„Wir durchleben die Hölle“ Tippgeber belastet Nokta-Inhaber – Staatsanwaltschaft von Unschuld überzeugt

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yjs Osnabrück. Nach der Brandstiftung im Osnabrücker Restaurant Nokta am Güterbahnhof stand Betreiber Sedat Müstak anfangs unter Verdacht. Ein Tippgeber hatte ihn belastet. Zu Unrecht, sagen die Ermittler. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen gegen Müstak ein und ermittelt nun gegen den Tippgeber selbst. „Wir durchleben gerade die Hölle“, sagt Müstak.

In der Nacht zum 15. Januar dieses Jahres war das türkische Restaurant an der Hamburger Straße in Flammen aufgegangen. Es entstand wohl ein Schaden von mehr als 500.000 Euro.

Schock für Betreiber

„Für uns war das ein Schock“, erzählt Müstak auf Anfrage unserer Redaktion. Er habe unter der Dusche gestanden, als die Anrufe kamen. „Ich dachte, das ist ein schlechter Witz.“ Seine Lebensgefährtin Natalia Bassauer und er fuhren zum Nokta. „Anfangs sah es gar nicht so schlimm aus“, sagt er. „Doch als wir später drin waren, sind wir in Tränen ausgebrochen.“ Das Feuer hatte gar nicht so schlimm gewütet, doch der Ruß richtete großen Schaden an.

Staatsanwaltschaft: Müstak ist unschuldig

Müstak berichtet, anfangs habe die Polizei gegen ihn ermittelt, weil ihn jemand beschuldigt habe, ihn gegen Mitternacht vor dem Brand im Restaurant gesehen zu haben. Nach Überzeugung der Ermittler ist Müstak aber unschuldig. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen gegen ihn ein. Unserer Redaktion liegt der an ihn adressierte Einstellungsbescheid vom 28. Februar vor.

Es ärgere ihn, dass er verdächtigt wurde, sagt Müstak. Allein der Gedanke sei „gemein“, sagt Bassauer, ebenso die urteilenden Blicke auf der Straße. „Wir durchleben gerade die Hölle“, so Müstak.

Polizei hat Tatverdächtigen

Inzwischen richtet sich der Verdacht gegen die Person, die Müstak belastet hatte. Er kennt diese. Polizei und Staatsanwaltschaft bestätigen Ermittlungen gegen einen Dritten. Es sei bereits zu „strafprozessualen Maßnahmen“ gekommen, sagt ein Ermittler. Gemeint ist: Die Polizei durchsuchte mit einem Beschluss des Amtsgerichts Objekte des Verdächtigen und sicherte elektronische Datenträger. Details gibt die Polizei nicht preis und verweist auf die laufenden Ermittlungen.

„Das Geschäft lief sehr gut“

Müstak sagt, er habe ohnehin keinerlei Gründe gehabt, sein Restaurant anzuzünden. „Das Geschäft lief sehr gut, und wir haben bis zum Schluss investiert. Im Januar und Februar waren wir restlos ausgebucht“, sagt er. Er und seine Lebensgefährtin hätten alles mit Mühe aufgebaut und „aus einer toten Ecke etwas Lebendiges gemacht“.

Betreiber erheben keine Anschuldigung

Hat Müstak Feinde? Die Frage beantwortet er mit einem „Jein“. Er habe sicherlich Neider. Aber Feinde? „Wir nicht, aber die Kripo hat ja einen Verdächtigen.“ Wer das ist und warum dieser die Brandstiftung begangen haben könnte, dazu äußern sich Bassauer und Müstak nicht. Die bisherigen Ermittlungsergebnisse der Polizei würden allerdings „sehr plausibel“ klingen. Und dennoch: „Zu der Anschuldigung der Polizei können und wollen wir nichts sagen“, sagt Müstak. Er sei nur froh, dass niemand bei dem Brand verletzt wurde. Aus menschlicher Sicht könne er die Tat nicht nachvollziehen.

Nach Informationen unserer Redaktion verschaffte sich der Brandstifter Zugang zur Terrasse des Nokta, brach durch einen Nebeneingang in das Restaurant ein und legte das Feuer.

Nokta soll bleiben

Das Nokta wird derzeit grundsaniert und gleicht derzeit eher einem Rohbau. Die Wiederöffnung werde wohl noch vier bis sechs Monate dauern, sagt Bassauer. Müstak ergänzt: „Das Nokta soll das Nokta bleiben und auch an selber Stelle. Ein Nokta an anderer Stelle wird es nicht geben.“ Dafür hätten Bassauer und er zu viel Zeit, Mühe und Geld in das Restaurant gesteckt. „Baugenehmigungen, Wegerecht, Terrasse – das alles haben wir bezahlt“, sagt Müstak.

Das Restaurant muss komplett saniert werden. Foto: Michael Gründel

Zuerst hatte die Polizei einen technischen Defekt als Brandursache vermutet.


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