Harte Fakten gegen Glauben Shahak Shapira: Gnadenloser Stand-Up in der Lagerhalle

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Ausgeteilt nach allen Seiten: Shahak Shapira mit starken linken Haken in der Lagerhalle. Foto: Jörn MartensAusgeteilt nach allen Seiten: Shahak Shapira mit starken linken Haken in der Lagerhalle. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Desorientierte Nazis, nutzlose Kinder und homophobe Katholiken: Alle bekamen ihr Fett weg in Shahak Shapiras gnadenlosem Stand-Up-Comedy-Programm „German Humor“, mit dem er in der Lagerhalle kein Blatt vor den Mund nahm.

Glauben ist nicht gerade die Sache des 29-jährigen Autors, Politaktivisten und Netzpiraten, der vor 15 Jahren von Israel nach Sachsen-Anhalt gezogen ist. Dort hat er sich aber immerhin schnell einen „Sinn für Humor“ angeeignet, um „es auszuhalten“, wie er sagt. Inzwischen lebt er in Berlin, konfrontiert die Nazis aber immer noch gern mit unangenehmen Wahrheiten. So sammelt er etwa falsch gemalte Hakenkreuze, unter denen die „arische Kunst“ leide und die er auf einen „Mangel an qualifizierten Fachkräften in der Nazi-Branche“ zurückführt. Dass auch Nazi-Demos zunehmend schlechter besucht würden, erklärte er sich damit, dass viele potenzielle Teilnehmer einfach nicht den rechten Weg finden. „Wie haben die damals Polen gefunden?“, fragte er sich angesichts ihrer qua Presseberichte nachweislichen Orientierungslosigkeit.  

Beatbox und Bossmove

Ausführlich berichtete Shapira über seine „Beefs“ mit „Auschwitz“, das in Online-Bewertungen aber besser wegkommt als „Buchenwald“ („In das Lager kommen ist Glückssache“), sowie mit dem „bekannten Schlagersänger“ Fler, den er mit auf eine Leinwand projizierten Screenshots aus den sozialen Medien illustrierte. Wie besessen scheint er von dem „gefährlichen“ Rapper zu sein, dessen Konterfei auch bei der Vorstellung des Superhelden „Double Dick Dude“ zu sehen war – natürlich gleich doppelt. Nachdem Shapira sich zu Beginn per Beatbox und Rocky-Thema „Eye Of The Tiger“ aufgewärmt hatte, boxte sich der bekennende Atheist und Misanthrop durch die Runden seines radikal tabufreien Stand-Ups, in denen er nach allen Seiten austeilte. Seine starken linken Haken trafen nicht nur die „homophobe und frauenfeindliche“ katholische Kirche, die den „Boss Move“ hinbekomme, Steuern zu erhalten statt zu zahlen, sondern auch sämtliche anderen Glaubensrichtungen.

Verständnis für den Hass

Den Hass der Rechten könne er indes manchmal verstehen, konzedierte Shapira. Denn tatsächlich gebe es „viele Schmarotzer und Parasiten“. Dabei habe er zwar nichts gegen Kinder, aber: „Die kommen hier zu uns auf die Welt und können nichts“, setzte er eine starke Pointe. Auch die Eltern zog er in die Verantwortung, von denen „die meisten“ einfach „keine Kinder haben“ sollten - wobei er selbstkritisch seine eigene Mutter nicht davon ausnahm, die mit ihm im 8. Monat der Schwangerschaft noch Skigefahren und Berge hochgeklettert ist. Es war verständlich, dass jemand, der im Privatfernsehen „keine Menschen mehr“ sieht, „sondern Risiken“, der menschlichen Fortpflanzung grundsätzlich kritisch gegenübersteht.  

„Deutscher“ geworden

Dass er spontane Interaktion beherrscht, bewies Shapira, als im Saal einmal ein Handy klingelte oder der junge Snapchatter Torben aktiv wurde. Zitate von Poetry Slammern, für ihn übersetzt: „Langzeitstudenten auf Lehramt“, setzte er so zusammen, dass sie auch als inhaltsleere Rede von Donald Trump funktionierten. Vor drei Wochen ist der israelische Hardcore-Stand-Upper „Deutscher“ geworden, erzählter er nicht stolz. Dabei habe er sich allerdings gegen einen deutschen Vornamen im Pass entschieden, nachdem ihm von „Adolf“ abgeraten worden war. Da hatte wohl jemand auf dem Amt den „German Humor“ nicht verstanden.


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