Fragen und Antworten Alter, Fristen, Rechte: Wer darf in und um Osnabrück Kinder adoptieren?

Von Corinna Berghahn

Wer sich sehnlichst Kinder wünscht, aber keine eigenen haben kann, denkt auch über eine Adoption nach. Foto: Colourbox.deWer sich sehnlichst Kinder wünscht, aber keine eigenen haben kann, denkt auch über eine Adoption nach. Foto: Colourbox.de

Osnabrück. Wer sich Kinder wünscht, aber keine eigenen haben kann, denkt oftmals über eine Adoption nach. Doch welche Hürden gibt es? Und wie sind die Chancen, in und um Osnabrück tatsächlich ein Kind zu bekommen?

Wer darf in Stadt und Landkreis Osnabrück eine Adoption vermitteln?

Um in Deutschland ein Kind zu adoptieren, muss man sich an eine anerkannte Adoptionsvermittlungsstelle wenden; das sind in unserer Region der Adoptionsdienst des Landkreises Osnabrück, der der Stadt Osnabrück und die Adoptionsvermittlungsstelle des Sozialdienstes katholischer Frauen.

Welche formalen Richtlinien gibt es?

Es können sowohl Alleinstehende als auch Paare Kinder adoptieren. Die Bewerber müssen 25 Jahre oder älter sein; bei Ehepaaren muss ein Partner 25 Jahre alt sein, der andere mindestens 21 Jahre. Zudem gibt es die Richtlinie, dass sie nicht viel älter als 40 Jahre sein sollten. Sie müssen ärztlich attestiert frei von Suchterkrankungen sein und psychisch und physisch in der Lage sein, ein Kind zu betreuen und zu erziehen.

Führungszeugnis und Vermögensnachweise

Darüber hinaus müssen sie ein erweitertes Führungszeugnis abgeben, erklärt Ulrike Ortmann, Fachbereichsleiterin des Adoptions- und Pflegekinderdienstes des Landkreises Osnabrück. Auch die Verdienst- und Vermögensnachweise müssen zur Prüfung der wirtschaftlichen Situation der Bewerber vorgelegt werden.

Gibt es weitere Voraussetzungen?

Die Teilnahme an einem Vorbereitungsseminar ist Voraussetzung dafür, dass die Bewerber als überprüfte Adoptivbewerber geführt werden. Erst dann besteht überhaupt die Chance auf ein Kind.

Wie groß ist die Chance, tatsächlich ein Kind zu adoptieren?

Die Anzahl von Bewerbern übertrifft die Anzahl von Kindern; daher ist sie nicht hoch. Allerdings kann es sein, dass man genau die Dinge mitbringt, die sich die abgebenden Eltern für die Zukunft ihres Kindes wünschen. In der Regel muss man nach Angaben von Ortmann in unserer Region jedoch mit fünf bis sechs Jahren Wartezeit rechnen.

Wie lange zieht sich eine Adoption hin?

Bekommt man ein Kind zugesprochen und haben die leiblichen Eltern es – frühestens acht Wochen nach der Geburt – zur Adoption freigegeben, beginnt die sogenannte Adoptionspflege. Das Kind bekommt für diese Zeit einen Vormund. Die Adoptionsvermittlungsstelle des zuständigen Jugendamtes betreut die Adoptiveltern währenddessen und erstellt eine gutachterliche Äußerung für das Gericht, das letztlich über die Adoption entscheidet.

Wann kann der endgültige Antrag gestellt werden?

Der Adoptionsantrag kann nach einer „angemessenen Pflegezeit“ – meist etwa ein Jahr – beim Familiengericht gestellt werden. Dieses prüft dann die erforderlichen Voraussetzungen für eine Adoption und kann die Adoption beschließen.

Welche Pflichten haben Adoptiveltern?

Adoptionsbewerber erhalten während der Adoptionspflege kein Pflegegeld. Nach einer erfolgreich abgeschlossenen Adoption hat das Adoptivkind den rechtlichen Status eines leiblichen Kindes; auch die Adoptiveltern haben somit alle Rechte und Pflichten von leiblichen Eltern.

Was rät man den Bewerbern?

Ein Kind ist kein Statussymbol, das bei späterem Nicht-Gefallen zurückgegeben werden kann. Daher werden die Bewerber und ihre Motive im Vorfeld sehr genau überprüft. Ortmann sagt dazu: „Wir suchen keine Kinder für Eltern, sondern Eltern für ein Kind.“

Gibt es weniger Adoptionen?

Ulrike Ortmann ist Leiterin des Fachbereiches Adoption und Pflegekinderwesen des Landkreises Osnabrück. Foto: Jörn Martens

Ja, sowohl bundesweit als auch in und um Osnabrück. Zum einen werden weniger Kinder zur Adoption freigegeben, weil die betroffenen Mütter heute umfassender über Hilfsstellungen aufgeklärt werden. Darüber hinaus melden sich aber auch weniger Bewerber, da aufgrund der verbesserten Reproduktionsmedizin viele eigentlich zeugungsunfähige Paare doch noch Kinder bekommen können.