Unterschätztes Akkordeon Manfred Leuchter und Ian Melrose im Lutherhaus

Von Thomas Hitzemann

Die zwei Solisten Manfred Leuchter (links) und Ian Melrose schafften es, als Duo zu verschmelzen. Foto: Hermann PentermannDie zwei Solisten Manfred Leuchter (links) und Ian Melrose schafften es, als Duo zu verschmelzen. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Auf dem Podium des bekannten Osnabrücker Kulturzentrums schaffen es zwei ausgewiesene Solisten, dennoch als Duo zu verschmelzen. Manfred Leuchter widerlegt im Handumdrehen alle Vorurteile gegenüber dem Akkordeon und Ian Melrose bestätigt, dass auf die Lutherhausbühne immer auch der Gitarre gehört. 

Das Programm dieser reifen Musikerpersönlichkeiten ist nicht nur abwechslungsreich, es schwingt sich auch mehrfach zu Höhepunkten auf. „Ramallah“ spiegelt den politische Nahostkonflikt musikalisch in einem Getümmel von Motiven und Rhythmen. „Rajuli“ huldigt einer indischen Frau, die aber wider Erwarten lateinamerikanische Tänze liebt. „Strolling Through Florence“ (Schlendern durch Florenz) ist ein von der Gitarre geprägtes Stück. Es kommt ganz ohne durchgehenden Rhythmus aus und zeigt statt dessen sanfte Terzen.

Das orientalische „ Mandila Hidschas“ entwickelt sich rhythmisch unter minimalistischen Wandlungen. Beim „Keltischen Medley“ reihen sich irische und schottische Weisen aneinander. Leuchter und Melrose begeistern durch augenzwinkerndes Duettieren voller    Tempo und Charme.

Auch Deutsch mit Tiefgang

Ab und zu greift Melrose zur irischen Tinwhistle (Flöte) und entlockt ihr schwebend verträumte Töne. Leuchters Akkordeon glänzt vor Klangfarben. Klingt es nicht manchmal wie ein Saxophon, wie eine Mundharmonika, oder wie ein Fagott?

Doch die beiden Musiker können nicht nur Keltisch und Exotisch. Sie beherrschen auch Deutsch mit Tiefgang. Zwei Bearbeitungen von Liedern aus dem Dreißigjährigen Krieg klingen fast wie frühbarocke Tafelmusik. Den Zuhörern stockt der Atem, wenn Leuchter auf dem Akkordeon meisterhaft Johann Sebastian Bachs „Jesus, meine Freude“ interpretiert.

Natürlich bringen sie auch Klassiker der Popmusik. „And I Love Her“ von den Beatles ertönt im Zusammenspiel vom Feinsten.