Ab 20. April im Handel Würmer statt Fleisch: Osnabrücker Insektenburger jetzt in Deutschland zu kaufen

Von Nadine Grunewald

Guten Appetit: Baris Özel schmeckt der Bratling aus Buffalo-Würmern auf seinem Burger. Zusammen mit seinem Freund Max Krämer gründete er das junge Unternehmen aus Osnabrück. Foto: David EbenerGuten Appetit: Baris Özel schmeckt der Bratling aus Buffalo-Würmern auf seinem Burger. Zusammen mit seinem Freund Max Krämer gründete er das junge Unternehmen aus Osnabrück. Foto: David Ebener

Osnabrück. Das Osnabrücker Unternehmen Bugfoundation hat vor einiger Zeit den ersten Insektenburger Deutschlands auf den Markt gebracht. Bislang gab es den Burgerbratling aus Buffalo-Würmern allerdings nur in Belgien und den Niederlanden zu kaufen. Jetzt wollen die Osnabrücker auch den Markt in ihrem Heimatland erobern.

Lange haben Baris Özel und Max Krämer auf diesen Tag gewartet. Jetzt ist es so weit: Deutsche Supermärkte verkaufen ihren Burgerbratling aus Buffalo-Würmern. „Es ist der Tag, auf den wir uns seit Jahren freuen. Wir sind gerade wie kleine Kinder, die sich auf Weihnachten freuen“, sagt Özel, der vor vier Jahren das Start-up zusammen mit seinem Freund Krämer gründete. Aus dem Start-up ist ein kleines Unternehmen geworden, aus den ersten Versuchsbratlingen ein ausgereiftes Produkt.

Gesetzesänderung macht Markteintritt möglich

Auf dem Markt ist das schon länger – seit Herbst 2015 in Belgien, seit Sommer 2017 in den Niederlanden. In Geschäften in zehn Städten und zwölf Gastronomiebetrieben wird der Burger angeboten. Für den Markteintritt in Deutschland stand den Jungunternehmern bislang ein Gesetz im Weg, das Lebensmittel aus verarbeiteten Insekten hierzulande verbot. Seit dem 1. Januar dieses Jahres gilt nun die neue Novel-Food-Verordnung. Seitdem können Hersteller eine Zulassung für insektenhaltige Produkte beantragen.

Gesunde Expansion geplant

Trotz zahlreicher Anfragen entschieden sich die Osnabrücker dafür, ihr Produkt zunächst ausschließlich bei Rewe anzubieten. Ab dem 20. April gibt es den „Deutschlands ersten Insektenburger“ für ein paar Tage nur in einer Filiale in Aachen zu kaufen, danach in sämtlichen Rewe-Süd-Filialen. Die Zulassung für den Verkauf in Niedersachsen zu bekommen, habe etwas länger gedauert. Aber: „Es soll den Burger auch so schnell wie möglich hier geben“, sagt Özel. Der genaue Zeitpunkt stehe jedoch noch nicht fest. „Unser Ziel ist es, in Deutschland flächendeckend unterwegs zu sein und danach gesund in Europa zu expandieren.“ Auch in der Premiumgastronomie sowie bei Caterern wollen sie ihr Produkt verankern. Etwa sechs Euro soll eine Packung mit zwei Bratlingen im Handel kosten. (Weiterlesen: Selbsttest: Wie schmecken Burgerbratlinge aus Insekten?)

Erfahrung im Ausland gesammelt

Für den Bratling werden die Speiseinsekten zermahlen und mit einer vegetarischen Masse vermischt. Gezüchtet werden die Buffalo-Würmer auf einer Farm in den Niederlanden. Dort werden sie auch produziert. Auf lange Sicht möchte das Unternehmen in Deutschland ebenfalls eine Wertschöpfungskette aufbauen. Während sich die Jungunternehmer anfangs noch darüber geärgert hätten, dass sie mit ihrem Produkt ins Ausland ausweichen mussten, seien sie heute froh darüber. „Wir konnten viel Erfahrung sammeln. Das hat uns stärker gemacht“, sagt der 31-jährige Özel. Fehler, die sie damals gemacht hätten, würden sie nicht noch mal machen. Jetzt seien sie gut vorbereitet – „und in einer Traumsituation: Wir bekommen zurzeit viel mehr Anfragen, als wir bedienen können“, sagt der 31-Jährige, den es überrascht, dass die Deutschen so offen für einen Bratling aus Buffalo-Würmern sind. Konkurrenz hätten sie in Deutschland übrigens nicht. Laut Özel gibt es lediglich in der Schweiz ein Unternehmen mit einem ähnlichen Geschäftsmodell, das seine Produkte jedoch nur national vertreibt. (Weiterlesen: Münsteraner Professor: „Insektenburger sind bald ganz normal“)

Alternative zu Fleisch

Auf der Grünen Woche in Berlin, der international wichtigsten Messe für Ernährungswirtschaft, Landwirtschaft und Gartenbau, seien die Osnabrücker Anfang des Jahres laut Özel das Highlight gewesen – vielleicht auch, weil sie nicht mit dem Ekelfaktor werben. Ihnen gehe es um Nachhaltigkeit. Die Ökobilanz für Aufzucht und Verarbeitung der Insekten ist besser als bei Fleisch, sie benötigen weniger Platz bei der Aufzucht und erzeugen weniger Umweltverschmutzung. Weil die Buffalo-Würmer nur vier bis sechs Wochen brauchen, bis sie durch Temperaturabsenkung getötet werden, könne man sich schneller dem Bedarf anpassen. „Wir wollen nicht, dass niemand mehr Fleisch isst. Wir wollen eine weitere Alternative zu Fleisch bieten. Insekten sind eine sehr nachhaltige Proteinquelle, die lecker schmeckt“, sagt Özel.

Weitere Produkte

„Unser Ziel ist es, in Deutschland flächendeckend unterwegs zu sein und danach gesund in Europa zu expandieren.“

Optisch unterscheidet sich der Bratling aus Buffalo-Würmern kaum von anderen. Foto: David Ebener

Und die soll der Verbraucher nicht nur in Form des Burgerbratlings zu sich nehmen können. Im Laufe des Jahres will die Bugfoundation noch weitere Produkte auf den Markt bringen. Worum es sich dabei handelt, will Özel noch nicht verraten. Nur so viel: Sie gehen in die Richtung Fleischersatz, und es werden keine Riegel sein. „Es ist etwas Neues.“ (Weiterlesen: „Milliarden Menschen essen Insekten“ – Interview mit Christian Kircher vom DIL Quakenbrück)


Die Bugfoundation

Baris Özel (31) und Max Krämer (32) haben die Bugfoundation vor einigen Jahren gegründet. Mittlerweile sind sie zu fünft, dazu kommen seit Kurzem noch drei Vertriebler in den Niederlanden. Die Idee, einen Burgerbratling aus Insekten zu entwickeln, kam den beiden Freunden während einer Reise nach Ostasien. Zusammen mit dem Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik (DIL) in Quakenbrück haben sie ihr Produkt finalisiert. Nachdem sie es bereits in Belgien und den Niederlanden verkauft haben, bringen sie es jetzt auch in Deutschland auf den Markt.

In dem EU-Projekt Food2020, mit dem die Ernährungswirtschaft in der deutsch-niederländischen Grenzregion fit für die Zukunft gemacht werden soll, haben die Gründer Grundlagenforschung betrieben.