Unerwartete Aufmerksamkeit für Autorin Rumänin Lavinia Braniste mit Übersetzerin aus Osnabrück bei zur Heide

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Die Autorin und ihre Übersetzerin: Lavinia Branista (links) stellte mit Manuela Klenke in der Buchhandlung zur Heide ihren Roman „Null Komma Irgenwas“ vor. Foto: Anne ReinertDie Autorin und ihre Übersetzerin: Lavinia Branista (links) stellte mit Manuela Klenke in der Buchhandlung zur Heide ihren Roman „Null Komma Irgenwas“ vor. Foto: Anne Reinert

Osnabrück. Mit Lavinia Braniste hat die Lesereihe „Littera“ am Montag eine spannende Autorin aus Rumänien nach Osnabrück geholt. Mit dabei war auch ihre Übersetzerin Manuela Klenke, die in Osnabrück lebt.

Buchhändler Lennart Neuffer wollte auf Nummer Sicher gehen. Also hat er die Lesung mit Lavinia Braniste in die Buchhandlung zur Heide verlegt, statt sie wie die meisten anderen „Littera“-Veranstaltungen im Blue Note stattfinden zu lassen. Nun hat er „den Salat“, wie er sagt. Denn es sind rund 50 Zuhörer gekommen. Da wird es etwas eng im Buchgeschäft.

Erst in den letzten Tagen ist das Interesse an Lavinia Braniste gestiegen. Zu verdanken ist das der Leipziger Buchmesse, wo Rumänien Gastland war und wo die 35-Jährige mit ihrem Debütroman „Null Komma Irgendwas“ die Aufmerksamkeit der Medien weckte.

(Weiterlesen: Gastland Rumänien auf Leipziger Buchmesse)

Hauptfigur steht für viele ihrer Generation

Zu Recht. Denn mit ihrer Hauptfigur Cristina erzählt die Autorin von ihrem Land selbst und von den prekären Arbeits- und Lebensbedingungen. Cristina steht für viele in ihrer Generation. Eigentlich hat sie Literatur studiert. Doch ihre Fremdsprachenkenntnisse bringen ihr den Job einer Sekretärin in einer Baufirma ein, eine Branche, von der sie nichts versteht. Angenehm ist der Job nicht, schon allein, weil Cristina Blitzableiter ihrer Chefin ist.

Auch die Autorin hat zwei Jahre in einem Bauunternehmen gearbeitet. „Ich wollte nicht, dass das einfach nur eine verschwendete Lebenszeit war“, erklärt Lavinia Braniste, warum sie das in ihrem Buch verarbeitet hat. Rein autobiografisch ist der Roman nicht. Viele Hintergründe kenne sie zwar selbst, so Braniste. Cristinas Liebesgeschichte etwa hat sie dagegen erfunden.

(Weiterlesen: Politische Debatten auf der Buchmesse)

Preisgekröntes Debüt

Die Autorin selbst liest nur eine Passage auf Rumänisch. Den Rest übernimmt ihre Übersetzerin Manuela Klenke. Die ist ebenfalls in Rumänien geboren, lebt aber seit mehreren Jahren in Osnabrück. Klenke war es, die vor einiger Zeit in der Buchhandlung zur Heide fragte, ob es Interesse an einer Lesung mit Lavinia Braniste gebe. So kam es, dass die Autorin vor ihrer Rückkehr nach Bukarest in Osnabrück vorbeischaute. Und dass diese kleine, feine Lesung mit einer aufstrebenden Schriftstellerin zum genau richtigen Zeitpunkt stattfinden konnte.

In ihrem Heimatland bekam Braniste für ihr Debüt 2016 den Preis Nepotul lui Thoreau für de besten rumänischen Roman. Sie steht damit für die aufblühende rumänische Literatur. Nach dem Sturz des Diktators Ceausecsu habe es eine große Lücke in der Literatur gegeben, sagt Branista. Bis vor wenigen Jahren habe 80 Prozent des Buchmarktes aus Übersetzungen bestanden. 

In Deutschland sind es bisher die kleinen Verlage, die rumänische Autoren verlegen. Branistas Debüt wurde im eher unbekannten Mikrotext-Verlag veröffentlicht, der seine Bücher erst seit kurzem auch in Print statt nur als E-Book veröffentlicht. Klar ist aber, dass der Verlag eine Autorin entdeckt hat, von der mehr zu hören sein dürfte.

(Weiterlesen: Boom der Lesungen)


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN