Kreisbrandmeister Cornelis van de Water „eCall wäre im Kreis Osnabrück schon oft hilfreich gewesen“

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Osnabrück. Cornelis van de Water ist für eine weitere Amtsperiode als Kreisbrandmeister berufen worden. Im Interview mit unserer Redaktion erläutert der Bramscher, warum er sich ehrenamtlich so stark engagiert, was er bis zum Jahr 2024 im Kreis Osnabrück bewegen will und was er vom neuen „emergency Call“ (eCall) hält, der ab dem 1. April verpflichtend in alle Neufahrzeuge eingebaut werden muss.

Durch den sogenannten „emergency Call“ (eCall) erreichen die Leitstelle der Feuerwehr künftig automatisch Daten von Unfällen. Ab dem 1. April soll dieser eCall verpflichtend in alle Neufahrzeuge eingebaut werden. Was erwarten Sie sich von dem System, das automatisch Daten über eine interne Mobilfunkkarte an die Notrufnummer 112 schickt?

Das Positive, was man mitnehmen kann, ist, dass schnell angerufen und Hilfe angefordert wird, wenn etwas passiert. Was wir bei Autos, bei denen eCall bereits eingebaut ist, aber auch schon festgestellt haben, ist, dass wir durchaus schon mal einen Fehlalarm kriegen, weil das System sagt, hier ist irgendwo ein Unfall passiert, aber es ist nichts passiert.

Erwarten Sie signifikante Verbesserungen durch das System?

Es ist eine gute Ergänzung, dass man wirklich weiß, wo genau der Unfall ist. Die Leute stehen unter Schock, wenn sie anrufen und wissen dann gerade auf der Autobahn oft nicht genau, wo sie sich überhaupt befinden. Vor Kurzem gab es einen Geisterfahrer auf der B68. Frontalcrash, Gegenverkehr, da konnten beide nicht mehr telefonieren. Da wäre so ein System sinnvoll gewesen. Gerade in ländlichen Bereichen, wo vielleicht stundenlang keiner kommt. Wenn wir durch eCall eine Verortung haben, schicken wir die Einsatzkräfte raus. Das führt zu mehr Sicherheit, wird mit Sicherheit aber auch dazu führen, dass wir mal rausfahren, obwohl es sich nur um einen Phantomalarm handelt.

Phantomalarme gab es auch durch die Einführung der digitalen Alarmierung. Glauben Sie, dass sich die Probleme nun lösen, weil der Dienstleister Selectric anfängt, die digitalen Meldeempfänger neu zu programmieren?

Ich glaube, dass wir auf dem richtigen Weg sind und dass wir lösungsorientiert versuchen, mit dem Landkreis, der Regionalleitstelle und der Firma Selectric das Alarmierungssystem nach vorne zu bringen. Es gibt Probleme, das wissen wir, aber wir sind dabei, diese mit Hochdruck auszumerzen. Ich bin frohen Mutes, dass wir das auch hinbekommen werden. Es werden jetzt bei 780 Meldern aus sechs Feuerwehren sowie bei den Mitarbeitern der Leitstelle neue Softwareupdates aufgespielt. Bis Anfang April schauen wir, wie das aufgegangen ist. Im Moment haben wir noch keine Rückmeldung. Das ist ein neues System. Das alte analoge Alarmierungssystem ist über 40 Jahre gewachsen und läuft jetzt fehlerfrei. Da muss man einem neuen System auch ein bisschen Zeit geben. Es ist aber Gott sei Dank nicht zu wenig alarmiert worden, sondern eher zu viel. Das müssen wir abstellen.

Wie oft wird die Feuerwehr im Landkreis durchschnittlich alarmiert?

Im Landkreis hatten wir im vergangenen Jahr rund 850 Brandeinsätze und gut 2400 Hilfeleistungen. Hinzu kommen rund 640 blinde und böswillige Alarme.

Der Kreistag hat einstimmig beschlossen, Sie bis zum Jahr 2024 für eine weitere Amtsperiode als Kreisbrandmeister zu berufen. Die Berufung zum Kreisbrandmeister ist ein Ehrenbeamtenverhältnis. Warum engagieren Sie sich in Ihrer Freizeit so stark ehrenamtlich?

Das ist aus der Jugend heraus gewachsen. Als ich elf oder zwölf Jahre alt war, bin ich mit mehreren Schulfreunden zur Feuerwehr gekommen, wo dann diese Leidenschaft geweckt wurde. Ich habe eigentlich nie angestrebt, Kreisbrandmeister zu werden. Wenn man sich engagiert, dann ärgert man sich auch über Sachen und sagt sich: „Wenn man es besser machen will, muss man selber vorangehen“. So ist das Ehrenamt gewachsen und ich wurde erst Orts- und dann Kreisbrandmeister.

Wie vereinbaren Sie ihr zeitaufwendiges Ehrenamt mit Ihrem Hauptberuf bei der Stadt Bramsche?

Ich arbeite bei der Stadt Bramsche im Fachbereich 4 Stadtentwicklung Bauen und Umwelt und bin dort für die Abteilung Straßenbau und Tiefbau zuständig. Es gibt manchmal schon Engpässe, die man mit dem Job vereinbaren muss, aber insgesamt klappt es ganz gut.

