Linke und Rechte hetzen gegeneinander AfD-Veranstaltung mit Folgen für griechisches Restaurant in Osnabrück

Von Jörg Sanders

Auf Facebook gibt es Streit zwischen AfD-Anhängern und Linken. AfDler bewerten das Osnabrücker Lokal systematisch positiv, das ist Linken ein Dorn im Auge. Symbolfoto: dpaAuf Facebook gibt es Streit zwischen AfD-Anhängern und Linken. AfDler bewerten das Osnabrücker Lokal systematisch positiv, das ist Linken ein Dorn im Auge. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Die Fraktionsvorsitzende der AfD im niedersächsischen Landtag, Dana Guth, ist in Osnabrück zu einer Veranstaltung des Osnabrücker Kreisverbands in ein griechisches Restaurant gekommen. Der Wirt wurde danach auf seiner Facebookseite zum Spielball von AfD-Anhängern und -gegnern aus ganz Deutschland.

Am 22. Februar kritisierte Guth in dem Lokal vor kleinem Publikum unter anderem die Flüchtlingspolitik. Teile ihrer Rede veröffentlichte die AfD Osnabrück auf ihrer Facebookseite in dem Video „RIKO – Regional Information Kreisverband Osnabrück" (Teil 4).

Einige Facebooknutzer werfen dem Restaurantbesitzer im Bewertungsbereich seiner Facebookseite vor, der AfD in seinem Lokal Platz und in dem sozialen Netzwerk eine Plattform zu geben. Dass der Inhaber „Nazis“, „Rassisten“ und „braune Soße“ bewirte, sei inakzeptabel.

Massenhaft Bewertungen nach Vortrag

In den Tagen nach Guths Auftritt erhielt das Lokal auf Facebook auffallend viele positive Bewertungen – von AfD-Anhängern und -mitgliedern aus ganz Deutschland. Personen, die auf ihren Facebookseiten teils extrem rechte Positionen vertreten und verbreiten, gegen Flüchtlinge und Merkel hetzen. Es ist unwahrscheinlich, dass so viele AfD-Anhänger zufällig dieses Lokal besucht hatten. Teilweise scheint es sich um unechte Profile zu handeln.

Aufruf zum Bewerten

Auf Facebook lassen sich Aufrufe von AfD-Anhängern finden, das Restaurant positiv zu bewerten. Der Wirt halte seinen Stammkunden zwar weiter die Treue, wolle aber vermeiden, dass Linke die gute Durchschnittsbewertung weiter herunterziehen, heißt es in solch einem Aufruf eines Mark M. Momentan hat das Restaurant 3,6 Sterne bei Facebook – 390-mal gab es die bestmöglichen fünf, 198-mal nur einen. Auf der Facebookseite „AfD unterstützende Gastronomie und Veranstalter boykottieren“ wiederum wird indirekt zu schlechten Bewertungen aufgerufen.

Inhaber zwischen den Fronten

Der Inhaber des Restaurants* sagt im Gespräch mit unserer Redaktion, er wolle mit dieser Debatte nichts zu tun haben. „Mich interessieren politische Diskussionen nicht, bei mir ist jeder Gast willkommen.“ Er habe erst am Vortag der Veranstaltung von der Polizei erfahren, dass die AfD in seinem kleinen Raum den Vortrag mit Dana Guth abhalten wollte. „Aber der Termin war fest, und ich brauche Geld für die Miete“, sagt er. Danach habe die Diskussion auf Facebook ihren Lauf genommen.

Inhaber: Nicht das AfD-Stammlokal

Dennoch ist er sich bewusst, dass der Besuch der AfD dem Ruf seines Lokals schaden könnte. „Aber was ist schon ein Stammlokal? Es ist nicht das Stammlokal der AfD“, versichert er. Dennoch könne er „womöglich negative Folgen nicht beeinflussen. Ich habe nur gehört, dass manche nun nicht mehr kommen wollen.“

Gesinnung Grundlage der Bewertungen

Viele Kommentatoren bei Facebook machen keine Hehl daraus, auf welches Kriterium sie ihre Bewertung zurückführen. Einen Stern gibt es von AfD-Gegnern für die Bewirtung von AfD-Anhängern, Letztere hingegen geben stets fünf Sterne, obgleich viele von ihnen wahrscheinlich nie dort waren. Die Qualität des Essens und des Service scheinen sich nur selten in den Bewertungen widerzuspiegeln.

Gegenseitige Beleidigungen

Unter den positiven Kommentaren der AfD-Anhänger kommt es oftmals zum Streit. Auch der ehemalige Sprecher des Osnabrücker AfD-Kreisverbands, Hartwig Knoops, schaltet sich wiederholt in Debatten ein und nennt einen der Kritiker unter anderem „oller Psycho“ mit Freigang „aus der Ameus-Klinik“ oder „olle Cracknudel“. Manche AfD-Gegner schreiben nicht weniger beleidigend. So gebe es in dem Restaurant „braunen Dreck“, schreibt das Facebookmitglied Markus Quabach. Der Nutzer Dante D'Alonzo spricht von einer „widerlichen Klientel“. Peter Dominik kommentiert: „Essen war leider nicht möglich. Am Tisch neben mir tagte gerade die AfD und bei den Parolen wurde mir übel.“ Der Wirt dazu: „Wenn ich könnte, würde ich die Bewertungen löschen.“

Wer steckt hinter „Riko“?

Das Bramscher AfD-Mitglied Florian Meyer erstellt die Videoreihe „Riko". Er posiert auf seinem Facebookprofil unter anderem mit dem wegen Volksverhetzung verurteilten Pegida-Gründer Lutz Bachmann und schreibt zu einem geteilten Video: „Diese Polizisten bräuchten wir auch.“ In dem Video sind niederländische Polizisten zu sehen, die bei einer Demo mit Schlagstöcken auf linke Demonstranten einprügeln, obgleich diese zwar lautstark, aber offenbar gewaltlos demonstrieren.

* Der Inhaber sowie sein Restaurant sind unserer Redaktion bekannt.