Musikerwettstreit vor großer Kulisse Songslam-Finale erstmals im Theater am Domhof

Von Matthias Liedtke

Ausdrucksstarke Stimme: 
              
              Paul Clayton aus Augsburg wurde am Ende Dritter beim Songslam-Finale im Theater. Foto: Hermann PentermannAusdrucksstarke Stimme: Paul Clayton aus Augsburg wurde am Ende Dritter beim Songslam-Finale im Theater. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Es war ein langer und bunter Abend, den die acht Songwriter, die das Songslam-Finale bestritten, dem Publikum im restlos ausverkauften Theater am Domhof bescherten.

Genau genommen waren es neun, denn Vorjahressiegerin Miss Allie aus Lüneburg durfte die beiden Finalrunden außer Konkurrenz eröffnen. Dabei blieb sie nicht die einzige, die ob der großen Kulisse mit mehr als 600 Zuschauern etwas eingeschüchtert und nervös war. Am Ende meisterten aber sämtliche Qualifikanten ihre Auftritte auf der großen Bühne souverän. August Klar aus Paderborn traf das Los, sowohl in der erste Runde als auch im „Finale im Finale“ als Erster antreten zu müssen. Während er im ersten Teil mit kraftvoller Blues-Stimme und Akustikgitarre den „Simple Man“ gab, glänzte er mit komplexer Beatbox-Mouth Percussion in der Endrunde. Für die hatte sich auch der Kölner Songwriter Jan Kalter mit „melancholischem Liedgut“ qualifiziert, die seine Oma als „Musik zum Runterholen“ bezeichnet. Der musikalisch hochprozentige „Strawberry Punch“ war aber dann seiner Mutter gewidmet, die ihn auch dazu animierte, „mal was auf Deutsch“ zu singen. Das tat er dann auch mit seiner großartigen, auch den großen Theatersaal durchdingenden Stimme, verpasste aber am Ende knapp den Sprung aufs Treppchen der besten Drei.

Nur einer am Klavier

Dort fand sich stattdessen Paul Clayton aus Augsburg wieder, der mit glasklarem, ausdrucksstarken Timbre die Zuhörer in seine „Open Arms“ rennen ließ. Noch mehr die repräsentativ ausgewählte Publikumsjury überzeugt hat Zara Akopyan aus Geesthacht bei Hamburg, die mit starker, selbstbewusster Stimme und kraftvoll angeschlagenen Gitarrensaiten mit „Take A Ride“ zunächst zum Eskapismus ermutigte, um dann mit dem vielschichtigen „Priorities“ einen energiestrotzenden Song über zu kurz gekommene Dinge zum Besten zu geben – womit sie nicht sich selbst meinte. Nichtsdestotrotz musste sie sich am Ende aber Issak Guderian aus Rinteln geschlagen geben, der nach seinem Vorrundenerfolg in der Lagerhalle auch den Gesamtsieg des Songslams 2017/18 davontrug. Dabei war er der einzige, der am Flügel Platz nahm, um mit viel Vibrato in der Stimme ein Lied über den verhassten „inneren Schweinehund“ zu „ertasten“. Im zweiten Durchgang hing er sich aber wie alle anderen auch die Akustische um den Hals, um trotzig und wütend „Life Is Perfect“ in den Saal zu schleudern, einen Song über den von ihm anscheinend gelebten Traum vom selbstbestimmten Leben.

Alle auf der Bühne

Immerhin einen selbstkomponierten Song vor großer Kulisse spielen durften der Poetry Slammer Ben Schafmeister aus Bremen, der mit „Ein Tick anders“ aber der Jury ebenso scheinbar nicht fröhlich genug war wie Dalia Häßicke aus der Heimatstadt des gewohnt lässigen Moderators Andi Weber. Die Münsteranerin präsentierte einen sehr persönlichen, nachdenklichen Song über das Verhältnis zu ihrer Schwester.  Auch Janny Bleck aus Hannover verpasste die Finalrunde knapp, obwohl er lebensbejahend und mitsingbar „Alive“ sang. Am Ende standen aber alle acht auf der Bühne, um als Zugabe Britney Spears „Hit Me Baby, One More Time“ – die erste und einzige Coverversion des Abends. Angeführt von der lustigen kleinen Miss Allie endete so ein großes Finale einer Songslam-Saison, für die sich am Ende die Lagerhalle als zu klein erwies. Osnabrück ist längst zu einer Hochburg dieser Art von Veranstaltung geworden, die sich als echter, für jedermann offener Talentwettbewerb wohltuend von künstlichen Casting-Shows abhebt.