33-Jähriger in Osnabrück verurteilt Aus Neugierde im Darknet Falschgeld bestellt

Von Peter Szczekalla

Mit Bitcoins können im sogenannten Darknet auch illegale Waren erworben werden. Symbolfoto: imago/Michael WeberMit Bitcoins können im sogenannten Darknet auch illegale Waren erworben werden. Symbolfoto: imago/Michael Weber

sz Osnabrück. Weil er sich „Blüten“ verschafft hat, ist ein 33-Jähriger jetzt vom Amtsgericht Osnabrück zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Der Familienvater hatte im Darknet drei gefälschte 50-Euro-Scheine bestellt.

Osnabrück. Als Darknet (englisch: „dunkles Netz“) wird ein Teilbereich des Internets bezeichnet, in dem sich die Nutzer um größtmögliche Anonymität bemühen, indem sie spezielle Verschlüsselungstechniken anwenden. Neben völlig legalen Angeboten gibt es dort Seiten, auf denen mit heißer Ware gehandelt wird – von Drogen, verschreibungspflichtigen Medikamenten und Betäubungsmitteln über Waffen bis hin zu speziellen Programmen, die von Hackern zum Einbrechen in Computernetzwerke benutzt werden können. Auch kriminelle Dienstleistungen können im Darknet in Auftrag gegeben werden.

Der geständige Angeklagte bezahlte für die drei „Blüten“ in der Krypto-Währung Bitcoin einen Gegenwert von 50 Euro. Als die Lieferung kam, stellte der Vater von fünf Kindern aber fest, dass die Qualität des Falschgeldes sehr schlecht war. Der 33-Jährige setzte die Scheine nicht ein, sondern warf sie nach zwei Wochen in den Müll. Ohnehin habe er vor allem aus Neugierde gehandelt, als er die Bestellung aufgab, sagte er vor Gericht.

Verkäufern drohen hohe Strafen

Dass das anonyme Darknet unter Umständen eben doch nicht so anonym und vor dem langen Arm des Staates geschützt ist, musste der Mann erfahren, als die Staatsanwaltschaft Osnabrück Anklage gegen ihn erhob. Auf seine Spur gekommen waren Cyber-Ermittler des österreichischen Bundeskriminalamtes, die ihn als Urheber der strafbaren Falschgeld-Transaktion ausmachten.

Wer im Darknet Straftaten begeht, muss also durchaus damit rechnen, zur Rechenschaft gezogen zu werden – so erging es auch dem Mann, der dem jugendlichen Amokläufer David S. die Waffe verkauft hatte, mit der dieser am 22. Juli 2016 in München um sich schoss und mehrere Menschen tötete. Der Händler wurde vom Landgericht München I wegen fahrlässiger Tötung in neun Fällen sowie wegen illegalen Waffenhandels zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Minderschwerer Fall

Das Urteil des Amtsgerichts Osnabrück gegen den 33-Jährigen fiel deutlich milder aus. Es stufte die Tat als minderschweren Fall ein und bewegte sich bei der Strafzumessung am untersten Rand des Möglichen: Der bislang nicht vorbestrafte Mann muss eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je zehn Euro zahlen, insgesamt also 900 Euro. Außerdem ist er sein Mobiltelefon und den von seinem Bruder geborgten Notebook-PC endgültig los. Die Geräte waren von der Polizei im Zuge der Ermittlungen als mögliche Tatwerkzeuge beschlagnahmt worden.

Vor allem der Verlust des Handys hatte den Mann hart getroffen, der wegen eines Bandscheibenvorfalls derzeit arbeitslos ist. Doch das Gericht sah keine andere Möglichkeit, als das Telefon dauerhaft einzuziehen – schließlich handelt es sich bei einem Falschgelddelikt rechtlich gesehen um ein Verbrechen.

Nicht verzichten muss der 33-Jährige allerdings auf Tausende Fotos seiner Kinder, die auf dem Gerät abgespeichert sind. Die insgesamt 20 Gigabyte Fotodaten kann er sich über die Staatsanwaltschaft überspielen lassen, wie ihn die Anklagevertreterin mitteilte. Da alle Beteiligten erklärten, auf Rechtsmittel verzichten zu wollen, ist das Urteil rechtskräftig.