Exkursion der Uni Osnabrück Voneinander weben lernen: Studentinnen erkunden Sri Lanka

Von Steffen Siekmeier


Osnabrück . Weben verbindet, auch bei 8000 Kilometer Entfernung. Das haben Studentinnen des Fachgebiets textiles Gestalten der Universität Osnabrück jetzt bewiesen. Drei Wochen waren sie in Sri Lanka auf Exkursion – und wollten am Ende gar nicht mehr zurück.

Sri Lanka hat in der Textilwirtschaft, insbesondere in der Weberei, eine reiche Tradition. Das Land befindet sich nach fast 30 Jahren Bürgerkrieg wieder im Aufbau. Zehn Studentinnen haben in Begleitung der Lehrbeauftragten Bärbel Schmidt und Lucia Schwalenberg Ende Februar die Universität in Moratuwa, südlich der Hauptstadt Colombo, besucht, um sich mit den fachverwandten Studenten vor Ort auszutauschen.

Erste Kontaktaufnahme

„Anfangs waren beide Seiten ziemlich schüchtern“, erzählt Exkursionsteilnehmerin Anna Klinar über die erste Kontaktaufnahme. Auch das Englischsprechen habe Überwindung gekostet, ergänzt Kommilitonin Catrin Adam. Gesprächsstoff bot dann vor allem die fachliche Ebene. Fragen und Diskussionen zu Design, Herstellung und Techniken bei textilen Produkten habe jede Zurückhaltung vergessen lassen, sagt Lucia Schwalenberg. Fachlich sei man sich in vielen Belangen einig gewesen, die Studenten in Moratuwa hätten zudem ähnliche Projekte. Die Teilnehmerinnen der Exkursion hatten vorbereitend Mappen für ihre Design-Ideen erstellt, die sie während der gemeinsamen Workshops in Moratuwa präsentierten.

Besuch des ärmlichen Nordens

Der Besuch der Universität nahe Colombo war aber nicht das einzige Reiseziel der Exkursion. Im vom Krieg gebeutelten Norden der Insel trafen die Studentinnen auf das Hilfsprojekt „Weave“: Die Initiative ermöglicht alleinerziehenden Frauen, häufig Kriegswitwen, ein eigenes Einkommen, indem die am heimischen Webstuhl produzierten Waren landesweit vermarktet werden. Zielgruppe seien vor allem Touristen, deren Vorstellungen von Design und Farbe aber nicht immer zu den Ideen der Weberinnen passten, erklärt Schwalenberg. Das Interesse an den Entwicklungen der Osnabrücker Delegation sei dementsprechend groß gewesen.

Intensive Vorbereitungen

Die Frauen hätten ihnen die Entwürfe „ fast aus den Händen gerissen“, erzählt Schwalenberg weiter. Zudem „waren sie erstaunt, dass wir überhaupt noch weben können und nicht nur noch Industriewebstühle benutzen“. Die Teilnehmerinnen der Exkursion mussten das Handwerk erst einmal erlernen, um ihre Design-Ideen umzusetzen. „Alle haben bei null angefangen“, betont Bärbel Schmidt, Professorin für textiles Gestalten an der Universität Osnabrück. Jeder ab dem dritten Semester hatte die Möglichkeit mitzumachen, zur Vorbereitung war die Teilnahme an zwei Seminaren verpflichtend.

Langfristige Partnerschaft

Ergänzende Bestandteile der Exkursion waren Besuche in einem traditionellen Webdorf im nördlichen Tamilengebiet, bei Textilmanufakturen oder Textilkünstlern. Der Kontakt nach Sri Lanka ist durch eine ehemalige Osnabrücker Universitätsabsolventin entstanden. Einige Studentinnen sind sogar über den Exkursionszeitraum hinaus auf der Insel geblieben, so auch Pauline Becking: „Am liebsten würde ich sofort wieder zurück“, sagt sie begeistert.

Die Uni Osnabrück strebt einen Kooperationsvertrag mit der Universität in Moratuwa an. Geplant sei ein regelmäßiger Austausch, im nächsten Jahr solle eine Gruppe aus Sri Lanka nach Osnabrück kommen, erläutert Bärbel Schmidt. Neben der gemeinsamen Arbeit stünden dann auch Exkursionen in der Region auf dem Plan, beispielsweise in das Tuchmachermuseum Bramsche.