Welche zentralen Ziele haben Sie sich für die kommenden sechs Jahre gesetzt?

Das ist die Weiterführung und Verbesserung der Stabsarbeit im Landkreis Osnabrück. Davon hängen wichtige Sachen ab. Falls es zu einer Katastrophe kommt oder wir ein Szenario haben, wo der Stab einberufen werden muss, müssen wir auch handlungsfähig sein.

Können Sie Beispiele nennen?

Wenn der Katastrophenalarm ausgelöst würde, müsste der Landkreis Osnabrück den Verwaltungsstab einberufen und wir von der Feuerwehr würden dann den Stab technische Einsatzleitung einberufen, um zentral die Einsätze zu leiten.

In welcher Hinsicht muss sich die Stabsarbeit gegenüber dem Status quo verbessern?

Die Szenarien der letzten Jahre haben gezeigt, dass zum Beispiel die Jahrhunderthochwasser, die sonst immer nur einmal im Jahrhundert kommen, sich in Deutschland fast jährlich ereignen. Daher sehen wir die Erfordernis, uns für derartige Einsätze besser aufzustellen.

Bei Sturmtief „Friederike“ hatte die Regionalleitstelle im Kreishaus im Januar einen Krisenstab eingerichtet. Wie lief der Einsatz aus Ihrer Sicht?

Da war zwar ein heftiger Sturm und viele Feuerwehren im Landkreis waren im Einsatz, aber es gab noch keinen Katastrophenalarm. Wir hatten um die 3000 Anrufe bei der Leitstelle. Die Einsätze wurden gut koordiniert. Ich war zur Beratung auf der Leitstelle. Vor Ort wurden Abschnittsführungsstellen gebildet, die Stadt- und Gemeindebrandmeister waren die Einsatzleiter in ihrer jeweiligen Gemeinde.

Nach Angaben des Landesbranddirektors sind die Feuerwehren durch den demografischen Wandel bis 2030 gefährdet, weil sich immer weniger Freiwillige für den ehrenamtlichen Dienst finden. Wie gefährlich ist diese Entwicklung für die Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis?

Es gibt ein entsprechendes Schreiben des Landesbranddirektors, aber der Landkreis Osnabrück steht im landesweiten Vergleich gut da. Wir verfügen noch über stabile Mitgliederzahlen, bauen die Jugendfeuerwehren sogar noch aus und konnten im vergangenen Jahr zwei Jugendfeuerwehren dazu gewinnen. Wir haben derzeit noch genug Mitglieder für die Zukunft. In anderen Bereichen — gerade im Osten des Landes — sind einige Feuerwehren hingegen massiv gefährdet.

Wie hat sich die Zahl der Ehrenamtlichen, die sich aktiv bei einer der 91 Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis engagieren, entwickelt?

Wir haben einen guten Mitgliederstand von rund 3700 Feuerwehrkameradinnen und -kameraden im Landkreis. Die Zahl ist in den vergangenen Jahren auf einem konstant hohen Niveau geblieben.

Wächst der Migrantenanteil in der Feuerwehr?

Der Frauen- und Migrantenanteil wächst, und das ist auch gut so. Ich kenne etwa einen Kameraden, der von der Landesaufnahmebehörde in Hesepe gekommen ist. Der hat bei uns in Bramsche bei der Feuerwehr mitgemacht, weil er gesehen hat, was wir in der Landesaufnahmebehörde gemacht haben. Jetzt ist er ein top Feuerwehrmann, der ganz unkompliziert mitläuft. Der hat zum Beispiel den letzten Lehrgang als Bester abgeschlossen. Von daher sind das auch sehr interessierte Menschen, die sich integrieren wollen.

Der Feuerwehrberuf gilt als Männerdomäne. Warum wächst der Frauenanteil?

Es ist schon so, dass man den Fokus auch auf Frauen legt, denn Frauen gehören an den Herd, und zwar an den Brandherd. Das ist übrigens ein Motto des Landesfeuerwehrverbandes und des Landes Niedersachsen. Wir haben einen stetig steigenden Frauenteil. Allerdings liegt er aktuell erst bei rund drei bis fünf Prozent.

Es gibt dadurch aber auch das Problem, dass zu wenige Räume in den Feuerwehrhäusern vorhanden sind. Es gibt Feuerwehren im Landkreis, wo Frauen sich bislang noch in der Toilette oder im Fahrzeugraum hinter den Feuerwehrfahrzeugen umziehen müssen.

Die Sanitärräume sind vorhanden. In vielen älteren Feuerwehrhäusern gibt es aber keine Umkleideräume. Da hängt die Einsatzkleidung neben den Autos in der Fahrzeughalle. Neben mir sitzt im Feuerwehrhaus Bramsche auch eine Feuerwehrkameradin beim Umziehen. Das ist auch gar kein Problem.

Gemeinsames Umziehen ist kein Problem?

Im Einsatzfall steht man unter Strom und dann geht’s. Wir bauen in Bramsche-Engter gerade ein neues Feuerwehrhaus. Da werden natürlich getrennte Umkleideräume geschaffen.


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