Vorwurf: 60000 Euro gestohlen In die Stadtkasse gegriffen: Anklage gegen Osnabrücker Beamten

Von Sandra Dorn

Tatort Stadthaus. Ein Beamter soll während eines halben Jahres 86-mal in die Kasse gegriffen haben. Archivfoto: David EbenerTatort Stadthaus. Ein Beamter soll während eines halben Jahres 86-mal in die Kasse gegriffen haben. Archivfoto: David Ebener

Osnabrück. Ein Mitarbeiter der Osnabrücker Kfz-Zulassungsstelle soll über mehrere Monate in die Kasse gegriffen und fast 60000 Euro gestohlen haben. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat jetzt Anklage wegen gewerbsmäßigen Diebstahls in 86 Fällen erhoben.

Im Mai 2017 war der heute 56-Jährige filmreif in Handschellen aus dem Stadthaus abgeführt worden, wie es damals aus dem Umfeld hieß – mit 900 Euro aus der Kasse in der Tasche. Laut dem Presseamt der Stadt ist der Beamte derzeit freigestellt.

Wie die Staatsanwaltschaft seinerzeit mitteilte, sei der Mann vor dem Zugriff schon einige Zeit lang beobachtet worden. Er sei ins Visier der Ermittler geraten, weil er regelmäßig größere Geldbeträge bei der Bank eingezahlt haben soll.

Lebensunterhalt finanziert

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Osnabrücker vor, zwischen November 2016 und Mai 2017 Gelder aus der Gebührenkasse genommen und damit seinen Lebensunterhalt finanziert zu haben.

Der Beamte soll eine Lücke im Buchungssystem genutzt haben. Und das ging so: „Der Angeschuldigte soll die Barzahlungen der Bürger auf Gebührenbescheide oder Rechnungen zunächst selbst entgegengenommen und quittiert haben, ohne dann jedoch die Zahlungen ordnungsgemäß im Buchungssystem händisch zu erfassen“, erläutert die Staatsanwaltschaft in einer Pressemitteilung. „Stattdessen soll er die jeweiligen Durchschläge gesondert verwahrt und sich im Verlauf des Tages die zusammenaddierte Summe der Bareinzahlungen jeweils unbemerkt aus der Kasse genommen haben.“ Ein Abgleich zwischen den in Rechnung gestellten und den eingenommenen Beträgen habe weder im Einzelfall noch im Rahmen einer Tagesabrechnung stattgefunden.

Der Angeschuldigte soll so zwischen November 2016 und Mai 2017 einen Geldbetrag in Höhe von fast 60000 Euro entwendet haben. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung hätten die Ermittler diverse Durchschläge vorgefunden und sichergestellt, so die Staatsanwaltschaft.

Keine technische Schnittstelle

Dass der Beamte die gezahlten Beträge nicht im Kassensystem verbucht habe, sei nicht aufgefallen, weil es keine technische Schnittstelle zwischen dem Kassensystem und dem Computerprogramm der Zulassungsstelle gegeben habe, erläutert Gerhard Meyering aus dem Presseamt der Stadt. Und was hat die Stadt inzwischen unternommen, um die Sicherheitslücke zu schließen?

Ein Teil der Bezahlvorgänge sei nach Bekanntwerden des Handelns des Mitarbeiters auf Rechnungstellung mit Überweisung umgestellt worden. „Andere Dienstleistungen der Zulassungsstelle werden nur dann zu Ende abgewickelt, wenn der Bürger einen Ausdruck am Schalter vorlegt, dass er die angefallene Gebühr an der Kasse beglichen hat“, so Meyering. Sprich: Der Schaltermitarbeiter schickt den Kunden zum Bezahlen zur Kasse, wo er keine händisch ausgefüllte Quittung mehr, sondern einen Ausdruck bekommt. „Dieser Ausdruck kann nur dann erstellt werden, wenn der Vorgang in das Kassensystem eingegeben worden ist. Damit ist belegt, dass alles ordnungsgemäß gebucht ist.“ In einer neuen Version der Kfz-Zulassungsanwendung sei eine Schnittstelle zum Kassensystem künftig integriert.

Angeschuldigter schweigt

Der Angeschuldigte selbst habe sich zu den Vorwürfen noch nicht eingelassen, so die Staatsanwaltschaft. Das Amtsgericht muss nun über die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheiden.