Ehrenamtliche verschiffen Container Orthopädische Hilfsmittel für Gehandicapte in Westafrika

Von Carolin Hlawatsch


Osnabrück. Ein riesiger Container mit orthopädischen Hilfsmitteln für Menschen mit körperlichen Handicaps befindet sich jetzt auf dem langen Weg von Osnabrück nach Banjul, Hauptstadt des westafrikanischen Staats Gambia. Beladen und auf die Reise geschickt haben ihn Mitglieder der Gambia-Solidarität Osnabrück, ein Zusammenschluss innerhalb des Vereins „Avanti!“.

Rollstühle, Verbands- und Hygieneartikel, ein Pflegebett, Babywagen, Stehtrainer für die Physiotherapie wurden von Helfer zu Helferin bis hinauf auf die Ladefläche gereicht. Neun Freunde der Gambia Solidarität packten vor Kurzem auf dem Kasernengelände am Limberg über drei Stunden tatkräftig an, damit der Speditions-Lastwagen, ein Siebeneinhalb-Tonner, zügig zurück zum Hamburger Hafen rollen konnte, wo die Fracht auf ein Schiff verladen wurde. „Von dort aus wird es noch Wochen dauern, bis die Hilfsgüter in Banjul ankommen“, weiß Hildegard Winkler.

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Hilfe für Rollstuhlwerkstatt

Die Osnabrücker Physiotherapeutin und Osteopathin war im November zusammen mit drei weiteren Mitgliedern der „Gambia Solidarität“ in Afrika. Dort vertieften sie die bereits seit 15 Jahren bestehende Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Nichtregierungsorganisation „Gambian Association for Physically Disabled (GAPD)“. Diese Organisation betreibt eine Rollstuhlwerkstatt in Banjul, in der Patienten mit staatlicher Unterstützung kostenlos versorgt werden. „Das ist einmalig in Westafrika. Und so kommen Menschen mit Behinderung oft von weither angereist, da es in den Nachbarländern Mali und Senegal keine vergleichbare Institution gibt“, weiß Hildegard Winkler.

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Dieser Rollstuhlwerkstatt sowie dem in direkter Nachbarschaft liegenden Small Teaching Hospital mit seiner physiotherapeutischen Abteilung, sollen die orthopädischen Hilfsmittel aus Osnabrück zu Gute kommen. Gespendet wurden sie von RAS Orthopädie- und Rehatechnik Melle, Mennewisch Orthopädietechnik Osnabrück sowie von mehreren privaten Wohltätern. Um den Transport finanzieren zu können, hat die Gambia Solidarität einen Antrag beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) gestellt und erhielt daraufhin Fördermittel über die mit dem BMZ zusammenarbeitende Organisation „Bengo – Beratung und Projektförderung für private Träger in der Entwicklungszusammenarbeit“. Insgesamt ein halbes Jahr Vorlauf, für Förderanträge, Organisation einer Logistikfirma und die Regelung von Zoll-Formalitäten habe es gebraucht, bis der Container schließlich zum Beladen bereit in Osnabrück stand.

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Hilfe zur Selbsthilfe

„Wichtig ist uns bei diesem, wie auch unseren anderen Projekten, dass Unterstützung langfristig dazu führt, dass sich die Menschen vor Ort selbst helfen können“, betonte der Osnabrücker Lehrer Klaus Berdelmann, Mitbegründer des Vereins Avanti!. So laufen bereits Anträge zur Finanzierung einer Prothesenherstellungsmaschine für die GAPD-Werkstatt, die nicht mehr auf deutsche Lieferungen angewiesen ist, sondern mit afrikanischen Materialen arbeiten kann.