Auftritt beim Popsalon Maarten Devoldere: Stimme wie Leonard Cohen und Tom Waits

Von Tom Bullmann

Singt mit sonorer Stimme: Maarten Devoldere. Foto: WarhausSingt mit sonorer Stimme: Maarten Devoldere. Foto: Warhaus

Osnabrück. Maarten Devoldere, belgischer Musiker, tritt als Warhaus im Popsalon auf. Im Interview mit unserer Zeitung erzählt er von seiner Heimat Flandern, vom Saufmekka Magaluf und von der Band Balthazar.

Maarten Devoldere, am 14. April besuchen Sie den Osnabrücker Popsalon und treten in der Lagerhalle als Warhaus auf. Was ist das?

Warhaus ist ein Musikprojekt von mir, neu, daher sehr aufregend und spannend. Eigentlich kennt man mich ja eher von der belgischen Band Balthazar. Die existiert schon seit zwölf Jahren, daher wirkt sie auf mich wie eine alte, gut geschmierte Maschine. Das ist bei Warhaus anders.

 

In welcher Formation werden Sie denn antreten?

Wir sind vier Leute. Außer mir werden drei sehr talentierte junge Musiker auf der Bühne stehen: ein Schlagzeuger, ein Bassist und ein Multiinstrumentalist. Letzteren brauche ich dringend, weil das Album, das wir live präsentieren, sehr aufwändig arrangiert ist. Wir arbeiten auf der Bühne mit Echo-Loops und Samples, um den Sound ähnlich hinzubekommen, wie auf dem Album – obwohl wir nur zu viert sind.

 

Auf dem Album ist eine weibliche Stimme zu hören.

Ja, da singt Sylvie Kreusch ab und zu. Aber sie hat ein eigenes Soloprojekt und kann daher leider nicht mit nach Osnabrück kommen.

 

Ihr Name klingt eher deutsch.

Sie ist Belgierin, aber der Name stammt tatsächlich aus Deutschland. Einer ihrer Großväter kam aus Deutschland.

 

Es scheint ein belgisches Phänomen zu sein: Bei Ihnen mischen sich die Nationalitäten und Sprachen.

Ich lebe in Gent, also in Flandern. Wir Flamen sind es gewohnt, fremde Sprachen zu lernen und zu sprechen, weil wir sonst nirgendwo auf der Welt verstanden werden. Das heißt, wir lernen schon früh in der Schule Fremdsprachen, Französisch und Englisch. Am einfachsten haben wir es natürlich in den Niederlanden. Flämisch ist so etwas wie ein holländischer Dialekt.

 

Ihre Songs singen Sie auf Englisch. Die Texte drehen sich oft um Liebe und Sex, aber nicht gerade im romantischen Stil. Haben Sie Warhaus gegründet, um dunklen Ambitionen Ausdruck zu geben?

Nein, das sehe ich nicht so. Es geht mir durchaus darum, das Leben zu feiern. Sicherlich lasse ich mich von den schrägen, rätselhaften Seiten der Liebe inspirieren. Daher kreiere ich mit meinen Songs gern eine mysteriöse Atmosphäre. Die ist manchmal zwar irgendwie dunkel, aber nicht traurig. Es gibt so viele Facetten der Liebe, manche sind halt nicht harmonisch und wunderschön. Es gibt Licht und Schatten.

 

Für den Song „Mad World“ haben Sie im mallorquinischen Sauf-Exzess-Mekka Magaluf ein Video gedreht. Warum gerade dort?

Weil sich dort eine sehr schräge, äußerst oberflächliche Szenerie entwickelt hat. Viele fahren dorthin, weil sie im besoffenen Kopf Sex haben wollen. Dafür tun sie ausgesprochen bescheuerte Dinge, machen sich zum Affen. In dem Song geht es um solche Leute, bei denen Intellekt und niedere Instinkte im Clinch liegen. Ich will diese Verhaltensweisen nicht abwerten, aber sie sind schon ziemlich krass.

 

Würden Sie denn in Magaluf Urlaub machen?

Nein. Wenn ich zwei Wochen Urlaub hätte, würde ich Magaluf sicherlich nicht als Reiseziel wählen. Wenn ich mal feiern und diese aufgedrehte Seite der Realität erleben will, dann gehe ich hier in Gent in ein Stadtviertel, in dem viele Kneipen sind, in denen sich junge Leute, Studenten und so, treffen.

 

In dem Video zum Song „The Good Lie“ sieht man Sie eine Art Steptanz zelebrieren. Tanzen Sie gern?

Oh, für diese Tanzsequenz musste ich eine Woche lang üben. Ich bin eigentlich nicht so der Tanztyp. Das heißt, es hat ganz schön gedauert, bis ich diesen einfachen Tanzstil einigermaßen beherrschte. Aber das passt zu der verrückten Geschichte, die ich mit dem Video erzähle. Ich mag es, wenn Videos eine Geschichte erzählen. Als ich mit meiner Idee für das Video zu „The Good Lie“ ankam, haben alle gelacht, weil sie so überdreht ist. Die Szenerie hat etwas von Karikatur. Das Video ist für alle, die denken, Warhaus sei ein sehr ernsthaftes Musikprojekt. Klar, uns geht es um tiefe, heilige Gefühle, aber wir können auch richtig bescheuert sein.

 

Ihre sonore Stimme wird gern mit der von Tom Waits oder der von Leonard Cohen verglichen. Wie gehen Sie damit um?

Ich liebe beide Sänger. Im Moment höre ich viel Musik aus den sechziger und siebziger Jahren. Da spüre ich noch Charakter, etwas, was im Laufe der Zeit nahezu verloren gegangen ist. Tom Waits ist unglaublich kreativ, was er macht, ist frisch und zeitlos. Was ich an Leonard Cohen mag, ist sein Humor. Viele wissen das nicht, halten ihn nur für den ernsthaften, weisen, alten Mann. Aber er hat wirklich eine humorvolle Seite. Beide Künstler haben mich inspiriert. Also kann ich solche Vergleiche nur als Kompliment werten.

 

Kommen wir noch einmal zur Band Balthazar zurück. Gibt es wieder gemeinsame Aktivitäten?

Ja, hinter den Kulissen beenden wir gerade ein neues Balthazar-Album. Eigentlich ist es schon halb fertig.

 

Fühlen Sie sich nicht zwischen Warhaus und Balthazar hin- und hergerissen?

Nein. Aber es herrscht ein großer Unterschied: Es hat viel mit Verantwortung zu tun, wenn du als Frontmann in einem eigenen Projekt agierst. Bei Balthazar bin ich „nur“ Bandmitglied, Teil eines Teams.

 

Ihr Kollege J. Bernardt kommt ebenfalls zum Popsalon nach Osnabrück. Freuen Sie sich auf das Treffen?

Ach, wissen Sie, wir arbeiten zusammen an mehreren Projekten. Das heißt, wir sehen uns in der Regel viermal die Woche. Er ist ein Kumpel, den ich immer gern sehe. Aber es ist schön, dass wir uns jetzt sogar in einem anderen Land treffen. Wenn es passt, werden wir sicherlich ein paar Bierchen zusammen trinken.


Warhaus Live im Popsalon: 14. April, Lagerhalle, gegen Mitternacht