Mutmaßlicher Schleuser in Haft Staatsanwaltschaft Osnabrück beantragt Rechtshilfe in Griechenland

Von Jörg Sanders

Der verhaftete Afghane soll für den Tod von sechs Menschen verantwortlich sein. Zwei Frauen und vier Kinder, die er begleitet hatte, ertranken 2016 im Mittelmeer. Das Foto zeigt nicht dieses Unglück. Symbolfoto: dpa/Laurin Schmid/SOS MediterraneeDer verhaftete Afghane soll für den Tod von sechs Menschen verantwortlich sein. Zwei Frauen und vier Kinder, die er begleitet hatte, ertranken 2016 im Mittelmeer. Das Foto zeigt nicht dieses Unglück. Symbolfoto: dpa/Laurin Schmid/SOS Mediterranee

Osnabrück. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat noch keine Anklage gegen den mutmaßlichen Schleuser erhoben, der für den Tod von sechs Menschen verantwortlich sein soll und in Osnabrück verhaftet worden war. Die Staatsanwaltschaft wartet noch auf "bestimmte Informationen" von den griechischen Behörden, sagt Staatsanwalt Christian Bagung.

„Derzeit läuft ein Rechtshilfeersuchen an Griechenland“, so Bagung. Das dürfte noch einige Wochen in Anspruch nehmen. In Griechenland war der Afghane nach seiner Rettung angelandet. Die griechischen Behörden hatten mit ihm und anderen Überlebenden Kontakt gehabt, die Staatsanwaltschaft hofft bei ihren Ermittlungen auf nützliche Informationen aus Griechenland.

Bis zu 66 Tote bei Überfahrt

Der Afghane soll Teil einer Schleuserbande gewesen sein. Bei einer Überfahrt von der Türkei nach Griechenland im Januar 2016 sank das mit 90 Personen besetzte Boot. 35 Leichen wurden gefunden, 24 Personen rettete die griechische Küstenwache. Der Afghane soll für die Begleitung von zwei Frauen und vier Kindern 16.200 Euro kassiert haben. Die Frauen und Kinder starben. Insgesamt sind wohl 66 Personen bei der Überfahrt ertrunken.

Als Flüchtling ausgegeben

Überlebende gaben später an: Der Afghane sei kein Flüchtling, sondern Teil der Schleuserbande gewesen – so waren die Ermittler ihm auf die Spur gekommen. In Osnabrück wurde der zu diesem Zeitpunkt 27-Jährige nach den Aussagen der Überlebenden Anfang Dezember verhaftet. Zuvor hatte er in Deutschland Asyl beantragt, Deutsch gelernt und in Osnabrück eine Anstellung gefunden.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Beschuldigten wegen der Einschleusung von Ausländern mit Todesfolge in sechs Fällen. Damit drohen dem Afghanen mindestens drei und bis zu 15 Jahren Haft. Er sitzt weiterhin in Untersuchungshaft. Über sein Asylgesuch sei weiterhin nicht entschieden, so Bagung.

Sechs Monate Zeit

Der Fall hat als Haftsache Priorität. Länger als sechs Monate dürfen Verdächtige vorerst nicht in Untersuchungshaft verbringen. Bis dahin muss die Hauptverhandlung begonnen haben. Ist das nicht möglich, kann das Oberlandesgericht Oldenburg jeweils drei weitere Monate veranlassen.