Jahresversammlung in Bad Essen Wiehengebirgsverband plagen Personalsorgen und Einnahmeausfälle

Von Stefan Buchholz


Bad Essen. Zum 110. Geburtstag ging es zurück zur Wiege: Der Wiehengebirgsverband Weser-Ems (WGV) hielt seine Jahresversammlung in Bad Essen ab, dem Ort, wo er sich 1908 gründete. Wie weit es allerdings auf den traditionellen Pfaden für die Wanderfreunde weitergeht, beurteilen sie selbst ziemlich skeptisch.

Um die selbst gesteckten Aufgaben Wandern, Natur- und Umweltschutz sowie Heimatpflege auch in Zukunft zu stemmen, braucht es beispielsweise neue Vorstandsmitglieder. Momentan sind nicht alle Ämter besetzt, teilte WGV-Präsident Ulrich Gövert am Rande der Sitzung mit. Lediglich projektbezogene Mitarbeit für einige Monate werde – immerhin – häufig angeboten.

Arbeit des Naturschutzwartes liegt brach

Ein Beispiel, wo es auch hakt: Derzeit liegt etwa die Arbeit des Naturschutzwartes brach. Das bedeutet, dass dem WGV eigene Stellungnahmen nach dem Naturschutzgesetz bei Eingriffen in Natur und Landschaft auf Landesebene nicht möglich sind. „Um dieses Recht auf Verbandsbeteiligung haben wir vor mehr als 20 Jahren gerungen“, erinnerte Gövert die Versammlungsteilnehmer.

Kennzeichnung im Emsland eingestellt

Mit rund 1700 Euro in den Miesen schließt der WGV seine Jahresrechnung 2017 ab. Bedingt sei das durch Einnahmeausfälle infolge von Mitgliederrückgang und dem Wegfall von Zuschüssen, erläuterte Schatzmeister Hubert Meyer. Demnach zahlt etwa der Landkreis Emsland nicht mehr für die Markierung von Wanderwegen, weshalb der WGV die Kennzeichnung einstelle. 2500 Euro fehlen den nordwestdeutschen Wanderaktivisten mit Sitz in Osnabrück jetzt auch von der dortigen Friedensstadt. Die Folgen: Selbst über die künftige Anschaffung von Anstecknadeln im niedrigen vierstelligen Bereich musste diskutiert werden. Präsident Gövert schlug den 130 Delegierten vor, eine Struktur- und Beitragskommission einzuberufen, um den Verband zukunftsfähig zu halten.

Ortsverbundenheit mit dem Begriff Heimat verknüpfen

Eine Perspektive deutete der Bundestagsabgeordnete André Berghegger in seinem Grußwort an. Der Christdemokrat verwies auf das noch zugründende Heimatministerium der neuen Regierung. „Die Ortsverbundenheit des Wiehengebirgsverbandes lässt sich – nicht altbacken verstanden – mit dem Begriff Heimat verknüpfen, womit sich dann ein Bezugspunkt in einer schneller werden Welt herausstellen ließe.“

Sprachliche Initiative

Eine Renaissance des Heimatbegriffs betonte ähnlich Heinrich Siefer. Der Vorsitzende der Fachgruppe Niederdeutsch und Saterfriesisch im Niedersächsischen Heimatbund berichtete von zahlreichen sprachlichen Initiativen. So bliebe der Anteil der Platt sprechenden Bevölkerung seit zehn Jahren auf stabilem Niveau. Kooperationen versuchten, die Zweisprachigkeit vom Kindergarten bis zur Universität herzustellen. So sei für die Uni Oldenburg Niederdeutsch als Studienfach zur Lehrerausbildung geplant, referierte Siefer. Und: In Wildeshausen lernten Azubis der Pflege Platt, da man beobachtet habe, dass die Muttersprache bei Demenz zuletzt verloren geht.

Traditionelle Tänze mit Holzschuhen

14 Ehrungen sprach der WGV-Vorstand für besondere Verdienste um den Verband aus. Darunter auch Maria und Paul Nieuwendijk, die seit 50 Jahren dem WGV angehören. Die Niederländer aus Deurne sind mit ihrem Wanderverein seit 1968 schon oft den Wittekindsweg gegangen. Den regionalen Wanderfreunden zeigte man mehrfach traditionellen Tänze mit Holzschuhen und man knüpfte Kontakt zwischen der eigenen Kolpingsfamilie und dem Pendant in Melle.

Die nächste Sternwanderung des WGV ist übrigens am 10. Juni. Sie führt auf drei Wanderrouten zum Schlossinnenhof nach Fürstenau.


„Wiehengebirgsverband Weser-Ems“:

Der WGV hat aktuell 99 Mitgliedsvereine mit insgesamt 8417 Mitgliedern, 71 Einzelmitgliedern, und 64 Kommunen sowie sonstige Institutionen. Das Verbandsgebiet reicht von Wilhelmshaven bis Porta-Westfalica und von der holländischen Grenze bis Bremen. Der WGV betreut ein 2000 kilometerlanges Streckennetz an Hauptwanderwegen. Der Bekannteste darunter ist der Wittekindsweg. Den Wanderboom der 1970er Jahre konnte der WGV nutzen und steigerte die Zahl der Vereine auf 149 und über 18000 Mitgliedern. Mehrfach richtete der Verband auch den Deutschen Wandertag aus, zuletzt 2011 in Melle. Neben dem Wandern hat der WGV in den letzten Jahren auch Radwandern, Heimatpflege sowie den Natur- und Umweltschutz in den Fokus genommen.