Osnabrücker Namensforscher Der Keye wohnte an einem befestigten Ufer

Von Winfried Breidbach

Der Keye wohnte an einem befestigten Ufer (hier Schafe auf einem Deich an der Nordsee). Foto: dpaDer Keye wohnte an einem befestigten Ufer (hier Schafe auf einem Deich an der Nordsee). Foto: dpa

Osnabrück. Unser Leser Günter Aring aus Melle interessiert sich für den Familiennamen „Keye“. Ihm ist bekannt, dass Keye in der Region Melle schon seit langer Zeit als Hofname existierte.

Etwa 230 Personen tragen den Nachnamen Keye, der vor allem in der nördlichen Hälfte Deutschlands anzutreffen ist, insbesondere in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Das stärkste Nest von Keye zeigt sich im Kreis Wernigerode. Es gibt mehrere Schreibvarianten, von denen Kaye mit 300 Namensträgern die häufigste ist. Kaye ist deutlich in Sachsen-Anhalt konzentriert, mit dem stärksten Nest im Kreis Quedlinburg. Die weiteren Schreibungen (Keie, Keihe, Kaie, Kaje, Caje, Caye) sind sämtlich seltener als Keye und Kaye. In mehreren namenkundlichen Werken findet sich eine Erklärung von Keye/Kaye als „Wurfspieß, Speer“, die sich auf ein mittelniederdeutsches Wort keye, keyge mit dieser Bedeutung beruft. Nach neuerem Stand der Forschung bedeutete dieses Wort aber „Kieselstein“ und war im Mittelniederdeutschen so selten, dass es auf die Bildung deutscher Familiennamen kaum Einfluss gehabt haben kann (wohl aber im niederländischen Gebiet mit den dortigen Namen Key, Keij, Keyen, Keijen und de Keye).

Der deutsche Familienname Keye, Kaye usw. konnte auf zwei verschiedenen Wegen entstehen. Zunächst ist er mit einem alten Rufnamen identisch, der früher auch in einsilbiger Form vorkam und der heute wieder als Kay oder Kai in Mode gekommen ist. Der Ursprung dieses Rufnamens ist ungeklärt. Er war zunächst in Holstein sehr beliebt (zum Beispiel 1357 „Keye van Rantzowe“) und breitete sich dann nach Süden aus.

Keye/Kaye kann aber auch zu einem gleichlautenden Lokalnamen gehören. Im Mittelniederdeutschen (1150 bis 1600) lautete die Bezeichnung einer Ufereinfassung oder eines Dammes am Wasser kaje (auch kaye, kae, kage geschrieben) „befestigtes Fluss- oder Grabenufer, Ufermauer, Kai“. Derjenige, der an einem entsprechend benannten befestigten Ufer oder an einer Ufermauer wohnte, konnte von seinen Mitmenschen einen hierauf bezogenen Beinamen erhalten, der dann als Wohnstättenname zu klassifizieren ist.

Von den heutigen Namensformen ausgehend, können diese beiden Möglichkeiten nicht unterschieden werden. Bei einem Hofnamen wie bei der ehemaligen Hofstätte Keye in Melle-Insingdorf ist wohl eher an einen Lokalnamen für eine Uferbefestigung zu denken.

Alte Belege: 1288 „Rolekinus Keye“ (Riga), 1291 „Arnoldus Keye“ (Rostock), 1306 „Henning Keye“ (Braunschweig), 1323 „Wenzlo Keie“ (Arnsburg/Hessen), 1345 „Jakob Keye“ (Mönchengladbach), 1458 „H. Keye“ (Leipzig).