Stück im Osnabrücker Lutherhaus „Öztürks III: Die Traumhochzeit“: Plädoyer für kulturelle Verständigung

Von Uta Biestmann-Kotte

Mit dem Stück „Öztürks III: Die Traumhochzeit begeisterte das deutsch-türkische Ensemble-Theater Halber Apfel aus Lüdenscheid am Freitag das Publikum im Lutherhaus. Foto: André HavergoMit dem Stück „Öztürks III: Die Traumhochzeit begeisterte das deutsch-türkische Ensemble-Theater Halber Apfel aus Lüdenscheid am Freitag das Publikum im Lutherhaus. Foto: André Havergo

ubk. Osnabrück. Mit dem Stück „Öztürks III: Die Traumhochzeit“ begeisterte das deutsch-türkische Ensemble-Theater Halber Apfel aus Lüdenscheid am Freitag das Publikum im Lutherhaus in Osnabrück.

Hakan Öztürk will heiraten - Vater Ali ist hocherfreut. Hakans Auserwählte ist Deutsche - Vater Ali ist außer sich.

Nach „Stefanie integriert die Öztürks“ und „Almanya, ich liebe dich!“ setzt das Lüdenscheider Ensemble-Theater Halber Apfel mit „Öztürks III: Die Traumhochzeit“ die turbulente Story um Ali Öztürk und dessen Familie fort. Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus (Veranstalter: Eleganz Bildungsplattform e.V. in Kooperation mit dem Büro für Friedenskultur der Stadt Osnabrück) gastierte das deutsch-türkische Ensemble am Freitag im ausverkauften Lutherhaus und trieb dem Publikum die Lachtränen in die Augen.

Spontane Türken und vom Wandkalender abhängige Deutsche

Nach dem Motto „Wenn der Vorhang aufgeht, treffen sich zwei Kulturen“, prallten in dem 90-minütigen Stück die zwei sehr verschiedene Familien des junge Paares Hakan (Sefa Yildiz) und Nina (Aysun Karagöz) aufeinander -  gegenseitige Klischees über allzu spontane Türken und vom Wandkalender abhängige Deutsche inklusive. Während sich Mutter Halime (Cansu Karagöz) und Schwester Zeynep (Görem Kiraz) über Hakans Liebesglück freuen, hadert Vater Ali mit der künftigen deutschen Schwiegertochter, die wohl kaum türkische Bohnensuppe zustande bringt. Und Onkel Sükrü (Bürsa Harundag), innerfamiliärer Dauergast im roten Trainingsanzug, verfolgt seinerseits Heiratspläne. Ninas geschiedene Mutter Ute Stahlschmidt (Anna Kocaaslan) entpuppt sich wiederum als Polizistin mit Schäferhund, deren kulturelle Vorbehalte gegen „die Türken“ berufsbedingter Natur sind. Vor allem ist da aber Ali Öztürk, der für seine Familie nur das Beste will und im emotionalen Überschwang allzu schnell übers Ziel hinaus schießt.

„Stopp! Da ist die Obergrenze erreicht!“

Mit dem Stück „Öztürks III: Die Traumhochzeit begeisterte das deutsch-türkische Ensemble-Theater Halber Apfel aus Lüdenscheid am Freitag das Publikum im Lutherhaus. Foto: André Havergo

Im Part dieses liebenswerten Cholerikers zog Regisseur, Autor und Theaterleiter Murat Isboga alle Register und erwies sich auch in Interaktion mit dem Publikum als begnadeter Entertainer. Szenenapplaus kam etwa auf, als er Hakans Frage, was er gegen Deutsche habe, mit „Stopp! Da ist die Obergrenze erreicht!“ konterte, was gleichzeitig als tagespolitischer Kommentar verstanden werden konnte. Dass aus Hakans und Ninas Traumhochzeit schließlich kein Albtraum wird, die Kulturen einander kennenlernen und respektieren - das war die Quintessenz dieser sehr vergnüglichen wie nachdenklich machenden Inszenierung.