Strukturiert lernen Das sind die wichtigsten Tipps für die Abiprüfungen

Von Catharina Kronisch

Im April starten in Niedersachsen die Abi-Prüfungen. Schüler aus der Osnabrücker Region bereiten sich jetzt schon vor. Foto: Tobias Kleinschmidt/dpaIm April starten in Niedersachsen die Abi-Prüfungen. Schüler aus der Osnabrücker Region bereiten sich jetzt schon vor. Foto: Tobias Kleinschmidt/dpa

Osnabrück. Trotz Osterferien: In Niedersachsen rauchen momentan die Köpfe, denn Anfang April starten die schriftlichen Abiturprüfungen. Das bedeutet für die Schüler: Der gesamte Stoff der Oberstufe muss sitzen. Lern-Experten aus der Osnabrücker Region haben Tipps gegen den Abistress.

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„Ich bin schon seit einigen Wochen dabei, intensiv zu lernen und versuche, jeden Tag ein bis zwei Stunden Zeit dafür zu haben. Aufgeregt bin ich aber noch nicht“, sagt Elisabeth Völtz. Die 17-Jährige bereitet sich auf ihre Abiturprüfungen am Gymnasium Oesede vor. Diese starten am 9. April mit dem Fach Geschichte, danach sind unter anderem die Prüfungen in Chemie (11. April), Biologie (16. April) und Mathe (2. Mai) dran. Bis zum 4. Mai müssen alle Abiturienten in Niedersachsen ihre Klausuren schreiben.

Den Druck raus nehmen

Nicht nur intensives Lernen, auch Pausen seien wichtig, um die Abi-Prüfungen gut vorzubereiten, sagt die Osnabrücker Universitätsprofessorin Ingrid Kunze vom Institut für Schulpädagogik. „In der Abi-Zeit ist es gut, sich auch mal Ruhephasen zu gönnen. Es bringt nichts, sich am Abend vor der Prüfung noch verrückt zu machen und den ganzen Stoff immer wieder durchzugehen“, sagt sie. Lernen bis zur letzten Sekunde könnte auch zur Verwirrung führen. Besser sei es, sich beim Lernen einen Überblick zu verschaffen, Zusammenhänge zu erschließen und nicht in Details zu versinken.

Nachhilfe vor allem in Mathe und Englisch

Das empfehlen auch Nachhilfeinstitute. „Eine frühzeitige und gezielte Vorbereitung ist vor den Abiturprüfungen die beste Möglichkeit, um gute Leistungen zu erzielen“, sagt Maria Hagemeyer vom Mühlentor-Kolleg Bad Iburg. „Während der schriftlichen Prüfungen sollten die Schüler versuchen, konzentriert zu arbeiten, um zum Beispiel Flüchtigkeitsfehler zu vermeiden“, so Hagemeyer. Die Hilfe von Experten scheint bei etlichen Schülern gefragt: „Viele Abiturienten nehmen vor den Abschlussprüfungen vor allem in Mathe und Englisch Nachhilfestunden.“

Fokus auf die Abiklausuren

Auch die Eltern könnten ihre Kinder in der Prüfungsphase unterstützen, so Schulpädagogin Kunze. „Die Familie sollte versuchen, den Prüflingen den Rücken frei zu halten und sie von anderen Aufgaben, zum Beispiel im Haushalt, zu befreien.“ Darüber hinaus sei ein realistischer Blick auf die Wichtigkeit des Abiturs gefragt: Eltern können ihren Kindern dabei helfen, die Situation richtig einzuordnen. „Das Abi ist zwar wichtig, dennoch hängt davon nicht das ganze Leben ab.“

Angst vor den Klausuren zu haben sei in gewissem Maße auch normal, so die Schulpädagogin. „Ein bisschen Nervosität, ähnlich wie Lampenfieber, kann die Leistung steigern, man ist einfach aufmerksamer und holt alles auch sich heraus.“ Würde die Angst aber zu große Ausmaße annehmen, sei der Rat von Schulpsychologen gefragt.

