Syrisch-armenisches Ensemble bereitet Konzert vor Osnabrück ist Probenort für die Elbphilharmonie

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Internationale Kooperation: Musiker des Trio Hewar aus Syrien und des Gurdjieff-Ensembles aus Armenien proben in der Musik- und Kunstschule Osnabrück für ein Konzert in der Elbphilharmonie. Foto: Hermann PentermannInternationale Kooperation: Musiker des Trio Hewar aus Syrien und des Gurdjieff-Ensembles aus Armenien proben in der Musik- und Kunstschule Osnabrück für ein Konzert in der Elbphilharmonie. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Das Morgenland Festival und die Elbphilharmonie kooperieren wieder einmal: Nach dem Festival „Salam Syria“ im letzten Jahr spielt nun beim Festival „Kaukasus“ ein Ensemble in der Elbphilharmonie, das Morgenland-Chef Michael Dreyer zusammengebracht hat. Geprobt wurde in Osnabrück.

Manchmal sehen die Musiker des Gurdjieff-Ensembles ein bisschen müde aus, können das Gähnen nicht mehr unterdrücken. Das ist verständlich, wenn man weiß, dass sie an diesem späten Freitagnachmittag bereits fünf Stunden im Raum 224 der Musik- und Kunstschule geprobt haben und noch vier weitere vor sich haben. Und es wird noch verständlicher, wenn man weiß, dass sie dieses Neun-Stunden-Arbeitsprogramm seit Mittwoch durchziehen. Zwei gute Gründe haben sie dafür: Die zehn Musiker aus Armenien müssen, nein, wollen musikalisch mit dem Ensemble Hewar aus Syrien zusammenwachsen. Und die Premiere dieser bikulturellen Kooperation geht im Großen Saal der Elbphilharmonie über die Bühne. Weiterlesen: Das Festival „Salam Syria“ in der Elbphilharmonie

Leitung dank Charisma und Kompetenz

„Lasst uns bitte noch einmal ab Takt 116 spielen“, sagt Kinan Azmeh, der syrische Klarinettist und Komponist. Er ist der musikalische Kopf des Ensembles Hewar, und er übernimmt auch in dieser Kooperation eine Führungsrolle –nicht, weil ihn ein Dominanz-Gen an die Spitze treiben würde. Sondern, weil bei ihm Charisma und Kompetenz eine bezwingende Mischung eingehen, die ihm die Leitung beinahe automatisch zuwachsen lässt. Er zählt ein, Kanon – eine Art Zither –, Kamancha, die orientalische Stehgeige, und Oud spielen harte Akkorde und im Kontrast dazu entfalten Klarinette, Cello und die barocke Viola d‘Amore eine gesangliche Melodie. Oder Viola d‘Amore und Kamanche spielen eine zweistimmige Melodie; das Gurdjieff-Ensemble und Hewar wiederholen die Passage ein paar Mal, bis sie wirklich sicher sitzt. „Lasst uns durch alle Stücke gehen, um die problematischen Stellen in den Griff zu kriegen“, sagt Kinan Azmeh. Es gibt noch einiges zu tun. Weiterlesen: Die Jugendredaktion des „Klasse!“-Projekts interviewt Kinan Azmeh

Die Idee zu diesem syrisch-armenischen Projekt hatte der Leiter des Gurdjieff-Ensembles, Levon Eskenian, und sie hat mit der Geschichte seines Volkes zu tun: 1915 flohen viele Armenier vor dem Genozid durch die Türken und fanden im syrischen Aleppo eine neue Heimat. „Heute sind die Syrer ein Volk auf der Flucht, wie meine Vorfahren damals“, sagt Eskenian. „Das brachte mich auf die Idee, armenische und syrische Musik so zusammenbringen, dass beide Kulturen ihre Identität wahren und trotzdem etwas Gemeinsames entsteht.“ Mit dieser Idee trat er nach dem Eröffnungskonzert des Morgenland Festivals 2015 an den Leiter Michael Dreyer heran. Ob er nicht syrische Musiker kennen würde. Kannte er: Azmeh, die Sängerin Dima Orsho und deren Ensemble Hewar sind seit Jahren feste Größen beim Morgenland Festival Osnabrück. Weiterlesen: Das Gurdjieff-Ensemble beim Morgenland Festival

Elbphilharmonie - Morgenland Festival - Boulezsaal

Natürlich wird das Ergebnis der Kooperation in diesem Jahr beim Morgenland Festival dabei sein. Aber zunächst geht die Produktion nach Hamburg: Am verlängerten Osterwochenende widmet sich die Elbphilharmonie mit einem kleinen Festival der Region Kaukasus. Dabei greift das Team des Konzerthauses einmal mehr auf die Kompetenz des Morgenland Festivals zurück: Das armenisch-syrische Ensemble probt in Osnabrück, weil für dieses Konzert Elbphilharmonie und Morgenland Festival kooperieren. Und auch die neue Barenboim-Said-Akademie nutzt Dreyers Wissen und seine Kontakte: Im Juni gastieren Gurdjieff- und Hewar-Ensemble im Boulez-Saal. Aber erst nach dem Konzert beim Morgenland Festival.


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