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27.03.2018, 13:30 Uhr AUS FÜR DAS MAIDORF

Keine Verantwortung beim Maidorf übernehmen: Ist das jetzt auch typisch deutsch?

Kommentar von Wilfried Hinrichs

Foto: Moritz FrankenbergFoto: Moritz Frankenberg

Osnabrück. Die Osnabrücker Maiwoche ohne Maidorf. Das ist jetzt Realität, weil keiner angesichts der um sich greifenden Sicherheitshysterie bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Das scheint inzwischen eine typisch deutsche Eigenschaft zu sein.

Der Stadtbaurat will nicht unterschreiben, der Oberbürgermeister auch nicht. Der TÜV Nord will sich beim Umweltministerium absichern, Staatssekretär Doods windet sich mit konstruierten Erklärungen aus der Verantwortung und schiebt sie wieder der Stadt zu. Ein Trauerspiel. Es geht ja nur um ein Stadtfest, und dabei auch nur um einen Teil des Ganzen. Trotzdem fällt einem das große Wort des Bundespräsidenten ein, wonach jemand, der sich um politische Verantwortung beworben habe, sich dieser nicht entziehen dürfe, wenn er sie in Händen halte. Es scheint, als greife im öffentlichen Sektor eine Angst vor der Verantwortung um sich. Eine Verantwortung, die der Unternehmer Frederik Heede zu tragen bereit ist.

Die eigentliche Frage, ob das Maidorf sicher ist, ist längst in den Hintergrund gerückt. Denn alle Fachleute sagen: Ja, es ist sicher. Die Menschen können dort entspannt feiern. Woran es mangelt, ist das rechtliche Fundament. Das Maidorf ist ein Unikat. So eine Konstruktion gibt es nirgendwo sonst. Deshalb fällt es auch durch alle rechtlichen Raster. Weder passt die Versammlungsstättenverordnung noch das Gaststättengesetz. Die Einstufung als „Fliegender Bau“ lehnt das Umweltministerium mit ziemlich durchsichtigen Argumenten ab. Niemand ist bereit, mit seiner Unterschrift eine rechtliche Grundlage zu schaffen, weil er befürchtet, im Falle eines Unglücks vor Gericht gestellt zu werden.

Diese Besorgnis ist durchaus berechtigt, da die Neigung, andere für eigenes Unglück zur Rechenschaft zu ziehen, in unserer Gesellschaft immer mehr zunimmt. In diesem Klima lernen Führungskräfte eher, wie sie sich nach allen Seiten absichern. Sie lernen nicht, mutig Entscheidungen zu treffen.


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