Büros an der Hase bezogen Verpackungsregister in Osnabrück: Was ist das denn?

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Osnabrück. In der Osnabrücker Innenstadt hat eine neue Behörde mit bundesweitem Auftrag ihre Büros bezogen: die „Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister“. Was verbirgt sich in dem Gebäude an der Hase?

„Öwer de Hase 18“ lautet die Adresse des Verpackungsregisters. Das ist das frühere Bankgebäude neben Galeria Kaufhof. Ein offizielles Schild gibt es noch nicht, die Klingel funktioniert nicht zuverlässig. Drinnen herrscht Betriebsamkeit wie bei einem Einzug. Kartons stehen im Flur, in den Wänden stecken noch Dübel, die einst die Regale mit Bankakten gehalten haben.

Die Leiterin der Zentralstelle, Gunda Rachut aus Osnabrück, ist dabei, ihr Team zusammenzustellen. Etwa 40 hochqualifizierte Mitarbeiter wird die Behörde am Ende haben – IT-Fachleute, Controller, Techniker, Juristen. Ein Teil der Mannschaft ist schon da, richtet sich in den zweckmäßigen Büros ein und macht sich mit einer Aufgabe vertraut, die es in dieser Form weltweit kein zweites Mal gibt.

Offizieller Startschuss für die „Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister“ ist der 1. Januar 2019. An der Hase mitten in Osnabrück wird künftig gebündelt, was zurzeit noch 16 verschiedene Stellen in den 16 Bundesländern zu leisten versuchen: die Entsorgung von Verpackungen in gelben Tonnen oder Säcken zu kontrollieren. Grundlage ist das neue Verpackungsgesetz, das in diesem Jahr in Kraft getreten ist und die Verpackungsverordnung ersetzt.

Warum eine Zentralstelle?

Das Recycling von Verpackungen funktioniert in Deutschland nicht optimal. Das System bietet t noch zu viele Schlupflöcher, die Unternehmen nutzen, um selbst Geld zu sparen. Die Folge: Vor einigen Jahren stand das System auf der Kippe, Entsorgungsunternehmen drohte die Insolvenz. Die neue Behörde in Osnabrück soll diese Schlupflöcher schließen und zugleich für eine hohe Recyclingquote sorgen.

Wie funktioniert das System?

Hersteller, die ein eingepacktes Produkt auf den Markt bringen, müssen für die Wiederverwertung der Verpackung eine Lizenzgebühr zahlen. Die ist im Endpreis in der Regel enthalten, sodass am Ende der Verbraucher die Kosten trägt. Manche Unternehmen schwindeln bei den Angaben. Sie geben weniger Verpackungen an, als sie tatsächlich in Umlauf gebracht haben. Dadurch sparen sie Lizenzgebühren. Den Anteil solcher Trittbrettfahrer schätzen Experten auf 25 bis 30 Prozent.

In Deutschland gibt es mehrere Unternehmen, die dafür sorgen, dass die Verpackungen in den Stoffkreislauf zurückkehren. Das bekannteste Unternehmen auf diesem Markt ist „Der Grüne Punkt“. Es konkurriert mit Interseroh, Veolia, RKD Recycling Kontor, Reclay Systems, Noventiz, ELS, Belland und Landbell. Jedes dieser Entsorgungsunternehmen beauftragt wiederum Dienstleister, die den Verpackungsmüll in gelben Tonnen oder Säcken einsammeln. In Osnabrück erledigt das die Osnabrücker Abfallwirtschaftsgesellschaft (OAG), eine hundertprozentige Tochter von Meyer Entsorgung. Im Landkreis sammelt die Regos Recyclinggesellschaft den Verpackungsmüll ein, ein3 gemeinsame Tochtergesellschaft von Awigo und Holtmeyer Städtereinigung.

Was hat die Zentralstelle zu tun?

Eine der ersten Aufgaben von Gunda Rachut und ihrem Team ist es sein, ein Register zu erstellen, in dem alle Hersteller mit ihren Produkten und Verpackungen erfasst sind. Wer etwas Verpacktes auf den Markt bringen will, muss der Zentralstelle mitteilen, wie viel Verpackungsmaterial von ihm in Umlauf gebracht wird. 700 000 Registrierungspflichtige gebe es zurzeit in Deutschland, sagt Gunda Rachut. In Osnabrück entsteht eine Datenbank, die fortwährend aktualisiert werden muss und die jeder einsehen darf (unter Berücksichtigung des Datenschutzes und kartellrechtlicher Bestimmungen).

Auf der anderen Seite melden die Entsorgungsunternehmen der Zentralstelle die Verpackungsmengen, die sie einsammeln. So kann die Rachut-Behörde die Zahlen abgleichen und Trittbrettfahrer entlarven. Zugleich berechnet die Zentralstelle die jeweiligen Marktanteile der Entsorgungsunternehmen. Damit soll sichergestellt werden, dass die Einnahmen aus den Lizenzgebühren gerecht verteilt werden.

Außerdem setzt die Zentralstelle in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt Standards für die Recyclingfähigkeit von Verpackungen. Hersteller sollen so angehalten werden, Verpackungen zu entwickeln, die möglichst vollständig und komplikationslos wiederverwertet werden können. Und die Rachut-Behörde muss entscheiden, ob eine Verpackung unter die Pfandpflicht fällt. Beispiel: Trinkjoghurt. Ist der Behälter wie ein Joghurt-Becher (gelber Sack) oder wie eine Coladose (Pfand) zu behandeln?

Warum eine Stiftung?

Gunda Rachut, Vorstand der Stiftung „Zentrale Stelle Verpackungsregister“, im Sitz der Stiftung im ehemaligen Commerzbank-Gebäude an der Hase. Foto: Michael Gründel

Die privatwirtschaftliche Stiftung ist eine „in Teilen mit hoheitlichen Aufgaben beliehene Behörde“, erklärt Bettina Sunderdiek, Kommunikationschefin der Zentralstelle. Der große Vorteil einer Stiftung: In der Satzung sind Zweck und Aufgaben klar definiert, niemand kann hineinreden. Das Stiftungskapital beträgt 100000 Euro. Stifter sind Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), der Handelsverband Deutschland (HDE), die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen und der Markenverband e.V. Diese Verbände stehen für die Mehrheit der in Verkehr gebrachten Verkaufsverpackungen, die in der Entsorgungskette landen.


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