„Nazis nicht letztes Wort lassen“ Gedenkstein für Elfriede Scholz und Anna Maria Remark

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Sammeln Geld für einen Gedenkstein zu Ehren von Elfriede Scholz: (von links) Rainer Hafke, Heiko Schulze, Jürgen Milchert, Henning Sannemann, Niels Biewer und Bernd Stegemann. Foto: Egmont SeilerSammeln Geld für einen Gedenkstein zu Ehren von Elfriede Scholz: (von links) Rainer Hafke, Heiko Schulze, Jürgen Milchert, Henning Sannemann, Niels Biewer und Bernd Stegemann. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Zum 115. Geburtstag von Elfriede Scholz haben die Erich-Maria-Remarque-Gesellschaft und der Förderkreis Hasefriedhof am Sonntag ihre Planungen für Gedenkstein und Mahnmal für Anna Maria Remark und Elfriede Scholz auf dem Hasefriedhof in Osnabrück vorgestellt.

Vermutlich würde Elfriede Scholz zu den vielen namenlosen und normalen Opfern des Nationalsozialismus gehören, wäre sie nicht die Schwester des bekannten Osnabrücker Romanautors Erich Maria Remarque. Wegen defätistischer Äußerungen und Wehrkraftzersetzung wurde Elfriede Scholz im Namen des Volkes am 29. Oktober 1943 zum Tode verurteilt und am 16. Dezember 1943 in Plötzensee mit dem Fallbeil hingerichtet. Der Verbleib ihres Leichnams ist ungeklärt. Er wurde entweder verbrannt und verstreut oder an nicht näher bekannter Stelle verscharrt.

„Insofern ist dies hier der nächstgelegene Bezugspunkt zu ihrem Leben“, sagt Jürgen Milchert auf einer grünen Wiese des Osnabrücker Hasefriedhofs, „denn hier wurde ihre Mutter Anna Maria Remark beerdigt.“ Der Professor der Hochschule Osnabrück für Freiraumplanung, Gartenkunst, Gartengeschichte und Gartenästhetik steht dabei auf einer Rasenfläche des Gottesackers. Vier grüne Holzpflöcke markieren die ehemalige Grabstelle. Hier waren die Armengräber des Grabfelds. Steine stehen hier schon lange nicht mehr.

Gedenkstein geplant

Nach dem Willen von Remarque-Gesellschaft und Förderkreis Hasefriedhof soll sich das ändern. Sie planen in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Kultur der Stadt und unter Mitwirkung von Jürgen Milchert noch im Laufe dieses Jahres einen Gedenkstein für die Grabstelle. Darauf die Geburts- und Todestage von Mutter und Tochter sowie ein Verweis auf das Schicksal von Elfriede Scholz. Rund 1500 Euro soll der Stein kosten. Dafür sammelt die Remarque-Gesellschaft aktuell Geld.

Auch zu diesem Zweck war der Termin am Geburtstag von Elfriede Scholz gedacht. In der Kapelle des Friedhofs zeigten die Organisatoren zunächst den rund 50 Besuchern die Dokumentation „Zum Tode verurteilt“ von Kurt Rittig, die im Jahr 2005 vom Südwestdeutschen Rundfunk SWR produziert und ausgestrahlt wurde. Sie zeichnet das Bild einer zwar kränkelnden, aber dennoch von unbändiger Lebensfreude durchdrungenen Frau, die es als erfolgreiche Damenschneiderin von Osnabrück aus bis nach Dresden, damals ein Zentrum der Modewelt, geschafft hatte.

Verhängnisvolle Aussage

Zum Verhängnis wurde ihr demnach die Aussage „Der Krieg ist längst verloren, unsere Soldaten sind doch nur noch Schachfiguren, und dafür gehört dem Herrn Hitler eine Kugel durch den Kopf.“, die sie gegenüber einer Kundin im Frühjahr 1943 geäußert haben soll. Möglicherweise spielte bei ihrer Verurteilung durch Volksgerichtspräsident Roland Freisler auch ihr prominenter Bruder eine Rolle. Der Richter soll während des Prozesses geäußert haben: „Ihr Bruder ist uns leider entwischt – aber Sie werden uns nicht entwischen.“ Freisler wollte mit dem Urteil auch jeglichen Beweis der Existenz von Elfriede Scholz auslöschen.

„Aber wir dürfen den Nazis nicht das letzte Wort lassen“, sagt Jürgen Milchert nach dem Film und an der Grabstelle von Anna Maria Remark. Auch darum sollen der Gedenkstein und später eine Tafel mit Verweisen auf das Leben von Elfriede Scholz errichtet werden. Die Sammlung am Sonntag erbrachte 125,50 Euro.


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