Kein Elektrosmog für Kinder Hochspannung: Spielplatz in Hellern wird verlegt, Häuser bleiben

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Osnabrück. In Hellern wird ein Kinderspielplatz verlegt, weil er unter der Hochspannungsleitung liegt, die auf 380 Kilovolt aufgerüstet wurde. Dass ganz in der Nähe ein Wohnhaus unter dieser Leitung steht, ist für die Stadt kein Grund, zu intervenieren. Ein Baubiologe sieht das kritisch.

Der Anstoß zur Verlagerung des Spielplatzes kommt aus dem Fachbereich Umwelt und Klimaschutz. Spielende Kinder sollten möglichst nicht der elektromagnetischen Strahlung ausgesetzt werden, sagt die zuständige Mitarbeiterin Wiebke Holste und beruft sich auf einen Beschluss, den der damalige Ausschuss für Umwelt und Gesundheit im Oktober 1993 gefasst hat.

Darin heißt es, künftig solle bei der Neuaufstellung oder Änderung von Bebauungsplänen eine Unterbauung von Hochspannungsfreileitungen mit mehr als 110 kV unterbunden werden. Zudem sei ein Schutzstreifen von jeweils 50 Metern (bezogen auf die Trassenmitte) „von sensibler Nutzung wie Kindergärten, Schulen, Wohnbebauung, Kinderspielplätzen etc.“ freizuhalten.

Vor 25 Jahren beschlossen

Der Spielplatz an der Klaus-Stürmer-Straße wird zwar schon seit Jahrzehnten von der Hochspannungsleitung Westerkappeln - Lüstringen überragt, nach der Umrüstung auf 380 kV sehen die Fachleute aus dem Umweltressort jedoch einen größeren Handlungsbedarf. In Osnabrück würden drei weitere Spielplätze und zwei Bolzplätze unter Hochspannungsleitungen überragt, vermerkt Wiebke Holste vom Fachbereich Umwelt und Klimaschutz. Aber nicht alle könnten problemlos verlegt werden, weil es an Ersatzflächen mangele. In Hellern habe sich jedoch eine Vorbehaltsfläche an der Straße „Zum Rott“angeboten. Noch im Frühjahr, so kündigt Katrin Hofmann vom Osnabrücker Servicebetrieb (OSB) an, sollen die Kletterburg, das Mini-Karussell, der Basketballkorb und die Reckstangen am neuen Standort aufgestellt werden.

Für den Beschluss, den der Gesundheitsausschuss vor 25 Jahren fasste, gab es einen konkreten Anlass. Am Hörner Weg hatte die Stadt kurz zuvor den Bau eines Wohnhauses genehmigt, obwohl ein großer Teil davon direkt unter der Freileitung steht. Das Gebäude mit mehreren Wohnungen wurde dennoch errichtet und 1994 fertiggestellt. Andere Wohnhäuser in Hellern sind nur ein paar Schritte von der Trasse entfernt. Die empfohlenen 50 Meter Sicherheitsabstand werden an vielen Stellen unterschritten.

Zur Jahresmitte in Betrieb

Dass die Leitung den Menschen in ihren Wohnräumen so nahe kommt, war für die Behörden kein Hindernis, die Umbeseilung der Hochspannungstrasse von 220 auf 380 kV zu genehmigen. „Wir bauen unsere Leitungen rechtssicher“, sagt Michael Weber, Pressesprecher beim Netzbetreiber Amprion. Er kündigt an, dass die mit leistungsfähigeren Kabeln versehene Trasse zur Jahresmitte in Betrieb gehen werde.

Ob sich damit die elektromagnetischen Immissionen dann erhöhen werden, ist nicht unbedingt sicher. Der Baubiologe Wolfgang Maes aus Neuss weist darauf hin, dass die Feldimmissionen nicht von der Netzspannung, sondern von der Stromstärke abhängig seien. Nicht selten komme es zu Kompensationseffekten, weil sich die Felder durch die geometrische Anordnung der Leitungen teilweise neutralisieren würden. Schon mehrmals habe er erlebt, dass eine Leitung aufgerüstet wurde, ohne dass sich die Feldstärken erhöht hätten, berichtet Maes, fügt aber hinzu: „Es kann aber auch andersherum sein!“

WHO rät zur Vorsicht

Im Planfeststellungsverfahren wurden die magnetischen Feldstärken der Leitung zwischen Westerkappeln und Lüstringen an ungünstigen Punkten mit bis zu 18,5 Mikrotesla (µT) angegeben. Das seien rechnerische Werte, die wahrscheinlich deutlich unterschritten würden, meint Maes. Zum Grenzwert von 100 Mikrotesla, den die Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) setzt, bleibt also noch Luft nach oben. Kein Grund zur Beruhigung, findet allerdings der Baubiologe. Nach seiner Ansicht müsste der Bund diesen Grenzwert drastisch senken. Die Weltgesundheitsorganisation WHO sehe ein erhöhtes Krebsrisiko bei Kindern schon ab 0,2 Mikrotesla. Hinter dieser Empfehlung stünden nicht sensible Ökos, sondern handfeste Wissenschaftler.

Maes hält es für ziemlich unbedenklich, wenn sich Kinder zum Spielen für begrenzte Zeit unter einer Hochspannungsleitung aufhalten. Kritisch könne es jedoch sein, wenn Menschen in unmittelbarer Nähe einer solchen Leitung wohnen, sich also dauerhaft der elektromagnetischen Strahlung aussetzen. Gleichwohl komme es auf die konkrete Situation an und nicht auf Berechnungen. Deshalb empfehle es sich, die magnetische Feldstärke an Ort und Stelle zu messen.


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