Studienseminar macht Werbung Osnabrück: Berufsschullehrer verzweifelt gesucht

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Der Letzte löscht das Licht: An den berufsbildenden Schulen sind viele Lehrerstellen unbesetzt.  Symbolfoto: imagoDer Letzte löscht das Licht: An den berufsbildenden Schulen sind viele Lehrerstellen unbesetzt. Symbolfoto: imago

Osnabrück. In keiner Schulform ist der Lehrermangel so krass wie an den Berufsschulen. Die Unterrichtsversorgung liegt unter 90 Prozent. Das Osnabrücker Studienseminar für das Lehramt an berufsbildenden Schulen geht einen ungewöhnlichen Schritt: Es wendet sich an die Öffentlichkeit.

Warum fehlen den Berufsschulen so viele Lehrer, dass nicht nur allgemeinbildende Fächer wie Sport, Deutsch oder Politik manchmal gar nicht mehr auf den Stundenplänen auftauchen, sondern auch der Fachunterricht nur noch mit Abstrichen ausgebracht werden kann? Seminarleiter Dieter Manthey sucht im Gespräch mit unserer Redaktion nach Antworten. „Die Gründe sind vielschichtig“, sagt er. Das Image des Berufsschullehrers weist Dellen und Kratzer auf, gerade in den Ingenieurberufen lockt die Wirtschaft mit den besser dotierten Jobs, die Unkenntnis bei Schulabgängern über die Möglichkeiten als Berufsschullehrer ist groß und nicht zuletzt: In der Vergangenheit wurden Studiengänge nicht weiter ausgebaut oder – noch viel schlimmer – abgebaut. Das Ergebnis ist eine Situation, die ohne eine nachhaltige Veränderung für das duale Ausbildungssystem in Deutschland existenzbedrohend werden kann.

Ungewöhnlicher Schritt

Manthey hat gemeinsam mit Katrin Meier von der Hochschule und Christina Suthe von der VME-Stiftung zum Pressegespräch geladen. Ein eher ungewöhnlicher Schritt, weil das Studienseminar als nachgeordnete Abteilung der Landesschulbehörde eher selten bis gar nicht den öffentlichen Auftritt sucht. Ist die Not also schon so groß? Zumindest ist sie nicht mehr von der Hand zu weisen und erfordert konzertierte Werbemaßnahmen, wenn der Mangel an Berufsschullehrern nicht zu noch chaotischeren Verhältnissen an den berufsbildenden Schulen führen soll.

Situation in Osnabrück günstig

Studienseminar, Hochschule, Universität und VME-Stiftung als Vertreterin der Arbeitgeber in der Metall- und Elektroindustrie bemühen sich schon seit mehreren Jahren – auch mit Unterstützung des Kultusministeriums – um mehr Öffentlichkeit für den Job des Berufsschullehrers. In die Karten spielt ihnen dabei, dass die Ausgangssituation in Osnabrück günstig ist. „Wir haben mit den technischen Fachrichtungen und den Humanwissenschaften ein attraktives Angebot“, sagt Manthey. Immerhin zählt er derzeit 950 Studierende in Osnabrück. Studieninteressierte, die als Lehrerin oder Lehrer an berufsbildenden Schulen unterrichten wollen, können am Hochschulstandort Osnabrück das klassische grundständige Bachelor-Master-Studium mit den beruflichen Fachrichtungen Metalltechnik und Elektrotechnik studieren. In einer niedersachsenweit einmaligen Kooperation bündeln die Hochschule Osnabrück und die Universität Osnabrück ihre Kompetenzen in der gewerblich-technischen Fachrichtung (Hochschule) und der klassischen Lehramtsausbildung (Universität).

Und auch der Quereinstieg ist möglich: Studieninteressierte mit einem bereits abgeschlossenen Hochschulstudium (Diplom oder Bachelor) in der Elektrotechnik oder im Maschinenbau können den Weg über einen Quereinstieg-Masterstudiengang für diese Fachrichtungen an der Uni wählen.

Bessere Verdienstmöglichkeiten

Eigentlich stehen also alle Ampeln auf Grün. Und dennoch nimmt der Zug nur schleppend Fahrt auf. Die technischen Studiengänge schrecken noch immer viele Abiturienten aufgrund ihrer vermeintlichen Komplexität ab, und wer sich für diese Richtung entscheidet, wählt dann oftmals doch lieber die Profession des Ingenieurs, wohl auch der vermeintlich besseren Verdienstmöglichkeiten wegen. Meier und Suthe setzen deshalb mit der Schüler-Lehrer-Akademie (SLA) schon früh an, um junge Menschen für das Lehramt an berufsbildenden Schulen zu gewinnen. Die SLA bietet interessierten Schülern technischer Fachrichtungen wie Metalltechnik, Elektrotechnik, Fahrzeugtechnik, Mechatronik authentische Einblicke in die Ausbildung und den vielfältigen Berufsalltag von Berufsschullehrkräften der Fachrichtungen Metall-, Fahrzeug- und Elektrotechnik kennenzulernen. In zwei Ganztagesveranstaltungen besuchen Teilnehmer der SLA die Universität und die Hochschule Osnabrück, einen Ausbildungsbetrieb, sowie ein Studienseminar und eine berufsbildende Schule.

Coaching für Referendare

Und das ist noch nicht alles: Das Studienseminar bietet seinen Referendaren ein von der VME-Stiftung finanziertes Coaching an, dass den angehenden Berufsschullehrern bei allen Fragen helfend zur Seite steht. Alles in allem also eine ganz kommode Sache, so ein Studium für das Lehramt an Berufsschulen, oder? Manthey sieht sein Seminar in der Kooperation mit Hochschule und Uni auf jeden Fall auf dem richtigen Weg.

Vielfältiger Beruf

Vor allem aber weiß er um die Vielfältigkeit seines Berufs. „Der Beruf des Berufsschullehrers ist jeden Tag spannend. Der Wissendurst kann immer wieder neu gestillt werden.“ Das heißt für Manthey konkret, dass die Lehrkräfte an den berufsbildenden Schulen sich selbstverständlich immer auf dem neuesten technischen Stand halten müssen, dass sie im ständigen Austausch mit den Betrieben, den Kammern sowie anderen Organisationen stehen und dass sie sich selbstverständlich auch immer wieder neuen pädagogischen Herausforderungen stellen müssen, da sie ihren Unterricht in den diversen Angeboten der Berufsschulen erteilen müssen.

Hochschulinformationstag

Auf dem jährlichen Hochschulinformationstag (HIT) am 29. Mai können sich alle Studieninteressierten vor Ort umfassend über die Studiengänge von Hochschule und Universität Osnabrück informieren. Die Veranstaltung zu den kooperativen Lehramtsstudiengängen in der beruflichen Bildung in den beiden gewerblich-technischen Fachrichtungen Metall und Elektrotechnik findet von 10.30 Uhr bis 11.30 Uhr in der Albrechtstraße 30, Raum AA 0001 statt.


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