Teresa will ihre Zöpfe spenden Warum sich ein Mädchen aus Osnabrück von seinen langen Haaren trennt

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Haare wie Teresa wollen wohl die meisten kleinen Mädchen haben – fast bis zum Po reichen sie, und was für tolle Zöpfe man daraus flechten kann. Doch genau die will sich das achtjährige Mädchen aus Osnabrück abschneiden lassen. Aus einem guten Grund.

Teresa sitzt auf dem Palettensofa beim Friseur „Green Hair & Beauty“ in der Martinistraße und wartet darauf, dass sie dran kommt, während ihr jüngerer Bruder seine Kreise um die Schokoladenostereier auf dem Tisch zieht. „Mein Opa hat Krebs“, erklärt Teresa. „Deswegen fallen ihm die Haare aus. Und Kinder können das ja auch haben, die haben dann auch keine Haare mehr.“

Ihre Mutter Marion Wieczoreck begleitet sie an diesem Nachmittag zum großen Schnitt. „Mein Vater hat durch eine Chemotherapie Haare verloren und ich wollte die Kinder darauf vorbereiten, dass Opa beim nächsten Besuch keine Haare mehr haben wird.“ Der Gedanke, dass auch Kinder an Krebs erkranken können und dann eine Glatze bekommen, war für Teresa jedoch schwer zu ertragen. Ihre Mutter erzählte ihr, dass es Perücken gebe, und wurde schließlich selbst neugierig. Im Internet stieß sie auf die Seite haare-spenden.de, die von einem Perückenhersteller aus dem Münsterland betrieben wird. Aus gespendeten Haaren stellt das Unternehmen Perücken her und gibt diese kostenlos an Menschen weiter, die aufgrund einer Krankheit keine Haare mehr haben.

Haarspende beim Friseur

Als Teresa davon hörte, wollte sie unbedingt auch ihre Haare spenden. Mindestens 25 Zentimeter lang muss der Zopf sein, damit er weiterverarbeitet werden kann. Bei Teresa sind es sogar 35 Zentimeter. „Unser einziges Problem war, dass wir nicht wussten, wo wir die Haare spenden konnten“, erzählt Marion Wieczoreck. Im Internet fand sie nur die Adresse eines Friseurs aus Münster – dann eben ab nach Münster. Aber so weit musste die Familie dann doch nicht fahren: Bei einem Termin bei ihrer Frisörin erzählte sie von Teresas Wunsch und der Zufall wollte es so, dass genau bei diesem Friseur ein Plakat der Initiative Haarespenden im Fenster hing. „Dafür braucht ihr nicht nach Münster zu fahren“, sagt Lina Heppner und lacht.

Regelmäßig spenden Kunden

Mindestens 25 Zentimeter muss ein Zopf für eine Haarspende sein. Bei Teresa sind es sogar 35 Zentimeter. Foto: Michael Gründel

Seit zwei Jahren ist sie Inhaberin von „Green Hair & Beauty“ in der Martinistraße und ungefähr genauso lang kann man bei ihr schon Haare spenden. „Eine Kundin hat uns auf die Idee gebracht“, sagt Lina Heppner. Seither komme mindestens einmal pro Woche jemand zum Haare spenden, eine ganze Reihe von Zöpfen liegt bereits für die nächste Sendung bereit. Meistens sind es Frauen, die ihre Haare abschneiden, manchmal auch Männer und in wenigen Fällen sogar Kinder wie Teresa. Für die wird es jetzt ernst: Es geht auf den Friseurstuhl, Mitarbeiterin Sarah Krämer bindet ihr noch einen Umhang um. Ob sie denn nicht traurig sei wegen ihrer langen Haare? Teresa zuckt mit den Schultern. „Nö.“ Die Schere schnappt zu, die Haare fallen, die Friseurinnen applaudieren. Für Teresa ist es im ersten Moment dann doch ein kleiner Schock. Im Nacken ist es plötzlich so luftig. Ihre Augen füllen sich mit Tränen. Doch schnell hat sie sich wieder beruhigt. Wächst ja auch alles wieder nach. „Die werden jetzt erst einmal wieder nachgezüchtet – und bei der nächsten Runde mache ich dann auch mit“, sagt ihre Mutter Marion und lacht.


Haare spenden

Wer seine Haare für Echthaarperücken spenden möchte, kann sich auf der Seite haare-spenden.de darüber informieren. Die Haare sollten gewaschen sein und als Zopf fixiert werden. Mindestens 25 Zentimeter lang sollte dieser sein. Formulare für die Spenden gibt es direkt auf der Seite oder beim Friseur, der die Haare einschickt. Die Initiative spendet nicht nur die Perücke, sondern zahlt zudem nach Erhalt des Zopfes einen Geldbetrag an eine Hilfsorganisation. Auf der Facebookseite der Initiative sind viele Fotos von Spendern zu finden – mit Vorher/Nachherfotos und ganz ohne Tränen.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN