstellung, ein missgünstiger Nachbar könnte erwirken, dass jemand vom sozialpsychiatrischen Dienst abgeholt wird, ist gruselig.

Auch und gerade, wer sich schon einmal in psychiatrischer Behandlung befand, darf nicht fürchten müssen, gegen seinen Willen rasch wieder im Ameos-Klinikum zu landen. Die Kehrseite der Medaille ist, dass einige Fälle durchs Raster fallen.

Wer könnte die Hilflosigkeit der Nachbarn der psychisch kranken Frau in Osnabrück nicht gut nachvollziehen? Zum einen fühlten sie sich wegen permanenter Ruhestörung belästigt – zum anderen machten sie sich aber auch Sorgen um ihre Nachbarin, die sie schließlich seit Jahren kannten. Niemand griff ein, obwohl sie über mehrere Monate wieder und wieder die Polizei riefen.

Natürlich ist solch eine Situation auch für die Einsatzkräfte schwierig. Liegt keine akute Lebensgefahr vor, haben sie kein Recht, die Frau mitzunehmen – und das ist auch gut so. Doch warum haben die Polizisten angesichts einer Häufung von Einsätzen und Sorgebekundungen der Nachbarn nicht von sich aus den sozialpsychiatrischen Dienst eingeschaltet, um wenigstens zu klären, ob die Frau tatsächlich Hilfe braucht? Diese Frage bleibt offen.


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