Osnabrücker Friedenssaal renoviert Die Gesandten hängen wieder an der Wand

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Osnabrück. Der Fotograf der Frühen Neuzeit war der Porträtist. In Osnabrück hatte diese Berufsgruppe zwischen 1643 und 1648 ein ergötzliches Auskommen, denn es galt Porträts der 42 Delegierten, die den Westfälischen Frieden ausgehandelt haben, auf der Leinwand zu bannen.

Mit der Renovierung des Friedenssaals, die nun abgeschlossen ist, erlebten auch die Gesandtengemälde eine Auffrischung. Der Laie sieht den Gemälden ihr Alter kaum an. Fachleuten wie Johannes Holtmann, Restaurator aus Münster, und Dorothea Gathmann, Ausstellungstechnikerin im Kulturgeschichtlichen Museum, fallen die Schwachstellen jedoch sofort ins Auge. Die beiden haben sich in den sieben Wochen, in denen die Handwerker Friedenssaal und Kleine Ratskammer renovierten, um die Porträts gekümmert.

Seit 370 Jahren an der Wand

Die Bilder hängen nunmehr seit nahezu 370 Jahren in zwei Reihen übereinander an den Wänden ebenjenes Raumes im Osnabrücker Rathaus, in dem 1648 nach langen Verhandlungen ein Frieden geschlossen wurde, der auch heute noch aufgrund seiner Komplexität, bedingt vor allem durch die Vielzahl der an den Verhandlungen Beteiligten, Vorbildcharakter genießt. Vorbildcharakter hat auch der Umgang der Stadt mit diesem kulturhistorisch wichtigen und wertvollen Ort der Stadtgeschichte. Denn anders als in anderen Städten ist der Friedenssaal nicht nur tagtäglich für Besucher geöffnet, sondern wird auch für Veranstaltungen wie Empfänge und Vorträge genutzt. Es ist eine bewusste Entscheidung der Stadt, dass keine Absperrung den Kontakt der Gäste mit der Geschichte behindern soll. Dementsprechend sind allerdings Räume, Mobiliar und eben auch die Gemälde den durch Besucher und Nutzung bedingten Einflüssen ausgesetzt.

Trockenen Oberflächenreinigung

Und so haben auch die Gemälde seit der letzten Überprüfung, die Holtmann und Gathmann auf 1997 datieren, gelitten. Staub, Mörtel und Ruß haben sich abgesetzt und müssen entfernt werden. „Es ist viel Mörtel aus der Decke auf die Bilder gefallen“, sagt Holtmann, der bei seiner Arbeit jedem der Gesandten sozusagen tief in die Augen blickt, um den Gesundheitszustand einschätzen zu können. Dabei ist ihm auch die Rußschicht aufgefallen, die sich auf den Bildern abgesetzt hat. Sie stammt von den Kerzen, die bei Veranstaltungen im Friedenssaal häufig entzündet werden. Bei den jetzt durchgeführten Arbeiten handelt es sich nicht um eine Gemälderestauration im klassischen Sinne, sondern vielmehr um eine Pflegemaßnahme. Jeder Gesandtenkopf muss dafür einmal seinen Rahmen verlassen. Einer trockenen Oberflächenreinigung schließen sich technische Maßnahmen an, die die Gemälde in Zukunft besser vor mechanischen und klimatischen Einflüssen schützen sollen. Eingeklebte Filzpolster sollen zum Beispiel die Reibung innerhalb der Rahmen vermindern. Schutz vor dem kalten Mauerwerk bietet den Gesandten in Zukunft ein Rückseitenschutz mit Klimasperre. Den Schlusspunkt der Pflegemaßnahme setzt eine neue Aufhängung für jedes einzelne Bild.

Arbeiten werden dokumentiert

Nicht so ganz einfach nachzuvollziehen ist für Holtmann und Gathmann, was in der Vergangenheit an den Bildern wie gemacht wurde. „Ob zum Beispiel 1997 alle Bilder von der Wand genommen wurden, wissen wir nicht. Da können wir nur Rückschlüsse ziehen“, sagt Holtmann. Holtmann und Gathmann haben die jetzt durchgeführten Arbeiten dokumentiert und mit Fotos belegt. Vor allem die Materialien, die sie verwendet haben, werden schriftlich festgehalten, denn schließlich sollen es nachfolgende Generationen leichter haben.

Kunst muss man sehen können

„Die Gemälde haben hier im Friedenssaal keine Museumsbedingungen“, sagt Gathmann. Das aber hätten die Gemälde bislang „gut ausgehalten“. Für sie ist wichtig, dass die Gemälde an dem Ort sind, zu dem sie gehören. „Kunst ist auch dafür da, dass man sie sieht.“

Handwerklich solide gearbeitet

Die Porträtisten in der Mitte des 17. Jahrhunderts hätte sich als Handwerker verstanden, sagt Holtmann. Ihre Arbeitsweise habe sich an den damaligen Bedingungen ausrichten müssen. Es sei davon auszugehen, dass die Maler zunächst Skizzen und danach Kupferstiche gefertigt hätten. Die Ölgemälde seien der letzte Schritt gewesen. „Sofort in Öl zu malen hätte zu lange gedauert.“ Die Aufenthaltsdauer der Gesandten in Osnabrück sei dafür wahrscheinlich zu kurz gewesen. Die unterschiedliche Qualität der Gemälde lasse zudem darauf schließen, dass mehrere Porträtisten an der Arbeit gewesen seien. Auf alle Fälle hätten die Maler damals „handwerklich solide gearbeitet“, sagt Holtmann. Muss wohl, wie sonst könnten die Bilder noch heute zum größten Teil im Original an die Friedensunterhändler von 1648 erinnern?


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