„Bitter & Scharf“ Ausstellung „Bitter & Scharf“ ab Freitag im Kunstquartier

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Frank Gillich zeigt zusammen mit Sigrun Jakubaschke in der Ausstellung „Bitter & Scharf“ im BBK-Kunst-Quartier ursprüngliche Formen. Foto: Hermann PentermannFrank Gillich zeigt zusammen mit Sigrun Jakubaschke in der Ausstellung „Bitter & Scharf“ im BBK-Kunst-Quartier ursprüngliche Formen. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Frank Gillich und Sigrun Jakubaschke zeigen in der Ausstellung „Bitter & Scharf“ im BBK Kunst-Quartier an der Bierstraße ursprüngliche Formen und Skulpturen in „Serie und Variante“.

„Bitter & Scharf“ wird es im Kunst-Quartier des Bundes Bildender Küstler (BBK). Am Freitagabend stellt der BBK die neuen Arbeiten von Frank Gillich und Sigrun Jakubaschke vor. „Der Titel ist natürlich doppeldeutig“, meint Gillich, „einerseits körperlich bitter oder scharf, auch scharf schneidend. Aber auch im übertragenen Sinne. Diese Spielchen haben wir uns gegönnt.“ Die Begriffe können jedoch nicht den einzelnen Künstlern zugeordnet werden. Gemeinsam sei beiden die Suche nach der Urform, sagt Jens Raddatz, Vorsitzender des BBK Osnabrück. Jakubaschke frage sich, was die Urform der Dinge ist. Laut Physikern sei es die Kugel, „für den Künstler ist das anders. Eine Form transportiert mehr. Urformen sind keine geplanten Formen.“, stellt Raddatz die Werke vor. Alles könne eine Urform sein, Inhalt und Ausgangspunkt. Gillich wiederum zeige einen Spielraum von Möglichkeiten mit minimalen Veränderungen aufgrund von materialbedingten Eigenschaften.

Lehrende an der Uni

Beide Künstler sind Lehrende an der Universität Osnabrück. 2007 haben sich beide kennengelernt und über die Jahre immer wieder als Kollegen Einblick in die eigene Arbeit und die des anderen genommen – und so ist das gemeinsame Projekt entstanden. „Der BBK war die erste Institution, der uns die Tür geöffnet hat“, berichtet Gillich. In der Folge haben sich beide in einen Schaffensprozess begeben. „Der Raum kam auf uns zu und die Kunst hat sich entwickelt. Es ist nicht so, dass wir Arbeiten gemacht haben, die zusammenpassen“, meint er. Dennoch sei eine Einheit aus den zwei Künstlern entstanden, die sich mit dem ihnen zur Verfügung stehenden Raum auseinandersetzen und mit ihm kommunizieren. Die Verzahnung im Raum ist das Ergebnis.

 

Die Formate und Prozesse beider Künstler sind ähnlich. Beide arbeiten mit Abgüssen aus Formen, die dann erweitert, verändert und arrangiert werden. „Serie und Variante“, so Gillich. Während Jakubaschke mit Gips arbeitet setzt sich Gillich vornehmlich mit Zement und Beton auseinander. „Früher nannte man das Steinguss“, sagt er. Seit 1994 nutzt er dieses Material. Gillich nutzt für seine Mutterformen Materialien aus der Natur. Eierschalen zum Beispiel. Mit Ton, Silikon und einer Stützform aus Gips entstehen dann die Mutterformen, aus denen er immer wieder neue Abgüsse produziert. Aus 30 von ihnen setzt Gillich eine Skulptur zusammen, die an ursprünglichen, überdimensionalen Eierhaufen erinnern. Hierbei färbt er den Zement manchmal und erreicht so leichte Farbvarianten, die besonders im Naturlicht eine unerwartete Plastizität erreichen.

 

Hier liegen Verbindungen und Trennendes dicht beieinander. Auch Jakubaschke färbt den Gips für ihre Skulpturen teilweise durch. Allerdings nutzt sie Farbe deutlich intensiver als Gillich und bemalt ihre Werke später oft noch. Zudem sind ihre Formen meist Alltagsgegenstände. Töpfe, Gläser, Eimer. Diese Grundformen erweitert Jakubaschke mit Applikationen wie Schilf, Glasscherben oder Spieße. Es entstehen bizarre Formen und Figuren, die in ihrer fröhlichen Farbe einladend und durch ihre Formen gleichzeitig abschreckend erscheinen.

 „Bob-Marley-Gedächtnisboten“

Für eine zweite Guss-Serie arbeitet auch Gillich mit Applikationen. Seemienen oder Viren sind die ersten Assoziationen der individuell an der Wand angebrachten Skulpturen. „Boten“ nennt Gillich sie. „Die können bei mir alles bringen.“ Stahlnägel wirken abstoßend, Zweige einladend, Kokosseile lassen einen „Bob-Marley-Gedächtnisboten“ entstehen, wie Gillich meint. Die unterschiedlichen Materialien lagerten teilweise schon Jahrzehnte in seinem Atelier um jetzt in diese Skulpturen umgesetzt zu werden. Die Güsse sind hauchdünn mit selbst erstellten Farben aus Bienenwachs und Terpentinbalsam überzogen. „Plastikfarbe wie Acryl behagt mir nicht“, erklärt Gillich seine Herangehensweise.

 

Der Raum des Kunstquartiers stellt gerade für Skulpturen ein gewisses Problem da. Hier mussten beide Künstler neue Wege der Präsentation finden. Klassische Podeste kamen für beide nicht in Frage. Neben den an der Wand angebrachten Skulpturen präsentiert Gillich beispielsweise ein fast floßartiges Podest, das er aus neuem und alten Holz gebaut hat. Jakubaschkes Werke liegen auf Spiegeln. Die Reflektionen in dem teilweise gebrochenen Glas lassen die einzelnen Stücke optisch verdoppelt erscheinen. Gleichzeitig führt der Fluss aus Spiegeln und Figuren durch den Raum. Masse wird zu Haufen, wird zu Neuem. Das entspricht dem prozesshaften Arbeiten, dem sich beide verschrieben haben. „Als Künstler macht man das einfach“, beschreibt Gillich. „Erst danach wird reflektiert.“

 

Die Ausstellung ist bis zum 14. April zu sehen. Öffnungszeiten des Kunst-Quartiers: Di – Fr: 14 - 18 Uhr, Sa: 11 - 16 Uhr


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