Gerät schon 2016 beschlossen Tempomessung an der Martinistraße kommt – aber ohne Fotos

Von Jörg Sanders

Weiterhin ist unklar, ob der vom Rat beschlossene Blitzer an der Martinistraße kommt. Archivfoto: Elvira PartonWeiterhin ist unklar, ob der vom Rat beschlossene Blitzer an der Martinistraße kommt. Archivfoto: Elvira Parton

Osnabrück. Nach einem schweren Unfall an der Martinistraße in Osnabrück im Juni 2016, bei der eine Radfahrerin lebensgefährlich verletzt worden war, konnte es Teilen der Politik gar nicht schnell genug gehen: Ein Blitzer musste her und wurde vom Rat beschlossen. Seither ist viel Zeit ins Land gegangen, doch vom Blitzer keine Spur. Dennoch wird an der Straße nun die Geschwindigkeit gemessen – Fotos wird es aber nicht geben. Vorerst.

Die Stadt beauftragte ein externes Büro, das die Verkehrsdichte und -menge sowie die Geschwindigkeiten an der Straße messen wird, sagte Stadtsprecher Sven Jürgensen auf Anfrage unserer Redaktion. In den kommenden Tagen – nach den Osterferien – installiere das beauftragte Büro ein entsprechendes Gerät. Für einige Tage werde dieses dann rund um die Uhr Daten sammeln, um zu prüfen, „ob der Einsatz eines Blitzers überhaupt notwendig ist“, sagt Jürgensen. 

Das zu entscheiden ist dann erneut Sache des Rats, der sich „wohl noch vor der Sommerpause“ mit dem Blitzer beschäftigen wird.

Vergabefahren aufgehoben

Denn trotz des immer noch gültigen Ratsbeschlusses und der Zustimmung der Polizei zum Blitzer hatte der Verwaltungsausschuss die Verwaltung im November beauftragt, das bereits laufende Vergabeverfahren für das 150.000 bis 180.000 teure Gerät aufzuheben. 

An der Martinistraße zwischen Arndt- und Herderstraße sollte der Blitzer stehen. Foto: Google Earth

Verwaltung: Kaum Raser an der Straße

Grund für die Ablehnung des Verwaltungsausschusses: Der Fachbereich Bürger und Ordnung war im September zu dem Ergebnis gekommen, dass es an der Straße kaum Raser gebe und Unfälle dort nur selten auf sie zurückgingen. Allerdings hatte die Verwaltung nur tagsüber zwischen 7 und 20 Uhr gemessen.

Straße wird nachts zur Rennstrecke

Dabei ist es kein Geheimnis, dass manch Autofahrer die Martinistraße abends und nachts gerne als Rennstrecke missbraucht. Daher sollte der Blitzer auch Anwohner vor dem Lärm der aufheulenden Motoren schützen. Das Gerät sollte zwischen Herder- und Arndstraße stehen und alle Spuren in beiden Richtungen erfassen.

Schneller Ratsbeschluss

Am Abend des 6. Juni 2016 hatte eine Radfahrerin die Martinistraße gekreuzt. Dabei wurde  sie von einem Auto erfasst. Sie erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Von illegalen Autorennen und Raserei war zu hören. Wenige Tage später, am 15. Juni, beschloss der Rat der Stadt einen Blitzer. Erst nach dem Beschluss stellte sich heraus: Der Unfallfahrer war gar nicht wesentlich zu schnell gewesen, und die Radfahrerin hatte unter Drogen- und Alkoholeinfluss gestanden.