Graf-Stauffenberg-Gymnasium Heute vor 50 Jahren erhielt Osnabrücker Schule ihren Namen

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Osnabrück. Heute vor 50 Jahren wurde die Schule mit dem provisorischen Namen „Viertes Jungengymnasium“ zum „Graf-Stauffenberg-Gymnasium“ geadelt. Der jüngste Sohn des namensgebenden Widerstandskämpfers, Franz Ludwig Schenk Graf von Stauffenberg, und der Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier begleiteten die Einweihung am 22. März 1968.

Der Schulbetrieb lief schon länger, nämlich seit dem 21. April 1965. Nach dem Bau eines zweiten städtischen Mädchengymnasiums (1961 als Käthe-Kollwitz-Gymnasium eröffnet) forderten die geburtenstarken Jahrgänge auch ein weiteres Jungengymnasium. Zudem war die Erhöhung der Abiturientenquote den städtischen Schulpolitikern spätestens seit der 1964 von dem Religionsphilosophen und Pädagogen Georg Picht angeprangerten „Bildungskatastrophe“ ins Stammbuch geschrieben.

Weil die bestehenden drei Traditionsgymnasien eher zentral oder in der nördlichen Osnabrücker Stadthälfte verortet waren, sollte jetzt ein Standort in der südlichen Neustadt gefunden werden. Die Wahl fiel auf den Kalkhügel, weil sich hier der Ausbau eines Schulzentrums neben der 1960 eröffneten Metallberufsschule des Landkreises anbot.

Die Schule war als dreieinhalbzügige „Entlastungsschule“ für die überfüllten Traditionsgymnasien geplant. Die Entlastung fiel dann aber deutlicher aus als gedacht: Ganze Klassen mit neusprachlicher oder mathematisch-naturwissenschaftlicher Ausrichtung wechselten zur neuen Schule, sodass diese schon 1967 fünf Züge bilden musste und zum größten Osnabrücker Gymnasium mutierte. Für 44 Klassen gab es 30 Räume, 14 Klassen begaben sich auf permanente Wanderschaft.

Namenswahl nicht unumstritten

Während dieses rasanten Starts lief die Namensdiskussion. Stauffenberg galt vielen noch als Eidbrecher und Vaterlandsverräter und nicht als Held eines anderen, besseren Deutschlands. Es gab einfachere, bequemere Vorschläge, Albert Einstein etwa oder Friedrich Barbarossa. Graf von Stauffenberg war umstritten, aber nach leidenschaftlicher Diskussion einigten sich die Lehrer auf diesen „mutigen und modernen Vorschlag“, um der Schule ein besonderes Profil zu geben. Der Rat stimmte am 16. Mai 1967 zu.

Die Feier zur Namensgebung fand am 22. März 1968 in der Sporthalle der Schule statt. Als Festredner war Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier (CDU) aus Bonn angereist. Der evangelische Theologe gehörte als Mitglied des Kreisauer Kreises selbst dem Widerstand an und war nach dem gescheiterten Hitler-Attentat 1944 als Mitwisser zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Insofern hätten die Veranstalter unter den 1400 geladenen Ehrengästen keinen Berufeneren finden können, um Stauffenberg als Helden des Widerstands und als Vorbild und Verpflichtung zugleich für die Schulgemeinschaft zu würdigen.

Der Aufstand blieb aus

Es hätte ja Hunderttausende, gar Millionen Deutsche gegeben, die Hitler abgelehnt hätten, „aber Claus von Stauffenberg hat das vollbracht, worauf es in der Geschichte ankommt: die Tat!“, sagte Gerstenmaier. Dass Hitler das Attentat überlebt habe, sei nicht so entscheidend gewesen. Stauffenbergs Tat hätte dennoch zum Zündfunken eines allgemeinen Aufstandes werden können, wenn sich das deutsche Volk, die Armee und ihre Heerführer der Verstrickung entrissen hätten. Was aber nicht geschah. „Als wir zur Pistole griffen, war schon alles gegen uns entschieden“, so Gerstenmaier.

Zu der Feierstunde, die vom GSG-Chor und dem verstärkten Orchester des Carolinums musikalisch umrahmt wurde, begrüßte Schulleiter Georg-Bernhard Scholz auch den niedersächsischen Kultusminister Richard Langeheine (CDU), Bischof Helmut Hermann Wittler, Landessuperintendent Kurt Degener und die Stadtspitze. Und einen ganz besonderen Ehrengast: den jüngsten Sohn Stauffenbergs, Franz Ludwig Schenk Graf von Stauffenberg.

Der Namensgeber: Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Foto: imago/Leemage

Der war nach dem Attentat am 20. Juli genau wie seine vier Geschwister von den Nationalsozialisten in Sippenhaft genommen worden. Er wurde seiner Mutter entrissen und unter neuem Namen in ein Kinderheim in Bad Sachsa im Harz gesteckt. Die Amerikaner befreiten ihn 1945 und führten die Familie wieder zusammen. Später wurde er Rechtsanwalt und saß für die CSU im Bundestag (1972–1984) sowie im Europaparlament (1984–1992). Der heute 79-Jährige lebt auf Schloss Kirchlauter in Unterfranken.


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