Gut informiert

„Gelernt wird natürlich nicht erst in der Zeit kurz vor den Prüfungen“, sagt Britta Laing. Sie unterrichtet am Gymnasium Oesede die Fächer Französisch und Englisch. „In der gesamten Oberstufenzeit werden abiturrelevante Aufgaben bearbeitet. Wir gehen auf alle relevanten Themen ein und greifen gezielt Fragen von Schülern auf. Das ist das, was die Schule vorbereitend tun kann“, sagt Laing. Inhaltlich könnten sich die Schüler selbstständig informieren: „Die Unterrichtsinhalte in der Oberstufe orientieren sich an landesweit festgelegten, thematischen Schwerpunkten für das Zentralabitur, die auf dem niedersächsischen Bildungsserver nachzulesen sind.“

Eigenmotivation beim Lernen

Außerdem sei die individuelle Vorbereitung wichtig, die von Schüler zu Schüler sehr unterschiedlich ausfällt: „Manche Schüler sind organisiert und fangen frühzeitig mit dem Wiederholen des Lernstoffes an. Andere lassen es da ruhiger angehen“, sagt die Lehrerin. Ob alleine oder in einer Gruppe gelernt wird, das sei ebenfalls verschieden: Einige Schüler arbeiten gern in Lerngruppen, andere lernen lieber alleine.“

Keinen Einfluss auf Klausur-Termine

„Beim Lernen sollten die Schüler ihr Zeitmanagement im Blick haben“, sagt Laing. Denn die Klausuren könnten Schlag auf Schlag folgen. Ein Problem bei der Abi-Vorbereitung ist laut Laing, dass die Termine für die Klausuren landesweit zentral festgelegt werden: „Dadurch liegen die Prüfungen für manche Schüler geballt hintereinander, sie müssen sich noch besser beim Lernen strukturieren.“ Für andere Schüler seien die Termine entzerrter. „Das kann die Schule nicht beeinflussen.“

Ruhe bewahren

Die Schüler von Britta Laing versuchen, auch in der stressigen Abi-Zeit, Ruhe zu bewahren: „Meine Schüler sagen, man soll sich zwar auf das Abi intensiv vorbereiten und frühzeitig anfangen zu lernen, sich aber auch nicht zu viel Stress machen.“ Gut sei, in Lernphasen auch immer ausreichend Pausen einzuplanen und Abwechslung in die Lernzeit zu bringen. „Wer sich traut, der kann vielleicht sogar mal einen Tag lang nichts für das Abitur tun, um den Kopf frei zu bekommen. Und jeder sollte auf jeden Fall genug schlafen“, sagt Laing. So macht es auch die Schülerin Elisabeth Völtz: „Ich versuche, neben dem Lernen, die Osterferien zu genießen.

Sich selbst Mut machen

„Förderlich für die mündlichen und schriftlichen Prüfungen ist, wenn sich die Schüler ihre eigenen Stärken und Schwächen vor Augen führen und selbstbewusst an die Sache herangehen“, sagt die Professorin Ingrid Kunze. „Wer sich gut vorbereitet und seinen Lernplan absolviert hat, sollte sich selbst Mut zu sprechen und sich sagen ‚Ich schaff das schon‘, dann geht man gestärkt in die Prüfungssituation hinein.“

Hier die wichtigsten Tipps in Kürze:


Keine Lust aufs Lernen?

Motivations-Expertin Professorin Rosa Maria Puca von der Uni Osnabrück gibt Tipps:

Motivieren muss man sich nur, wenn es nicht von alleine läuft. Das ist oft der Fall, wenn man sich auf Themen vorbereiten muss, die man schwierig oder uninteressant findet, oder wenn man gerade etwas anderes viel lieber täte, zum Beispiel sich mit Freunden zu treffen. In diesen Fällen müssen sich Schüler aufraffen und disziplinieren, sich selbst ermahnen am Ball zu bleiben.

In der Motivationsforschung nennt man das Selbstkontrolle.

Kontrollierte Tätigkeiten sind im Gegensatz zu Tätigkeiten, die man gern tut, sehr anstrengend. Die Fähigkeit zur Selbstkontrolle ist auch nur begrenzt verfügbar. Das bedeutet, dass wir täglich nur ein gewisses Kontingent an Selbstkontrolle haben. Wenn man sich gleichzeitig vornimmt, wenig Schokolade zu essen, weil man abnehmen möchte, mehr Sport zu treiben, um fit zu bleiben und endlich mal sein Zimmer aufzuräumen, ist die Fähigkeit zur Selbstkontrolle bald erschöpft. Es bleibt nur wenig Kapazität, für ein ungeliebtes Abiturfach zu lernen.

Ein wichtiger Tipp zur Abiturvorbereitung ist deshalb, andere Vorhaben zunächst zurückzustellen.

Studien haben außerdem gezeigt, dass die Tätigkeiten, die Selbstkontrolle verlangen, Glukose im Gehirn verbrauchen. Deshalb sind glukosehaltige Lebensmittel wie Schokolade oder andere Süßigkeiten nicht nur Belohnungen, sondern helfen den Schülern auch, ungeliebte Tätigkeiten zu meistern.