Spannender Vortrag in Osnabrück Kosmopolitismus in Zeiten von Trump und Brexit

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Der Philosophieprofessor Andreas Niederberger hielt bei den Freimaurern einen Vortrag über Kosmopolitismus im 21. Jahrhundert. Foto: Hermann PentermannDer Philosophieprofessor Andreas Niederberger hielt bei den Freimaurern einen Vortrag über Kosmopolitismus im 21. Jahrhundert. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Was bedeutet Kosmopolitismus in Zeiten von Brexit und „America First“? Antworten gab der Philosophieprofessor Andreas Niederberger in einem spannenden Vortrag im Lortzinghaus Osnabrück.

Donald Trump setzt auf das Prinzip „America First“, die Briten treten aus der EU aus. Und überhaupt macht sich der Nationalismus breit. Welche Rolle können Kosmopolitismus und die Gleichberechtigung aller Menschen spielen? Eine Antwort gab ein spannender Vortrag im Lortzinghaus Osnabrück, der zu einer Veranstaltungsreihe über Globalisierung der Freimaurerloge „Zum Goldenen Rade“ gehörte.

„Was bedeutet Kosmopolitismus im 21. Jahrhundert?“ lautete der Titel von Andreas Niederbergers Vortrag, Professor für Praktische Philosophie an der Universität Duisburg-Essen. Um die Entwicklung des Begriffs Kosmopolitismus zu erklären, machte der Philosophiedozent zunächst einen Sprung zurück in die Antike, wo Diogenes von Sinope (412/404-323 v. Chr.) Stoiker Zenon von Kition (334-262 v. Chr.) sich Weltbürger nannten.

In der frühen Neuzeit Grundlagen für heutiges Völkerrecht

In der frühen Neuzeit wurden Grundlagen heutigen Völkerrechts geschaffen. Der Moraltheologie und Naturrechtler Francisco de Vitoria (1483-1546) etwa vertrat die Idee einer globalen Rechtsordnung mit vielen politischen Gemeinwesen. „Der Hintergrund war: Was ist die Rechtsgrundlage, auf der die Spanier in Südamerika handeln können“, erklärte Andreas Niederberger. Francisco de Vitoria sprach jedem das Recht zu, sich weltweit anzusiedeln und als Handelspartner anzubieten. „Er öffnete dem Kolonialismus ganz weit die Türen“, so Niederberger.

Besonders viel Bewegung in der Debatte über Kosmopolitismus gab es zwischen 1980 und 2010. Niederberger präsentierte drei Varianten des Kosmopolitismus, beginnend mit dem australischen Philosophen Peter Singer, die für die Theorie globaler Hilfspflichten steht und in den 80er-Jahren populär war. Globale Gerechtigkeit bedeutet demnach die bedingungslose Hilfsbereitschaft für die Bedürftigen, die nur dadurch eingeschränkt wird, dass der Helfende sich selbst schadet. Diese Definition globaler Gerechtigkeit geriet in die Kritik, weil sie Hierarchien schafft, in denen die Helfenden oben und die Hilfsbedürftigen unten stehen.

Viele Debatten über Kosmopolitismus nach Kaltem Krieg

Die Antwort war die Theorie global gerechter Verteilung, nach der entsprechende Grundstrukturen geschaffen werden müssen und die Verteilung der Güter gerecht sein muss. Die dritte Variante ist die Theorie transnationaler Demokratie, nach der alle das Recht haben, darüber zu entscheiden, welche Verteilungsprinzipien und Ansprüche gelten.

Diese Theorie vertritt auch Andreas Niederberger. Minimal bedeutet Kosmopolitismus nach seiner Definition: „Global jedem kommt grundsätzlich normative Autorität zu.“ Gemeint ist, dass jeder Mensch über geltende Normen mitbestimmt. Wenn etwa Populisten fordern, dass Geflüchtete nicht über die eigenen Staatsgrenzen kommen dürfen, beherzigen sie dieses Prinzip nicht. Denn sie setzen eine einseitige Norm.

Wie aktuell die Debatten sind, zeigte auch die Rolle der EU in den Theorien über Kosmopolitismus. In den Nuller Jahren habe die politische Philosophie das Staatenbündnis geradezu als Überwindung des Nationalstaates gefeiert, so Niederberger. Dann kamen Eurokrise und Brexit. Die Eurokrise sei für die Sozialdemokraten in Europa aber ein verpasste Chance gewesen, kritisierte der Philosoph. Sie hätten damals eine europäische Sozialpolitik einfordern sollen, statt weiter nationalstaatlich verankert zu sein.


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