Unfallstatistik 2017 Mehr Verletzte, aber weniger Tote bei Unfällen in Stadt und Landkreis Osnabrück

Im vergangenen Jahr sind in Stadt und Landkreis Osnabrück mehr Menschen bei Verkehrsunfälle verletzt worden als im Jahr 2016. Allerdings nahm die Zahl der Unfalltoten ab. Symbolfoto: dpa/Patrick SeegerIm vergangenen Jahr sind in Stadt und Landkreis Osnabrück mehr Menschen bei Verkehrsunfälle verletzt worden als im Jahr 2016. Allerdings nahm die Zahl der Unfalltoten ab. Symbolfoto: dpa/Patrick Seeger

Osnabrück. Im vergangenen Jahr sind in Stadt und Landkreis Osnabrück mehr Menschen bei Verkehrsunfällen verletzt worden als im Jahr 2016. Allerdings nahm die Zahl der Unfalltoten ab.

Im Jahr 2017 nahm die Polizeiinspektion Osnabrück, zuständig für Stadt und Landkreis, 12.796 Verkehrsunfälle auf. Das sind 249 mehr als im Vorjahr – eine Steigerung um zwei Prozent. 2962 Menschen wurden leicht, schwer oder gar tödlich verletzt. „Hier verzeichnen wir einen Anstieg von 5,2 Prozent“, wird Michael Maßmann, Leiter der Osnabrücker Inspektion, in einer Mitteilung zitiert.

22 Todesopfer

22 Menschen starben im vergangenen Jahr auf den Straßen in Stadt und Landkreis – zwei weniger als im Vorjahr. Ums Leben kamen zehn Autofahrer, sechs Fußgänger, zwei Radfahrer, drei Motorradfahrer sowie ein Lkw-Fahrer. 16 Menschen starben bei Unfällen im Landkreis, vier in der Stadt und zwei auf Autobahnen.

Tödliche Unfälle an Bahnübergängen

Auffällig seien den Verkehrsexperten der Polizei zufolge drei tödliche Unfälle an Bahnübergängen gewesen. Ferner gingen fünf Baumunfälle tödlich aus.

In der Dunkelheit kamen fünf Fußgänger ums Leben. „Das ist für mich ein Grund, nochmals auf die Wichtigkeit der Erkennbarkeit und Sichtbarkeit der Fußgänger hinzuweisen. Hier sind helle Kleidung und/oder Reflektoren gefragt“, wird Maßmann zitiert.

Mehr Schwerverletzte

479 Schwerverletzte verzeichnete die Polizeiinspektion – 45 mehr als im Jahr zuvor. Bei den Leichtverletzten stieg die Zahl um 115 auf 2461 an.

An den Unfällen waren 2314 Senioren ab 65 Jahren und 3048 Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren beteiligt. Beide Gruppen gelten als „Risikogruppe“. Die jüngeren Fahrer seien unerfahren und verspürten teilweise das Bedürfnis, sich selbst dazustellen. Den Verkehrsexperten der Polizei zufolge seien diese Personen häufig in Unfälle verwickelt.

Viele Fehler

Zu schnell, zu geringer Sicherheitsabstand, fehlerhaftes Abbiegen, Fehlverhalten beim Überholen, Missachten der Vorfahrt und Alkohol – die Unfallursachen sind mannigfaltig. Weitere Ursachen sind unter anderem Ablenkung durch Smartphones, Zeitdruck, mangelnde Erfahrung, Alter und Gesundheitsprobleme.

Bei 288 Unfallbeteiligten verzeichnete die Polizei Alkoholkonsum als Unfallursache. 52-mal vermerkten die Beamten Drogenkonsum.

Studie zur Ablenkung durch Handys

Oftmals würde die Polizei Aussagen wie „nicht bemerkt“ und „Übersehen“ hören. Die Ablenkung durch Handys wird aktuell in einer landesweiten Studie hinterfragt. Das niedersächsische Innenministerium will die Unfallursache Handynutzung genauer untersuchen lassen. Seit dem 1. Januar werden deshalb in den Polizeidirektionen Braunschweig, Hannover und Osnabrück die Verkehrsunfälle, bei denen Ablenkung als Unfallursache vermutet wird, besonders gründlich analysiert. Die Studie ist auf ein Jahr angelegt und wird von Wissenschaftlern der Technischen Universität (TU) Braunschweig und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) begleitet.

Details der Statistik

Fahrradunfälle: In 2017 verzeichnete die Polizei keinen Anstieg der Fahrrad- und Pedelecunfälle. 842 Fahrradunfälle erfasste die Polizei, bei denen zwei Menschen ums Leben kamen – drei weniger als im Vorjahr. 457 Unfälle ereigneten sich in der Stadt, 383 im Landkreis und sogar zwei auf den Autobahnen. 71 Pedelec-Fahrer waren an Unfällen beteiligt, davon wurden 15 schwer und 47 leicht verletzt.

Unfallflucht: 3361 angezeigte Verkehrsunfallfluchten registrierte die Polizei – ein erneuter Anstieg, diesmal um um 290 Fälle. „Die Aufklärungsquote beträgt 41,36 Prozent, und hier könnten wir noch besser werden, wenn wir mehr Zeugenhinweise zu den Unfallfluchten hätten“ wird Polizeichef Maßmann zitiert. „Unfallfluchten stellen 26,3 Prozent der Gesamtunfallzahl dar, das heißt, bei jedem vierten Unfall entfernt sich einer der Beteiligten, ohne sich um den entstandenen Schaden zu kümmern.“

Was tut die Polizei? Die Verkehrsexperten der Polizei erfassen und analysieren das gesamte Unfallgeschehen in ihrem Zuständigkeitsbereich, um so verkehrsrechtliche Probleme oder unfallträchtige Punkte auf den Straßen festzustellen. Die Unfallkommissionen versucht, sie zu beseitigen. Daran beteiligt sind Polizei, Verkehrsbehörden und Straßenbaulastträger. „Weiterhin tragen Verkehrsbesprechungen und Verkehrsschauen zur Problemlösung bei“ erklären die Verkehrsexperten der Polizei. „Zur Sicherheit beitragen können auch Überwachungsmaßnahmen und Verkehrskontrollen, die meine Kollegen durchführen“, wird Maßmann zitiert.

Auch präventiv sei die Osnabrücker Polizei gut aufgestellt, etwa bei den Schulanfangsaktionen bei den Erstklässlern, den Fahrradprüfungen in den Grundschulen, aber auch in der Puppenbühne der Polizeiinspektion, die neben Grundschulen auch Kindergartenkinder in die Verkehrserziehung mit einbezieht.

Aber nicht nur die Kleinen stehen im Fokus der Verkehrserziehung, sondern auch die Eltern – Stichwort „Eltern-Taxis“ in Osnabrück.

„Aber auch ältere Menschen gehören zu unserer Zielgruppe“, verdeutlicht Michael Maßmann, „so zum Beispiel in Kooperation mit dem Landkreis und der Verkehrswacht im Fahrtraining für Senioren, das im April startet.“