Spatenstich mit Minister Bau des Hin-und Her-Studentenwohnheims beginnt

Von Wilfried Hinrichs


Osnabrück. Erster Spatenstich für das Krisen-Studentenwohnheim auf dem Westerberg in Osnabrück. Politiker, Planer und die Spitzen von Uni und Studentenwerk Osnabrück zeigten sich am Montag in Feierlaune. Vergessen schien das Hin und Her der vergangenen Wochen.

War da mal was? Wer die Reden zum ersten Spatenstich für das Studentenwohnheim im Wissenschaftspark in Osnabrück am Montag hörte, wird den Eindruck haben: Hier haben alle Stellen Hand in Hand für ein Vorzeigeobjekt gearbeitet. Dass vor etwas mehr als einer Woche das Wohnheim noch auf der Kippe stand, vernahmen die Wissenden nur zwischen den Zeilen der Festreden.

Der kommissarische Geschäftsführer des Studentenwerks Osnabrück, Stefan Kobilke, äußerte sich „stolz“, dass das Studentenwerk nach dem Bau des Wohnheims „Bei den Linden“ nun ein zweites Objekt verwirklicht, „das optisch und energetisch Maßstäbe setzt“. Es sei eine „schwere Geburt“ gewesen, so Kobilke, mit „unerwarteten Kostensteigerungen“ und „Missverständnissen, die ausgeräumt wurden“. Am Ende seien „einige Begriffe geschärft“ worden, dann sei der Weg für das Zwölf-Millionen-Projekt frei gewesen.

Krass verrechnet

Hinter diesen Andeutungen steckt: Das Studentenwerk hatte sich verkalkuliert. Es hatte den Wettbewerb um den Bau und Betrieb des Studentenwohnheims in Wissenschafts- und Wohnpark an der Sedanstraße mit einem Angebot gewonnen, dass sich im Nachhinein als unwirtschaftlich herausstellte. Nachträgliche Korrekturen sollte die Stadt nicht mitmachen. Der Verwaltungsrat der Uni beschloss deshalb vier Wochen vor dem ersten Spatenstich den Rückzug, zog den Rückzug dann aber auf Druck der Stadt wieder zurück. Es reifte die Einsicht, dass ein Ausstieg zu diesem späten Zeitpunkt teurer geworden wäre als ein über Jahre defizitärer Betrieb.

Passivhausstandard und Keramikfassade

124 Plätze wird das Wohnheim haben. Es sind Einzelappartements und kleine Wohnungen zum Beispiel für Studierende mit Kind vorgesehen. Mitte 2019 soll es fertig sein. Architektin Afra Creutz von „PLan.Concept“ versprühte Vorfreude auf ein Bauwerk, das mit ökologischen Baustoffen, dem Passivhausstandard und der auffälligen Keramikfassade einen städtebaulichen Akzent setzen werde. Auch Oberbürgermeister Wolfgang Griesert sprach von einem „architektonischen Highlight“, der Entwurf sei „frisch und fetzig“. Griesert machte sich seinen eigenen Reim „frei nach Wilhelm Busch“ auf das Hickhack um das Wohnheim. Wie Max und Moritz – „ricke, racke“ – lausbubenhaft ihre Scherze trieben, so habe auch das Studierquartier manche Wendung genommen, ehe es nun unter „freudigem Gebrumm“ der Öffentlichkeit Wirklichkeit werde.

Björn Thümler (CDU), Niedersachsens neuer Minister für Wissenschaft und Kultur, versicherte, dass das Land sich auch weiterhin um „optimale Rahmenbedingungen für Studierende“ kümmern werde. Das Wohnheim löse das Wohnungsproblem in Osnabrück gewiss nicht, aber es trage zur Entspannung bei. Uni-Präsident Wolfgang Lücke sagte, Osnabrück könne sich glücklich schätzen, mit dem Schloss im Herzen der Stadt und dem Campus auf dem Westerberg ein Studienangebot zu haben, das die Studierenden in das Leben der Stadt integriere.