Ab aufs eisige Wasser Intensivtraining im Ruderlager des Osnabrücker Carolinums

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Ein Kanal. 130 Schüler. Sieben Tage. Neun Stunden täglich. Viele Achter- und Vierer-Boote. So sieht das traditionelle Ruderlager des Gymnasiums Carolinum in der ersten Osterferienwoche aus. Eigentlich – wenn nicht das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht.

„Seit 37 Jahren mache ich das“, sagt Peter Tholl, Sportlehrer der Schule und Chefcoach der Ruderriege, „aber dass wir zu dieser Jahreszeit Frost hatten, daran kann ich mich nicht entsinnen“. Denn zumindest die ersten Tage des diesjährigen Ruderlagers sind geprägt von eisigen Temperaturen und heftigen Winden. Als es an Tag vier endlich wärmer wird, schwimmt in den Schattenbereichen des Ruderhafens am Osnabrücker Stichkanal immer noch Eis auf dem Wasser. Dick einpackt sind aber nur die Steuerleute der Boote, den Ruderern wird sowieso warm.

In den ersten Tagen des Ruderlagers haben die 130 Schüler am Ergometer trainiert. Auf das Wasser sind sie nicht gegangen. Das ist erst am vierten Tag möglich. Und so ziehen dann am Dienstag endlich rund ein halbes Dutzend Boote ihre Bahnen. Vom Hafen aus geht aus auf dem Stichkanal in Richtung Hollager Schleuse, dreieinhalb Kilometer lang. Von dort zurück in Richtung Osnabrücker Hafen, fünf Kilometer. Und zurück zum Ruderhafen am Osnabrücker Ruderverein, noch mal eineinhalb Kilometer. Bei einer Trainingseinheit zu je 90 Minuten legen die Schüler also rund zehn Kilometer auf dem Wasser zurück.

Dabei ist das Streckemachen gar nicht das vorrangige Ziel der Ruderer aus den Klassen 5 bis 12. „Primär geht es darum, sauber zu rudern“, sagt Peter Tholl. Das hat nichts mit der Wasserqualität des Kanals oder mit hübsch geputzten Booten zu tun. Vereinfacht gesagt geht es darum, mit den Rudern, den Skulls, möglichst wenig „Platsch“ zu machen. Oder, wie es der Chefcoach fachmännisch ausdrückt: „Den optimalen Vortrieb erreichen.“ Dazu brauchen die Ruderer möglichst wenig Kraft und viel Gefühl, es kommt auf Synchronität an, und auf die gleichmäßige Bewegung der Skulls – im Wasser wie auch auf dem Rückweg in der Luft.

Bei den Fortgeschrittenen sowie den Top-Teams, die sich auf den Landesentscheid von „Jugend trainiert für Olympia“ in Hannover vorbereiten, schaut die Trainingseinheit noch etwas differenzierter aus. Nach dem Wassern des Bootes, dem Anbringen der Skulls und dem synchronen Einstieg in das Gig- oder das schmalere Renn-Ruderboot steht das Aufwärmen mit unterschiedlich langen Zügen auf dem Programm. „Insgesamt fahren wir rund 14 Kilometer in 90 Minuten“, sagt Lena Löpker, die ein Mädchen-Vierer-Boot trainiert.

Geschwindigkeit und Strecke sind natürlich Themen – aber gerade bei den jüngeren Teilnehmern geht es vor allem darum, „sauber“ zu rudern. Foto: David Ebener

Bei ihr, wie auch bei den meisten anderen Trainern der Ruderriege, handelt es sich um ältere Schüler sowie um Ehemalige des Carolinums. Das Training auf dem Kanal leiten sie ehrenamtlich. Lena Löpkers Abiturvorbereitungen müssen da schon mal für ein paar Tage hintenanstehen. Die jungen Trainer sitzen entweder in einem Motorboot neben dem Ruderboot oder fahren mit dem Fahrrad am Ufer nebenher. Bei Ausfällen in der jeweiligen Bootsbesatzung rudern sie aber auch mal mit.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN