Smiley Hope wird erwachsen Klammeraffe lernt im Zoo Osnabrück seine Artgenossen kennen

Von Catharina Kronisch


Osnabrück. In den vergangenen zehn Monaten ist Smiley Hope von der Tierpflegerin Heike Läkamp per Hand aufgezogen worden, nun geht es für sie zu ihren Artgenossen. Das Braunkopfklammeraffen-Weibchen muss nun Schritt für Schritt lernen, ohne seine Ersatzmutter zu leben. Der Zoo Osnabrück bereitet Smiley Hope darauf vor.

Smiley Hope gehört zu einer vom Aussterben bedrohten Affenrasse, zu den Braunkopfklammeraffen. „Unter anderem deshalb ist es dem Zoo Osnabrück sehr wichtig, dass Smiley Hope gesund aufwächst und sich wohlfühlt“, sagt Andreas Wulftange, wissenschaftlicher Kurator im Zoo Osnabrück. Dass der Affe von einem Menschen aufgezogen wird, sei ein Notfallplan. „Der Mutter ging es gesundheitlich nach der Geburt sehr schlecht, darum war die Entscheidung, Smiley Hope bei Heike Läkamp groß werden zu lassen, die richtige.“

Pflege rund um die Uhr

Heike Läkamp hat mit dem Klammeraffen ihren gesamten Alltag verbracht: „Sie lebt bei mir im Haus und kommt überall mit hin. Außerdem hat sie ein eigenes Zimmer, wo sie wie in einem Affengehege klettern kann. Am Anfang musste ich sie sogar alle zwei Stunden füttern.“ Nun ist die Tierpflegerin dabei, Smiley Hope langsam von sich zu lösen: „Wir versuchen, sie Schritt für Schritt mit ihren Artgenossen zusammen zu führen. Das heißt, ich gehe mit ihr in ein separates Gehege im Klammeraffenhaus, die anderen Tiere nehmen über ein Gitter Kontakt zu Smiley Hope auf.“ Dieser Annäherungsprozess laufe bisher gut. „Sie freut sich immer, wenn sie zu den anderen Affen darf“, ergänzt Wulftange.

Schritt für Schritt

Das gegenseitige Kennenlernen zwischen Smiley Hope und den anderen Braunkopfklammeraffen muss laut Wulftange langsam erfolgen: „Wir wissen nicht, wie viel Zeit es braucht, bis der Affe integriert ist, das kann schnell gehen oder auch ein paar Monate dauern, wir lassen Smiley Hope Zeit.“ Das Ziel sei, dass das Klammeraffen-Weibchen ohne ihre Tierpflegerin unter den Affen leben kann. Das ist laut des Experten der Fall, wenn Smiley Hope die Verhaltensweisen eines Affen übernommen hat und von den anderen Tieren akzeptiert wird. „Solange wir uns da nicht sicher sind, komme ich noch mit ins Gehege, damit ich zur Not dazwischen gehen kann, wenn es zwischen den Affen Streit gibt“, sagt Läkamp.

Bisher könnte Smiley Hope eineinhalb Stunden alleine im Nachbargehege auskommen, doch zwischendurch würde sie immer wieder nach der Tierpflegerin rufen. Dazu sagt Wulftange: „Auch Affen kennen das Gefühl, jemanden zu vermissen“. Auch, wenn ein Tier der Gruppe gestorben ist, falle ihnen das auf. „Smiley Hope muss lernen, immer längere Zeit von der Pflegerin entfernt zu sein und merken, dass sie trotzdem immer wieder zu ihr zurückkommt.“

Nicht nur das Abnabeln steht im Fokus bei der Integration ins Affenhaus: „Smiley Hope muss nun die Gestik und Mimik der Affen noch mehr übernehmen, diese Gesten sind teils angeboren, teils erlernt“, sagt Wulftange. Er erklärt: „Ein Lachen bei Menschen heißt etwas anderes als bei Affen. Wenn wir lachen, sind wir freundlich gestimmt, bei Affen kann das Zähnezeigen Aggressionen ausdrücken.“

Erst einer, dann immer mehr

Auch, wenn der Braunkopfklammeraffe noch nicht komplett in die Affengruppe integriert ist, kann er schon im Zoo besucht werden. Vor allem vormittags ist Heike Läkamp mit Smiley Hope im Klammeraffenhaus zu Gast. Der nächste Schritt sei nämlich nun, Smiley Hope mit einem anderen Affen ohne trennendes Gitter zusammen in ein Gehege zu lassen. „Das wird wahrscheinlich ihre Halbschwester sein, mit der versteht sie sich gut“, sagt Läkamp. Sobald dieses Zusammensein gut klappt, könnte der handaufgezogene Klammeraffe in eine größere Gruppe gelassen werden. Solange bleibt Heike Läkamp zumindest noch zeitweise am Tag und vor allem nachts an der Seite von Smiley Hope.


Klammeraffen

Im Zoo Osnabrück leben momentan insgesamt neun Braunkopfklammeraffen. Dazu gehören die Weibchen Mother, Finger, Isabella, Alani, Ronja, Smiley Hope, ein dreijähriges und ein einjähriges Weibchen sowie das Männchen Neville.

Braunkopfklammeraffen haben dunkles Fell, lange, dünne Arme und Beine sowie einen langen Schwanz. Sie werden als „Artisten“ unter den Affen bezeichnet, da sie sich hangelnd von Ast zu Ast bewegen. Sie leben in südamerikanischen Regenwäldern und sind vom Aussterben bedroht.