Anlehnung an berühmte Köpenickiade Geflüchtete spielen „Der Hauptmann von O.“ am Theater Osnabrück

Von Anne Reinert


Osnabrück. Was haben der „Hauptmann von Köpenick“ und Geflüchtete von heute miteinander gemeinsam? Eine Menge, wie ein Probenbesuch im Theater Osnabrück zeigt. Ende April feiert „Der Hauptmann von O.“ Premiere.

Ganzer Fuß, Verse, ganzer Fuß, Verse. Tänzerin Cristina Commisso führt die Tanzschritte vor. Die neun Männer hinter ihr tun es ihr nach. Es ist das erste Mal in ihrem Leben, dass die Syrer, Kurden und Afghanen den Schuhplattler tanzen.

Sie sind die Darsteller in  „Der Hauptmann von O. - Eine Köpenickiade“. Inspiration gibt die wahre Geschichte des Schuhmachers Friedrich Wilhelm Voigt, die Carl Zuckmayer 1931 zu seinem berühmten Stück verarbeitete. Die Tanzszene ist nur vielleicht in der Inszenierung zu sehen. Sicher ist das an diesem Probennachmittag noch nicht.

Die Darsteller waren allesamt schon auf der Bühne im Theater Osnabrück zu sehen, im Schauspiel „Nathan der Weise“ und in der zweiteiligen Tanzproduktion „Biografia del Corpo“. „Danach stellte sich die Frage, wie es weitergehen soll“, erläutert Dramaturg Sven Kleine. Schließlich seien Theatermitarbeiter und Darsteller sich nahe gekommen. Also entstand die Idee zu dem Projekt, das Ende April Premiere im Limberg-Theater feiert. 

Schnittpunkte von Köpenickiade und Flucht

Die Darsteller hätte sich gewünscht, „etwas Heiteres und Leichtes“ zu spielen, so Kleine. Doch was haben Geflüchtete und der Hauptmann gemeinsam? Es gebe eine Menge Schnittpunkte, erklärt Kleine. So befand sich Wilhelm Voigt in einem Teufelskreis der Bürokratie. Ohne Arbeit bekam er keine Aufenthaltsgenehmigung, ohne Aufenthaltsgenehmigung keine Arbeit. 1906 besetzte er schließlich in einer gekauften Uniform das Köpenicker Rathaus, verhaftete den Bürgermeister und eignete sich die Stadtkasse an. Und auch die Geflüchteten haben ihre Erfahrungen mit Behörden, Obrigkeiten und fehlenden Zukunftsaussicheten. 

Die Szenen sind auf der Grundlage von Improvisationen entstanden, die die Dramaturgen zu Texten verarbeitet haben. Szenisch geprobt wird an diesem Nachmittag allerdings nicht. Denn Regisseur Jakob Fedler ist in einer Babypause. Die Dramaturgen nutzen die Zeit zu einer Textprobe. Außerdem studiert Pianist Wladimir Krasmann mit den Darstellern Zarah Leanders „Nur nicht aus Liebe weinen“ ein.

„Ich liebe es, Theater zu spielen“

Alle Darsteller haben in ihrem Heimatländern Bühnenerfahrung gemacht. Ahmad Kiki ist sogar Profischauspieler und derzeit „Artist in Residence“ am Theater Osnabrück. Mouin Youssef hat in Syrien regelmäßig Theater gespielt und ist laut Dramaturgin Senf ein „High-Class-Amateur“. „Ich liebe es, Theater zu spielen“, sagt er. Dabei zeigt er mit seiner Hand auf sein Herz, um seine Wort zu unterstreichen.

Kurz darauf tanzen er und seine Mitstreiter den Dabke. Die Idee, die den orientalischen Reihentanz in den Schuhplattler übergehen zu lassen, entstand in einer Improvisation. Unter Anleitung von Cristina Commisso gelingt die Choreografie. Ob sie tatsächlich im Stück zu sehen ist, zeigt sich Ende April bei der Premiere.

„Der Hauptmann von O.“: Premiere am Freitag, 27. April, 19.30 Uhr, Limberg-Theater. Kartentel.: 0541/7600076.